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Nürnberg griddisch/1 ab 08/2011

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griddisch/2 ab 12/2012

Autor: Gerhard Jochem

Titel: Umlaut, Pe & Bindestrich - fertig ist das Mondgesicht

Datum: 08.10.2017




Im September 2017 erschien beim Verlag Ars Vivendi ein Gedichtband von Fitzgerald Kusz nebst musikalischem Live-Programm mit dem Titel: NÄMBERCH-BLUES

Seit 19. Dezember 2014 steht bei Nürnberg griddisch ein Kurzprosa-Stück online, Titel: NEMBERCH BLUES

Auf der Website des Dichters jubeln die Nürnberger Nachrichten, wohl aus Buch oder Pressemitteilung zitierend: Franken und Amerika, PENGERTZ im Herzen und ‚"MISSISSIPPI on my Mind", das ist das Spannungsfeld für ein musikalisches Heimspiel erster Güte. "Blues & Kusz" heißt der hintersinnige Heimatabend ...

Im Text bei Nürnberg griddisch hieß es schon fast drei Jahre eher phonetisch richtig, weil der Nembercher ein P ebenso aussprechen kann wie der Chinese ein R:

unn däi BENGERZ
iss unsä MISSISSIBBI

Ein übler Schelm, wer sich dabei etwas zu denken traut, denn alles ist reinster Zufall.

Wir verleihen uns selbst jedenfalls den virtuellen Cadolzburger Hochliteratur-Inspirationspreis (ohne Beteiligung an Tantiemen oder Ruhm) zum Fremdschämen und gönnen dem avantgardistischen Nachwuchsprojekt die dank medialer Stalinorgeln garantierten Umsätze von Nemberch bis zum Mississibbi, denn Not ist immer mitleiderregend, ob finanzielle oder kreative.

Aber ohne jemand auf seine beim Deichmann gekauften original Luftschlangenleder-Cowboystiefel treten zu wollen: Echter Blues tut weh, ist kein Spannungsfeld für ein Heimspiel, selbst wenn dess Gschmarri erstgütlich den Sinn hinter sich gelassen hat. Echter Blues ist Ausdruck von Leidenschaft und wütendem Schmerz angesichts der Verlogenheit des Systems und seiner heuchlerischen Vertreter, der eigenen Unzulänglichkeit, der Untreue der Frau, ist die Sehnsucht nach der Wahrheit. Echter Blues riecht nach Schweiß, Blut und billigem Fusel, zwinkert cool und traurig mit den vernarbten tätowierten Augen, lacht bitter über selbstmitleidige Poetik, musikalisches Kunsthandwerk und Feuilletons. Echter Blues dampft wie ein frisch geschlachtetes Schwein für ein BBQ in Louisiana und duftet sexy wie das schwere Parfum einer anziehenden Frau, mieft nicht muffig wie das hiesige verpupste Christ-Girlie nach provinziell ranziger Röstbratwurst in Lebkuchenteig und ewig lauwarmer rotschwarzbrauner Sembft-Glühweinsauce. Echter Blues ist ein weltlicher Gospel, zeugt vom unerschütterlich verzweifelt naiven Glauben an die Menschen trotz ihrer Dummheit.

Mit nachgemachter Negermusik altersmelancholische Bildungsbürger aus der Nürnberger Nordstadt und Erlenstegen, die nicht mehr tanzen können, bei toskanischem Rotwein und Antipasti im Sitzen lukrativ zu bespaßen, war sicher nicht die Absicht ihrer Erfinder, als sie von den Baumwollfeldern kamen. Dafür eignet sich auch eher verschwurbelte deutsche Liedermacherei zum Mitgreinen: Wir Schmuddelkinder höhlen mit so kleinen Händen voll weichem Wasser über den Wolken - Brüderinnen, zur Sonne, zur Freizeit! - den harten Stein, kumbaya, ach du schönes Walberla, hossa, hossa, ene, mene, billerbong, auf und nieder - blah! Dieser geniale Text kann übrigens gegen eine moderate Gebühr völlig legal nachgesungen und ins Fränggische übersetzt werden.

So gesehen ist Nemberch die Welt-Meddrobole des Blues, denn hier gibt es immer genug gute Gründe, ihn zu bekommen - seit 1050.


Links (shame on all imposters):

Elmore James - Dust My Broom

Howlin' Wolf - Spoonful

Memphis Slim - Havin' Fun

Muddy Waters - Hoochie Coochie Man

Bessie Smith - A Good Man is Hard to Find

Tag: #blues_2017

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Künstlerhausgarten 2: Das ist Natur und kann bald weg

Datum: 30.09.2017




Der Teufelsbaum!

Dieses rotzfreche, über siebzig Jahre ohne Genehmigung gewachsene Teil (mit ein paar ebenso hinterfotzig anarchistischen kleineren Gehölz-Ärgernissen) stört. Enorm. Droht nachgerade den menschlichen Fortschritt aufzuhalten. Wenn nicht bald die Kettensägen anrücken und eine Bresche in dieses ekelhaft planlose Gewucher schlagen, ist das Ende der friedlich-freundlichen Nürnberger Eierkultur-Welt nahe!

So jedenfalls lautet die unumstößliche Entscheidung, gegen die niemand Berufung oder Beschwerde einlegen oder in einer der grünlosesten Städte Deutschlands Vernunftsgründe anführen kann, weil keiner weiß, wer sie gefällt (sic) hat. Notorische Querulanten dürfen allerdings jederzeit versuchen, die in Kafkas Vor dem Gesetz klar dargestellten demokratischen Mitspracherechte für sich in Anspruch zu nehmen (und werden schon sehen, was sie davon haben).

Aber was soll die ganze Aufregung? Wo gehobelt wird, da fallen halt Bäume, weil die stur verwurzelten Dummbatze trotz Vorwarnung nie rechtzeitig der Zivilisation aus dem Weg hüpfen. Dabei wurden gerade in Nürnberg zukunftsweisende Alternativen zu solch botanischer Renitenz entwickelt: HO-Modelleisenbahn-Bonsais in verfahrbaren Kübeln zur befristeten Glas-Beton-Wüsten-Aufhübschung und die Bewässerung der in den letzten 20 Jahren gepflanzten, normgerecht wachstumsfreien Krüppelfichten mittels Tankwagen (bei laufendem Motor, versteht sich, zwecks CO2-Abdruck) - oder sind die Dinger in Wirklichkeit aus Plaste und werden nur vom allgegenwärtigen Feinstaub gereinigt?


Links:

Artikel Mächtigem Ahorn im "Kulturgarten" droht die Fällung bei nordbayern.de

Künstlerhausgarten 1: Das ist Kunst und schon fast weg

Tag: #ahorn

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Künstlerhausgarten, Teil 1: Das ist Kunst und schon fast weg

Datum: 30.09.2017




Abb. 1




Abb. 2




Abb. 3 (Quelle)

Wer sich schon einmal gefragt hat, woher die teilweise abenteuerlich verformten Asphaltplatten mit und ohne Kreissegmenten im Garten des Künstlerhauses stammen (s. Abb. 1 & 2), findet hier, allerdings auf Englisch, die Antwort: von dem seinerzeit international bekannten und ausgezeichneten slowakischen Avantgarde-Künstler Miloš Urbásek, der sie 1971 anlässlich der 2. Nürnberger Biennale (sicher nicht kostenlos, aber was soll's?) goss.

Wie Abb. 3 zeigt, muss die Wirkung der die gesamte Hoffläche füllenden Bodenplastik in Kombination mit grobem Schotter und üppiger Vegetation hypnotisch gewesen sein. Irgendwann danach schlug in Etappen der, erst einmal entfesselt, im verbissen kindlichen Drang zum Kaputtmachen unbezähmbare Nürnberger HwdS-Pragmatismus (Auflösung der Abkürzung auf Anfrage) zu, ironischerweise am rabiatesten direkt hinter der Kunsthalle, wo kein Krümel mehr an Urbáseks Werk erinnert.

Ob es einen Sinn hat, seine kläglichen Überreste (grob geschätzt höchstens noch 30 Prozent) zu erhalten, erscheint fraglich, höchstens als Mahnmal für das zügige offizielle Kurzzeit-Kunstverständnis in einer Kommune, die sich jetzt als Kulturhauptstadt Europas bewerben will: Obacht, hier nagelt man Kunst sicherheitshalber besser an den Himmel, damit sie nicht eines Tages wichtigeren Dingen im Weg steht oder liegt!


Link:

Künstlerhausgarten 2: Das ist Natur und kann bald weg

Tag: #urbasek

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Die Lorenzkirche muss weg ...

Datum: 22.09.2017




... und durch einen formschönen 20-stöckigen Gewerbemixbau aus Glas, Beton und Beton und Glas mit ausreichend Flächen für Public Viewing, Strandkörbe und die Altstadtlagune ersetzt werden, denn auf sie treffen dieselben Argumente zu wie z.B. auf den Kopfbau der Hauptpost am Bahnhofsplatz, die die Denkmalschredderbehörden angeführt haben, um sich nicht mit einem allmächtigen Investor anlegen zu müssen:

1) Sie steht seit 700 Jahren die meiste Zeit leer, also wird die Fläche nicht ausreichend genutzt.

2) Sie wurde nach dem II. Weltkrieg stark vereinfacht wieder aufgebaut (Kunststück, waren ja nur noch die Außenmauern übrig).

3) Sie ist irgendwie Naziarchitektur, jedenfalls stand sie mit ihrem unruhigen Gezacke zwischen 1933 und 1945 auch schon im Weg rum.

Also: Denkmalschutz aufheben, Stadtrat abstimmen lassen und Abrissbirne frei! Die Kirchengemeinde kann ja in die Quelle umziehen, da ist genug Platz zum spaßlosen nichtkommerziellen Rumbeten.


Link:

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #lorenz

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Die Komikertruppe

Datum: 26.12.2016




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Vor einem Jahr weigerte sich der Oberbürgermeister, den Vorschlag einer Straßenbenennung nach dem gebürtigen Nürnberger und im Zweiten Weltkrieg als US-Soldat im Kampf gegen die Nazis gefallenen Stephen Mosbacher pflichtgemäß an den Stadtrat zur Entscheidung weiterzugeben (s. Link).

Am 28.04.2016 beschloss der Verkehrsausschuss des Stadtrats einstimmig, bei nächster Gelegenheit dem Lokalhumoristen Herbert Hisel (1927 - 1982) eine Straße im Stadtteil Langwasser zu widmen, da es sich bei ihm um eine bedeutende Persönlichkeit handle.

Sollte es in Nürnberg künftig genügen, eine Witzfigur zu sein, um eine eigene Straße zu bekommen, hat sich der Kreis der Aspiranten deutlich erweitert - jou wergli!


Link:

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher

Tag: #hisel

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Der Fotobeweis

Datum: 01.10.2016




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Das ist unser Freund Norbert, eine mumifizierte Ratte (bei Nacht, deshalb etwas unscharf). Um so auszusehen, braucht es einige Zeit. Norbert hat sich für seine radikale Schlankheitskur den Bauhof, also den zentral in der Altstadt gelegenen Vorplatz von SÖR, den unermüdlichen Kämpfern gegen Schmutz, Schund und Ungerechtigkeit, rausgesucht und weste dort in sommerlicher Hitze wochenlang fröhlich in Gesellschaft von Schmeißfliegen und kannibalischen Kollegen vor sich hin. Beseitigt wurde er erst, als wir ihn so positioniert haben, dass man über seine sterblichen Überreste stolpern musste - wahrscheinlich von einem anderen genervten Passanten, der eine Plastiktüte dabeihatte.

Damit ist klar bewiesen, dass Big Bird Vogel, Bürgermeister und Ober-SÖR, mit seiner gebetsmühlenhaften Ansage, es gebe in seiner Stadt kein Rattenproblem, subjektiv völlig richtig liegt, denn er und seine heldenhaften Mitarbeiter(innen) sind offenbar nagerblind.

Ruhe sanft, Norbert. Du hast sicher rechtzeitig für genügend Nachwuchs gesorgt.


Link:

Alle Daumen hoch fürs Gesundheitsamt!

Tag: #norbert

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nürnberg-Meme 3 - Die Stadt der schadhaften Straßen

Datum: 25.09.2016




(Grafik: Gerhard Jochem)

Tag: #meme_03

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nürnberg-Meme 2 - Kannibalen

Datum: 25.09.2016




(Grafik: Gerhard Jochem)

Tag: #meme_02

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nürnberg-Meme 1 - Billigheim

Datum: 25.09.2016




(Grafik: Gerhard Jochem)

Tag: #meme_01

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Marienstraße 15

Datum: 25.09.2016




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Das nächste Opfer des Nürnberger Geschichtsunbewusstseins, vom Landesamt für Denkmalvernichtung zum Abriss freigegeben - langjähriges Wohn- und Sterbehaus des Industriepioniers Ignaz Bing, Wirkungsstätte des bedeutenden Sozialpolitikers Karl Theodor Marx.


Link:

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #marienstrasse

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nürnberger Stadtverführungen

Datum: 25.09.2016




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Samstag, 24. September 2016, 16.45 Uhr: An der hässlichen, aber belebten Straßenecke, wo Kornmarkt, Klara- und Grasersgasse aufeinandertreffen, vor dem Ostflügel des Germanischen Nationalmuseums, traurig ironischerweise direkt neben der Skulptur des Ganymed, sitzt am helllichten Tag ein etwa 25-jähriger Junkie (mit Migrationshintergrund) und setzt sich einen Schuss. Eine Reisegruppe kommt auf dem Weg zu ihrem Bus vorbei. Auf dem Kornmarkt sind, wie üblich bei schönem Wetter, die Skater unterwegs und ein selbsternannter Prediger plärrt herum, man solle gefälligst seine Sünden bereuen. Im Café auf der anderen Straßenseite sonnen sich Touris und Möchtegern-Provinzschickis bei viel zu lauter Easy-Listening-Musik. Die Pfandflaschensammler, die bis zu ihren Ellenbogen in den Mülleimern stecken, gehören sowieso schon zum Stadtbild.

An diesem Wochenende finden die sogenannten Stadt(ver)führungen statt.

Es tut weh zu sehen, wie sie Nürnberg aus verantwortungsloser, wichtigtuerischer Dummheit haben verkommen lassen und nur noch vom Erbe ihrer Großeltern und Eltern leben, ohne selbst etwas zu schaffen.

Man möchte aus dieser Stadt davonlaufen.


Link:

Gescheiterte Republikflucht (geschrieben vor genau vier Jahren)

Tag: #stadtverfuehrungen

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nürnberger Erinnerungskultur (Schnittmuster)

Datum: 21.08.2016




Karl Ranseier

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Entwurf für eine Grabinschrift:

Karl Ranseier (1754 - 2017)

Unter den kleinen Söhnen Nürnbergs war er ein mittelgroßer.

Was von ihm nicht mehr verwertbar war, ruht in diesem Ehrenschuttkübel.

In tiefer Demut und Dankbarkeit
Oberbürgermeister und Stadtrat


Links:

Gedanken zur Erinnerungskultur

Kunst im öffentlichen Raum: Konrad Bräunlein

Tag: #ranseier

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Aggressive Idioten spielen auf unseren Straßen Krieg

Datum: 30.07.2016




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Normale Menschen belästigen die Umwelt nicht mit ihren mentalen, emotionalen oder intellektuellen Defiziten. Da sich aber heutzutage bald jeder Vollpfosten unter dem Vorwand seiner Herkunft, sexuellen Orientierung oder Religionszugehörigkeit frei in der Öffentlichkeit austoben darf, gehört die trommelfellzerfetzende Information durch sinnloses Herumgurken in der mit einem Klappenauspuff aufgerüsteten Zuhälterkarre, dass er

a) stolz darauf ist, es (wie auch immer) als erstes Mitglied seiner Familie vom Eselkarren zum BMW gebracht zu haben,

b) sich mit jedem anlegen möchte, um seine Männlichkeit zu beweisen - solange er nicht allein und von ein paar Tonnen deutschem Nobelblech umgeben ist -, und

c) unter chronischen Potenzproblemen leidet,

zum Nürnberger Alltag und muss von seinen Mitmenschen still erduldet werden - sonst gibt's was auf die Fresse, Alter!

Wer's nicht glaubt, gar für ein gemeines Vorurteil hält, möge sich wochenends in einer lauen Sommernacht gegen drei Uhr an die Rennstrecke zwischen Neutor und Plärrer stellen, wenn er tollkühn oder lebensmüde ist, auch versuchen, den Ring zu überqueren.

Warum nutzen das Reservoir von überlebensgroßen, aber gemeingefährlich unterbelichteten Möchtegern-Helden nur die Hersteller dieser vom Staat sanktionierten (Arbeitsplätze, Arbeitsplätze!) akustischen Mordwaffen? Es drängt sie zur Tat, also jedem eine echte Knarre in die Hand und ab zum Friedenssicherungseinsatz, z.B. in Afghanistan oder Mali. Dort könnten sie ihren Mut überzeugender beweisen als auf dem Asphalt Gostenhofs und der Südstadt - wenn sie noch zu etwas anderem kommen als ihre hartnäckig verschmutzten Unterhosen zu waschen und flennend mit Mami zu skypen.


Links:

Hurra, Nürnberg ist in der Champignons League! (bundesweite Erhebung über Lärm 2011)

Lärme nicht!

Tag: #klappe

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Der Postbau - letzter Akt

Datum: 07.11.2015




Das kann jetzt weg, weil es amtlich kein Denkmal ist
(Foto: Susanne Rieger)

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Am 14.10.2015 lehnte der Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst es ab, unserer Petition entsprechend das Landesamt für Denkmalpflege mit einer Neubewertung des Kopfbaus am Bahnhofsplatz zu beauftragen. Die Begründung, die in der Dokumentation nachzulesen ist (s.u. Link), lautet kurz und auf Deutsch: Das zügig abgewickelte Kahlschlagverfahren sei schon zu weit fortgeschritten, um noch was machen zu können.

Die Chancen waren nicht groß, alles hat seine Ordnung, als Ergebnis darf der allmächtige Investor das historische Gebäude vernichten, weil das sonst allohnmächtige Landesamt wie ein trotziges Kind nicht bereit war, seine über zehn Jahre alte Entscheidung angesichts der akuten Gefahr des Totalverlusts zu revidieren.

Ansonsten ist niemand so richtig glücklich, wie der Landesdenkmalrat in seinem Antwortschreiben formuliert:

Es ist dem Regionalausschuss Franken des Landesdenkmalrats jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass Nürnberg bedauerlicherweise damit ein weiteres Zeugnis seiner (Bau-)Geschichte verliert, das gerade durch seine Veränderungen den Wandel der (Nürnberger) Geschichte anschaulich machte.

Sogar eine Grünen-Landtagsabgeordnete hat in einem flapsigen Humoranfall nach dem Lutschen dieses Drops Bauchschmerzen (s. NN-Artikel vom 15.10.2015) - Hahaha, super Witz, aber wie soll man künftig solche Fälle verhindern? Indem man präventiv eine Liste gefährdeter Gebäude nach München schickt, damit es nicht wieder heißt, dass die Bemühungen zu spät kommen? Oder soll man so unheiligen Koalitionen aus Geld, Lokalpolitik und unfehlbarer Fachkompetenz, die die Stadt, ihr Erscheinungsbild und ihre Geschichte wie ihr Privateigentum behandeln, kampflos das Feld überlassen? Wir finden nicht, machen weiter und wünschen den Herrschaften viel Spaß bei der doch hoffentlich stattfindenden Demolition Party mit lauwarmem Prosecco, Lachsschaumspeise und Wahl der Miss Nürnberger Abrissbirne.


Links:

Die Dokumentation der LT-Entscheidung (amtliche Schreiben und Pressestimmen)

So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Tag: #post7

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Datum: 06.06.2015




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Es ist nur eine Mitteilung über den weiteren Verfahrensablauf, aber der Sachverhalt wird von noch einer unabhängigen Institution geprüft, die ihn hoffentlich unter anderen Aspekten sieht als diejenigen, welche dem Abriss ohne Berücksichtigung größerer Zusammenhänge zugestimmt haben.



Links:

So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #post6

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Datum: 21.05.2015




(Foto: Ulrich Geyer)

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Bayerischer Landtag
Max-Planck-Straße 1
81627 München

Nürnberg, den 21. Mai 2015

Petition zur Denkmalwürdigkeit des Postdienstgebäudes in Nürnberg, Bahnhofsplatz 1

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe an Sie, da m.E. in vorliegendem Fall das Landesamt für Denkmalpflege das Landesdenkmalschutzgesetz nicht seinem Sinn entsprechend anwendet, weil es nach elf Jahren bereit sein muss, alle Aspekte der Denkmaleigenschaft neu zu bewerten, die einem steten Wandel unterliegt.

Besonders frappierend ist die Verweigerungshaltung der Behörde genau siebzig Jahre nach Ende des NS-Regimes, zu dessen baulichen Zeugnissen der Kopfbau gehört, ebenso wie er den Wiederaufbau und somit Brüche und Kontinuität deutscher Geschichte besonders prägnant repräsentiert. Gerade in Nürnberg, wo mittlerweile selbst die Denkmalwürdigkeit der Baulichkeiten auf dem Reichsparteitagsgelände in Frage gestellt wird, wäre der Abriss des Postgebäudes eindeutig das falsche politische Signal.

Deshalb bitte ich darum, dass der Bayerische Landtag als gesamtgesellschaftlich verantwortliches Organ und Gesetzgeber das Landesamt zum ordnungsgemäßen Vollzug des Landesdenkmalschutzgesetzes, also einer formellen Überprüfung seiner bisherigen Bewertung anhält, ggf. indem es bekannte Experten wie Herrn Prof. Wilfried Nerdinger (früher TU München) zur Begutachtung heranzieht. Dabei bedingen die bereits laufenden Neubauplanungen eine erhebliche Dringlichkeit.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Jochem



Links:

So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #post5

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Datum: 04.04.2015




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Im Gegensatz zum Landesamt für Denkmalpflege scheint der Landesdenkmalrat unsere Einwände ernst zu nehmen und sich sogar der unmittelbar drohenden Gefahr eines voreiligen und irreversiblen Abrisses bewusst zu sein. Jetzt sind wir auf die Stellungnahmen der betroffenen Stellen gespannt. Man könnte auch unabhängige Experten um ihr Urteil bitten, z.B. Herrn Prof. Wilfried Nerdinger, der das Gebäude in dem von ihm herausgegeben Standardwerk Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933 - 1945 (München 1993) ausführlich würdigte (S. 384, Abb. S. 385).



Links:

So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #post4

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Dr. Hermann Luppe (Kiel 06.08.1874 - 03.04.1945)

Datum: 29.03.2015




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Am 3. April jährt sich der Tag des tragischen Todes von Dr. Hermann Luppe, des letzten demokratisch gewählten Oberbürgermeisters von Nürnberg vor 1933, bei einem Bombenangriff zum 70. Mal.

Als mutiger und kompromissloser Kämpfer, der sich mit allen politischen, juristischen und publizistischen Mitteln gegen die hier besonders starke braune Flut stemmte, war er seit seinem Amtsantritt ein Hassobjekt der Nazis. Nach der Machtergreifung wurde er inhaftiert und zog sich zu seinem Schutz klugerweise zunächst nach Berlin und später in seine Geburtsstadt Kiel zurück.

Heute erinnert an ihn in Nürnberg, das ihm viel zu verdanken hat, nur ein gesichtsloser Platz. An seinem Todestag wird im Namen der Stadtverwaltung ein Kranz auf seinem Grab in Norddeutschland niedergelegt.

Offenbar haben wir in Nürnberg und Deutschland zu viele Vorbilder aufrechter Demokraten, um sie angemessen würdigen zu können ...

Literatur

Hermann Luppe: Mein Leben. Nürnberg 1977 (auch Bildquelle).

Hermann Hanschel: Oberbürgermeister Hermann Luppe. Nürnberger Kommunalpolitik in der Weimarer Republik. Nürnberg 1977.


Links:

Luppes Biografie bei Wikipedia

Luppes Biografie bei Nürnberginfos


Tag: #luppe

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Datum: 13.03.2015




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Da hatte es der Herr vom Landesamt für Denkmalpflege zu eilig mit seiner Antwort und vergaß darüber die Argumente, denn dass vor elf Jahren einmal etwas beschlossen wurde, bedeutet nur beim Papst wegen dessen Unfehlbarkeit das Ende der Diskussion. Deshalb also unser zweiter Anlauf, den Tatsachen zu ihrem Recht zu verhelfen:

1) E-Mail des Landesamtes vom 06.03.2015

Sehr geehrter Herr Jochem,

vielen Dank für Ihren Hinweis auf das o.g. Gebäude und Ihr damit verbundenes Engagement für die Belange der Denkmalpflege.

Das Gebäude Bahnhofsplatz 1 in Nürnberg wurde bereits 2004 auf seine Denkmaleigenschaft hin überprüft. Hierbei wurde festgestellt, dass das kriegsbeschädigte und im Zuge des Wiederaufbaus stark vereinfachte Gebäude die Kriterien eines Baudenkmals nicht erfüllt und keine Denkmaleigenschaft nach Art. 1 DSchG aufweist. Eine erneute Überprüfung erscheint nicht notwendig.

Mit freundlichen Grüßen
(...)

Referat Z I
Bayerische Denkmalliste / Bayerische Topographie
Hofgraben 4 80539 München

2) Unsere Antwort vom 13.03.2015

Sehr geehrter Herr Dr. (...),

als Begründung für die fehlende Denkmaleigenschaft des o.a. Baus führen Sie den stark vereinfachten Wiederaufbau nach der Teilzerstörung im II. Weltkrieg an. Dabei besteht wohl zunächst Einigkeit darüber, dass jede Rekonstruktion vereinfachend ist, da mit dem Original immer architektonische Elemente endgültig verlorengehen. Bleibt die subjektive Bewertung stark. Deren Berechtigung verschließt sich dem Betrachter beim Vergleich der (...) Ansichten vor 1945 und heute: Der Dachstuhl ist flacher, es fehlen die sechs Wappenreliefs im obersten Stockwerk und der Hoheitsadler an der Ecke. Dass in der Nachkriegszeit auf letzteren verzichtet wurde, ist verständlich, alles andere könnte wieder dem ursprünglichen Zustand angenähert werden. Wichtiger ist aber, dass der heutige Bau von der Substanz her - zumindest was seine Fassade angeht - weit überwiegend aus der Vorkriegszeit stammt. Die suggerierte Minderwertigkeit einer oberflächlichen Nachbildung ist also nicht zutreffend.

Der schlichte, aber prägnante Zweckbau am Nürnberger Bahnhofsplatz ist seit 80 Jahren an seinem exponierten Standort wichtiger Bestandteil des Stadtbildes. Seine Entstehung und Erhaltung machen ihn zu einem gebauten stadtgeschichtlichen Dokument; durch seine Zerstörung wird das unten beschriebene Ensemble zerrissen - alles Tatsachen, die das Gebäude zu einem Baudenkmal nach Art. 1 Bayer. Denkmalschutzgesetz machen.

Wie bereits im Fall des Anwesens Virchowstraße 19 im Jahre 2010 ist die von mir weiterhin dringend erbetene Neubewertung wegen des akut drohenden Abrisses unbedingt geboten und kann durchaus zu anderen Ergebnissen führen als vor mehr als zehn Jahren. Ansonsten tragen die am Verfahren Beteiligten die Verantwortung für den Verlust eines einmaligen historischen Gebäudes.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Jochem


CC: Bayer. Kultusministerium, Landesdenkmalrat, Untere Denkmalschutzbehörde Nürnberg, Stadtheimatpflege Nürnberg, NN Lokalredaktion, NZ Lokalredaktion, Altstadtfreunde Nürnberg e.V.


Links:

So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #post3

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Datum: 04.03.2015




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Konsequenzenloses Rumgemaule ist leider eine typisch Nürnberger Charaktereigenschaft. Es gibt aber durchaus auch hier Handlungsalternativen, z.B. seine Meinung mit sachlichen Argumenten zu artikulieren, der Obrigkeit mitzuteilen und sie zum Handeln aufzufordern. Wir haben jedenfalls heute folgende E-Mail an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München geschrieben, wenn sich schon in Nürnberg nichts mehr tut als Achselzucken - mal sehen, was daraus wird:

Betreff: Abriss des Postdienstgebäudes (Bahnhofsplatz 1) in Nürnberg

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicherlich wissen, wurde die o.a. Immobilie, die seit 80 Jahren das Erscheinungsbild eines der wichtigsten Eingangstore zur Altstadt - den Bahnhofsplatz - mitprägt, von einem Investor erworben, der sie abreißen und dort einen gewerblichen Neubau errichten will. Sein Vertreter tat kürzlich in der Lokalpresse kund, sich dabei praktisch weder hinsichtlich der Fassadengestaltung noch der Geschosszahl an Vorgaben gebunden zu fühlen.

Nach dem Totalabriss des markanten Postverladebahnhofs an der Bahnhofstraße 8 und der Entkernung - nur die Fassade und das Treppenhaus werden stehenbleiben - des ehemaligen Postamts 2 (Bahnhofstraße 4) soll nun der letzte und geschichtlich wie architektonisch interessanteste Zweckbau im Postkomplex nordöstlich des Bahnhofs unwiederbringlich zerstört werden. Dabei spiegelt seine Baugeschichte seit 1931 mit modernen Ansätzen, Revision der Pläne in der NS-Zeit und dem Wiederaufbau nach 1945 beispielhaft die politischen und ästhetischen Epochen seines Bestehens. Ebenso verlöre das Gästehaus der NSDAP (später Bavarian American Hotel) auf der gegenüberliegenden Platzseite sein zeitgenössisches Gegenstück (vgl. Beer, Heyden, Koch u.a.: Bauen in Nürnberg 1933 - 1945. Nürnberg 1995, S. 35 - 37, 81, 86).

Zu den grundlegenden Aufgaben des Denkmalschutzes gehört, das Unverwechselbare zu bewahren. Die genannten noch erhaltenen Reste der historischen Architektur rund um den Bahnhofsplatz sind spezifisch für Nürnberg und seine Entwicklung vor und nach 1945. Deshalb bitte ich Sie dringend um eine nochmalige Prüfung der Denkmalwürdigkeit und ggf. Neubewertung des Kopfbaus Bahnhofsplatz 1, bevor dort ein weiterer beliebiger Stahl-Glas-Gießbetonbau entsteht.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Bemühungen und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Jochem


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So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt (Postgebäude, Teil 1)

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Der Postbau - letzter Akt

Tag: #post2

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Denkanstoß - Eine Partnerstadt in Afrika für Nürnberg

Datum: 03.01.2015




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Die Liste der 21 Nürnberger Partnerstädte bzw. befreundeter Kommunen scheint von den Rotweinliebhabern aus der Toskana-Fraktion zusammengestellt worden zu sein: Zwölf von ihnen liegen in Mittelmeerländern und auf dem Balkan, davon allein vier in Norditalien. Beim Rest fallen deutliche Verheber (zu groß: Atlanta, zu klein: das montenegrinische Bar, zu bedeutend: Prag) und für die Stadt der Menschenrechte bedenkliche Verbrüderungen (Shenzhen) auf. Auf fremden Kontinenten ist Nürnberg in Asien, Nord- und Mittelamerika vertreten.

Afrika südlich der Sahara bildet einen großen weißen Fleck auf der städtischen Landkarte, eine Weltregion, die v.a. wegen ihres demographischen Wachstums absehbar Asien als ökonomischer Motor ablösen wird und aus der immer mehr Nürnberger Neubürger(innen) stammen werden. Dabei verläuft die Verstädterung Afrikas in einem halsbrecherischen Tempo, das ebenso große Chancen wie Risiken birgt und deren Dynamik im satten Europa unvorstellbar ist.

Die Partnerschaft mit einem Mittelzentrum in einem politisch stabilen Staat West-, Ost- oder Südafrikas wäre ein Zeichen der Anerkennung für die Entwicklung der Demokratie und gegen Rassismus nach innen und außen, da dunkelhäutige Menschen bei uns nach wie vor am massivsten von Diskriminierung betroffen sind. Unterstellt man dort prinzipielle Neugier der noch nicht reizüberfluteten Menschen auf andere Kulturen, könnten wir mehr einbringen als bunte Tourismusprospekte und Flugzeugladungen mit offiziellen Delegationen. Das Ziel sollte ein wirklicher Austausch zwischen den Stadtbewohner(inne)n sein, um sich zu begegnen und von einander zu lernen.

Eine solche Initiative braucht eine breite Unterstützung aus der Nürnberger Bevölkerung, um erfolgreich zu sein. Der Aufstieg des afrikanischen Südens wird so oder so weitergehen, aber bekanntlich bestraft die Geschichte den, der zu spät kommt, und wenn nur mit Ignoranz.



Link:

Auch Nürnberger machten Südwest deutsch

Tag: #partnerstadt

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Terror in Nürnberg

Datum: 31.12.2014




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Die gestern bei der Gala zur Eröffnung des Dr.-Ulrich-Maly-Gedächtnis-Barock-Delfinariums im ehemaligen Volksbad versammelten Spitzen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Steuerhinterziehung fielen einer mit Anlauf und Hurra ausgeführten, verheerenden Arschbombe zum Opfer.

Nach stundenlanger Suche - die Attentäterin hatte sich in einer Umkleidekabine versteckt - konnte die Polizei noch am Tatort das 13 Jahre alte Nilpferdweibchen Fränzi festnehmen. Erste Ermittlungen ergaben, dass Fränzi vor einigen Monaten aus dem Tiergarten entflohen ist und sich seitdem im Unterholz am Ufer des Wöhrder Sees versteckt hält.

Die völlig verängstigten und durchnässten Gäste wurden von den Rettungskräften zum Beruhigen und Trocknen in die historische Augustinerparkwüste gejagt. Die Delfine nutzten das Chaos nach dem Anschlag, um als Stadtratshinterbänkler verkleidet eine der vorgefahrenen Limousinen zu kapern und sich Richtung Atlantik abzusetzen.



Link:

Auf geht's!

Tag: #volksbad

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nemberch Blues

Datum: 19.12.2014




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Bleeds Gschmarri unn Gwerch
Gschdang unn Bseudo-Guldur

Blous fodd vo dou
in däi grouse weide Weld

---

Naa
Bungd
Sunsd hamm däi
Schwellkupf-Doldis gwunna

Mir bleim
unn däi Bengerz
iss unsä Mississibbi
walls gnau asu dreggerd iss
unn a scho immä dou woar



Link:

Umlaut, Pe & Bindestrich - fertig ist das Mondgesicht

Tag: #blues

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Vorbild Nürnberg: So wird klammheimlich (Architektur-)Geschichte entsorgt

Datum: 09.12.2014




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Der Kopfbau des ehemaligen Postkomplexes, der den Nürnberger Bahnhofsplatz seit 1934 prägt, soll mit dem Segen des Denkmalschutzes sang- und klanglos abgeräumt werden, damit dort irgendein auswärtiger Investor einen nutzungsoptimierten Klotz mit Lochfassade hinstellen kann.

Dabei schert es die Stadt, die gerade mindestens 75 Millionen für die Sanierung der Zeppelintribüne fordert, offensichtlich einen Dreck, dass damit nach dem Postverladebahnhof (Bahnhofstraße 8) im Zentrum wieder ein markantes Gebäude mit viel Geschichte verlorengeht: Nach dem II. Weltkrieg vereinfacht wieder aufgebaut besitzt es ein für die 1930er Jahre fortschrittliches Stahlskelett und sollte ursprünglich auch außen mit einem Flachdach und kubischen Fenstern modern gestaltet werden, doch nach der Machtergreifung setzten die Nazis ihre Richtung der Neuen Deutschen Baukunst mit Walmdach, Natursteinverblendung und Rundbögen im Erdgeschoss durch (nachzulesen in: Bauen in Nürnberg 1933 - 1945, Nürnberg 1995, S. 35 ff. - auch Bildquelle). So korrespondierte die Architektur mit dem gegenüberliegen Gästehaus der NSDAP, dem späteren Bavarian American Hotel.

Man ist sprachlos angesichts dieses einmal mehr wie geschmiert laufenden Zusammenspiels zwischen den Geldigen, die bekanntlich anschaffen, der indifferenten Politik und konfliktscheuen Fachleuten, die ihr Wissen für sich behalten und sich damit selbst überflüssig machen. Die beiden letzteren beteiligten Mitspieler im millionenschweren Immobiliengeschäft wurden gewählt bzw. werden bezahlt, um den Teil der ererbten Bausubstanz der Stadt zu erhalten, der dies wert ist. Dies ist beim Postbau am Bahnhofsplatz ohne Zweifel der Fall. Damit tragen sie die Schuld an der zunehmenden Gesichtslosigkeit und architektonischen Vermüllung Nürnbergs ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.


Links:

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt - Der Postbau, Teil 2

Moooment! - Der Postbau, Teil 3

Hoffnung - Der Postbau, Teil 4

Unser letzter Versuch: eine Petition an den Bayerischen Landtag (Der Postbau, Teil 5)

Die Antwort des Landtags - Der Postbau, Teil 6

Der Postbau - letzter Akt

Tabula rasa in Nürnberg: Milchhof und Augustinerhof

Traditionsbewusstes Nürnberg: Die Spaeth-Villa am Dutzendteich

Tag: #post

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Vergessliches Gedenken

Datum: 21.04.2014




Ausdruck der Indifferenz: Moosquader statt Gedenken an Menschen - eine Ausnahme bestätigt die Regel
(Foto: Susanne Rieger)

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Bunte Niederflora: im Hochgebirge pittoresk, auf Soldatengräbern ausgesprochen destruktiv
(Foto: Susanne Rieger)


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Trotz aller gegenteiligen Bekundungen weiß die Stadt Nürnberg nicht wirklich etwas mit dem 100. Jahrestag des Kriegsbeginns 1914 anzufangen: Da gibt es ab dem Sommer eine Ausstellung zu den Auswirkungen des Geschehens im Großraum, der Rest der einschlägigen Veranstaltungen verliert sich im Vagen des global ethischen Konflikt-Blah-Blubbs, um vermeintliche Aktualität herzustellen - als ob eine Beschäftigung mit den konkreten historischen Vorgängen, die bis heute nicht systematisch erforscht sind, gerade vor Ort ein alter Hut wäre.

Bezeichnend für den fehlenden Bezug zum Thema, den Mangel an vernetztem Denken und Handeln sowie das nur pflichtmäßige Abfeiern des Anlasses ist der Zustand des Gräberfelds auf dem Südfriedhof für die überwiegend auswärtigen Soldaten, die in den Nürnberger Lazaretten infolge ihrer Kriegsverletzungen gestorben sind: Auf den Steinen sprießen ungestört fingerdicke Schichten von Moos und Flechten, die die ohnehin fortschreitende Verwitterung beschleunigen.

Welchen ungeheuren logistischen und finanziellen Aufwand hätte es gekostet, diese Abteilung 2014 auf Vordermann zu bringen? Keinen - freilich müsste man als städtischer Entscheider erst wissen, dass sie existiert und wie es dort ausschaut. Dabei ginge es nicht um die Herstellung eines soldatisch akkuraten Heldenfriedhofs, sondern das Bewahren der Erinnerung an die Individuen, bevor der letzte Name unter Flora und saurem Regen weggebröselt ist. So werden die Toten zum zweiten Mal ideologisch umgewertet, indem sie von fürs Vaterland gefallenen Söhnen zu vergessenen Gestalten einer Epoche mutieren, mit der niemand mehr etwas zu tun haben will.


Link:

Unser Blog zum I. Weltkrieg

Tag: #wki

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.11.2013
Titel:
Der Fall Abdolfattah Soltani - Update



 

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Abdolfattah Soltani sitzt als politischer Häftling seit mehr als eineinhalb Jahren in einem iranischen Gefängnis, u.a. weil er 2009 den Nürnberger Menschenrechtspreis angenommen hat, was in seiner Heimat illegal ist (zur Vorgeschichte s. Link). Seitdem dönsen SPD-Stadtspitze & Bundestags-CSU herum, sich für seine Freilassung einzusetzen. Das Ergebnis geht aus einer verzweifelten E-Mail seiner Tochter hervor:


Betreff: DRINGEND: Mein Vater, Abdolfattah Soltani, befindet sich im Hungerstreik!
Datum: Sun, 03 Nov 2013 02:15:46 +0100
Von: Maede Soltani <soltani.maede[at]gmail.com>


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

ich schreibe Ihnen aus einem sehr ernsten Anlass: Am 2. November, also dem 60. Geburtstag meines Vaters, hat er mit einem Hungerstreik begonnen. Der Anlass und Forderung dieses Hungerstreiks ist die schlechte gesundheitliche Lage von ihm und vielen anderen politischen Gefangenen im Evin-Gefängnis.

Es befinden sich darunter auch unbekannte Gefangene, die in der Öffentlichkeit meist nicht näher bekannt sind. Sie befinden sich überwiegend im selben Trakt (#350) wie mein Vater, außerdem auch die Herren Mousavi und Karrubi (Oppositionsführer), die seit über 4 Jahren unter Hausarrest stehen und laut Nachrichten auch in sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung sind.

Akut sind über 10 Häftlinge betroffen, die keinen anständigen Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung erhalten. Auch wenn die Familien der Inhaftierten mehrfach die zuständigen Behörden und Personen über diesen Missstand informiert haben, änderte sich nichts an deren Haltung.

Aus diesem Grund, dass die gesundheitliche Situation der Gefangenen sich immer weiter verschlechtert, hat mein Vater nun mitgeteilt, dass er zusammen mit drei weiteren politischen Gefangenen einen "nassen Hungerstreik" (nur Flüssigkeitszufuhr wie z.B. Wasser, Tee usw.) zu seinem Geburtstag beginnt. Daher bitte ich Sie auf diesem Weg um Ihre Unterstützung.

Diejenigen, die mit den Folgen eines Hungerstreiks vertraut sind, kennen bestimmt die Gefahren und Risiken, die für die Gesundheit der Gefangenen nun bestehen. Damit das Anliegen der drei Hungerstreikenden gehört wird, würde ich mich über Ihre Unterstützung und Solidarität freuen.

An Politiker und Bundestagsabgeordnete: Bitte helfen Sie meinem Vater, in dem Sie sich direkt an die iranische Regierung wenden, Gespräche führen mit dem zuständigen Botschafter und / oder dem Justizministerium und Sie auf die Lage meines Vater und die elenden Missstände hinweisen. Eine Presseerklärung, Gespräche mit den iranischen Behörden oder Interviews mit Medien, all das kann hilfreich sein.

An die Presse: Bitte unterstützen Sie meinen Vater, indem Sie eine starke Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit herstellen, um die gefährliche Situation, in der sich mein Vater befindet, soweit es geht, den Menschen näher zu bringen. Pressearbeit für einen Gefangenen, der sich im Hungerstreik befindet, ist wie Wasser für einen Fisch, also lebensnotwendig. Bitte sorgen Sie bei Ihrem Verlag für die Verbreitung der aktuellen Nachrichten zu meinen Vater und den anderen Hungerstreikenden.

Es geht vermutlich um Tage, Stunden, in denen das Leben meines Vaters auf dem Spiel steht. Ich kümmere mich ganz sorgfältig darum, Sie auf dem Laufenden zu halten, und stehe Ihnen jederzeit für Interviews zu Verfügung.

Mit besorgten Grüßen
Maede Soltani
Tochter von Rechtsanwalt Abdolfattah Soltani

P.S.: Mein Vater sagte immer: "Hungerstreik ist immer die letzte Lösung." Jetzt musste er aber zu diesem letzten Mittel greifen, um die ihm und den anderen Gefangenen zustehenden Rechte einzufordern, die ihnen verweigert werden.


Link:

Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund! (Nicole)

Tag: #Soltani_Update

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Autor: rijo
Datum: 28.08.2013
Titel:
Nürnberger Tiefbautradition



(Foto: Gerhard Jochem)

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Nürnberg ist stolz auf seine ruhmreiche Geschichte als Reichsstadt. An jedem Schimmelfleck pappt eine Anekdote, jedes Spinnennetz ist sagenumwoben. Deshalb kann nur der unbedarfte Auswärtige meinen, dass der jämmerliche Zustand von Straßen und Wegen das Ergebnis der Wurstigkeit der dafür Verantwortlichen sei. Neien! - auch die zusammengeflickten Panzerpisten rund um die Lorenzkirche (s. Beispiel vor dem Cinecittá) und ihre Entstehung sind ein heiliges Erbe aus jener Zeit, als sich hier noch deutsche Kaiser die Klinken der Stadttore in die Hand gaben. Als Beweis sei die Sprichwörtersammlung des Benedict Wilhelm Zahn zitiert, die schon vor 200 Jahren einem örtlichen Berufsstand ein würdiges Denkmal aus Taubendreck setzte (nach Herbert Maas: Bäiderla af alli Subbm. Nürnberg 1997, S. 34 f.). Statt also nach dem nächsten Stolpern laut fluchend auf dem Trottoir aufzuschlagen, wäre es angemessener, demütig und in Ehrfurcht vor den pharaonischen Stadtoberen und ihren arbeitsscheuen Bütteln zu erstarren:

Er arbeitet wie ein Pflasterer

Den sogenannten Pflasterern in Nürnberg sagte man nach, dass sie bei Belegung der Straßen und öffentlichen Plätze mit Pflastersteinen sehr nachlässig und langsam gearbeitet und die Zeit mit Plaudern und Müßiggang verschwendet haben, woraus denn oben angeführtes Sprüchwort entstanden. Es wird aber dasselbe im gemeinen Leben auch auf andere Personen in verschiedenen Ständen und Professionen [Berufen], welche ihre Berufs-Geschäfte nicht mit dem gehörigen Eifer und anhaltendem Fleiß, sondern nur lässig und schläferig betreiben, gleichnisweise ausgedehnet und gesagt: "Sie arbeiten wie die Pflasterer."



Link:

Unsere Stifterinitiative für den Nürnberger Straßenbelag

Tag: #Pflasterer

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Autor: rijo
Datum: 13.04.2013
Titel:
Weltneuheit - Der Nürnberg-Kurzkrimi




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Der Rächer von Himpfelshof

Ein Krimiautor (wegen Burn Out frühpensionierter Deutschlehrer) wird mit seinem eigenen Buch erschlagen am Lederersteg aufgefunden. Der an seiner Leiche befestigte Zettel Versatzstückgeschichten sind nicht witzig - der Kampf geht weiter sorgt für Panik in Nürnberger Lehrerzimmern & Schreibwerkstätten.

Im Internet stößt eine Ex-Kollegin des Opfers (unheimlich schlau & gutaussehend; Krimiautorin) auf eine geheimnisvolle Spur, die sie schließlich in einer Neumondnacht zu einem Abbruchhaus nahe der Rosenau führt, in der die Eulen heulen. An der Ruine ist die verwitterte Firmenaufschrift nur noch teilweise zu entziffern: Nürnberg grid... Die Deutschlehrerin öffnet die knarrende Eingangstür ...

Tag: #Krimi

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Autor: rijo
Datum: 13.04.2013
Titel:
Nackte Vorfreude auf die Sommersaison




(Grafik: rijo)

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Bald ist es wieder soweit: Traditionell am 1. Mai übergibt die Stadtspitze im Rahmen des vom Staatstheater Nürnberg aufgeführten Historienspiels Wir kapitulieren vor Kaiser Kommerz bis zum 31. Dezember die Schlüssel zu den Stadttoren und die letzten Reste von Niveau an den Elferrat aus Vertretern der Schaustellerinnung, des Herstellerverbandes für potthässliche Plastikzelte und Außenmöbel sowie des Verleihersyndikats undichter chemischer Plumpsklos, um sich selbst in ihren spießigen Rauputz-Bungalows mit Koniferenhecke und Terrassengrill zu verschanzen, aus denen sie nur noch zum Anzapfen, Banddurchschneiden und Dummesprücheklopfen (medidärones Ambiendä etc.) hervorzukriechen.

Den Reigen niveauvoller und in Deutschland einmaliger Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen eröffnet wie üblich der achtwöchige Original Frankfurter Fischmarktstrand mit Bananenverkauf auf der Insel Schütt, auf der durch den Abriss von Frauen- und Männereisen endlich genug Platz für die reibungslose An- und Abfahrt der Sattelschlepper geschaffen werden konnte.

Um eine angemessen exotische Atmosphäre zu erzeugen, scheute der Event-Gastronom, der keinerlei Beziehungen zur Stadtverwaltung hat, weder Kosten noch Mühen und ließ fünf Tonnen echten Mainschlamm auf dem Areal abkippen; optische Höhepunkte schaffen 34 Krüppelfichten aus dem Taunus. An kulinarischen Leckerbissen erwarten die verwöhnten Gaumen des hiesigen Publikums Zwiebelringe in Äbblwoi und Handkäs mit Zuckerguss - latürnich weltstädtisch mit Sonnenschirmchen und kandierter Kirsche.

Unterhaltung besonderer Art bietet ein naturgetreuer Nachbau des Frankfurter Bahnhofsviertels einschließlich extra von dort angereisten Kleinkriminellen. Eine weitere Neuerung gegenüber letztem Jahr sind die zünftigen Kunststofftischdecken, die diesmal schon vom ersten Tag an so schmierig sind, dass man daran festklebt. Unverändert bleibt das mitternächtliche Ratten-Ballett entlang des Pegnitzufers.

Den vor allem bei der Jugend beliebten abschließenden Weitkotzwettbewerb nach dem Straßentaubenwettfressen begleitet übrigens unser Lokalmatador Charly Hämmerlein an seinem Hormonium.

Und das ist erst der Anfang ...


Link:

Katerstimmung

Tag: #Sommer_2013

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Autor: rijo
Datum: 17.01.2013
Titel: Unsere Stifterinitiative für den Nürnberger Straßenbelag




(Grafik: rijo)

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Mehrfach wurde an dieser Stelle im Laufe der Jahre bereits der jämmerliche Zustand der Fußgängerbereiche in Nürnberg beklagt. Da dies - überraschenderweise - keinen der Verantwortlichen zu jucken scheint und man ja nicht immer nur kritisieren, sondern selbst handeln soll (sagen meistens die, die eigentlich dafür bezahlt werden), gründen wir hiermit die Nürnberger Stiftungsinitiative Wege zum Ruhm. Vorbilder dafür sind international gesehen der Hollywood Walk of Fame und die erfolgreiche Spendenaktion der Altstadtfreunde für den Wiederaufbau des Pellerhofes.

Das müsste doch klappen und bei der Stadt Mittel für wichtigere Aufgaben wie ..., äh ... - freisetzen: Jede(r) lokalpatriotische Nürnberger(in) ist dazu aufgerufen, eine Gehwegplatte zu stiften, auf der er / sie im Stile eines Medienstars verewigt wird (s. Beispielabbildung). Das macht über den Daumen mehr als eine halbe Million und dürfte reichen, um die übelsten Schlaglochpisten (Luitpoldstraße!) nicht nur immer wieder mit Asphaltfladen notdürftig zu flicken, sondern optisch sogar deutlich aufzupeppen und damit endlich unserer Stadt den ersehnten globalen Glamour zu geben.



Link:

Die Stadt der schadhaften Straßen

Tag: #Star

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Autor: rijo
Datum: 15.01.2013
Titel: Alle Daumen hoch fürs Gesundheitsamt!




(Grafik: rijo)

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Noch ist nicht ganz Gallien von den Römern besetzt: Da schreibt man am Freitag, 11.01.2013, eine E-Mail wegen der rund um die Jakobskirche am helllichten Tag herumturnenden Ratten an das Gesundheitsamt als zuständige städtische Dienststelle und bekommt am Montag (!), den 14.01., um 13.12 Uhr vom Sachbearbeiter folgende kurz-knackige Antwort:

Aufgrund Ihrer Mitteilung habe ich noch am Freitag eine private Fachfirma mit der [...] Nachschau und der erforderlichen Nagerbekämpfung beauftragt. Des Weiteren habe ich Ihr Schreiben an den Servicebetrieb öffentlicher Raum weitergeleitet, da Sie auch den Reinigungszustand bemängelt haben. Ich hoffe, mit diesen beiden Maßnahmen die gewünschte Abhilfe zu schaffen. Sollte sich in 2 - 3 Wochen hinsichtlich der Ratten keine Besserung eingestellt haben, bitte ich Sie, mich erneut zu kontaktieren.

Für etwaige Rückfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Da bleibt einem die Spucke weg. Ähnliche Erfahrungen vor einem Jahr - die Mistviecher kommen dank menschlicher Blödheit in Form von Vögelfüttern und Entsorgung von Lebensmitteln, wo man / frau gerade geht und steht, immer wieder - beweisen, dass der Herr bzw. die ganze Truppe in der Burgstraße ihren Job und die Bürger(innen) ernst nimmt. Nebenbei deutet solches Serviceverhalten wohl auch auf ein gutes Betriebsklima hin - Stichwort Motivation -, wozu wir zutreffendenfalls gratulieren.

Gäbe es eine Rangliste der städtischen Dienststellen nach Kundenzufriedenheit - warum gibt es die eigentlich nicht? -, dann stünde das Gesundheitsamt bei uns jetzt ganz oben.


Link:

Wildlife in the City

Tag: #Gh

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Autor: rijo
Datum: 05.01.2013
Titel: Eine bescheidene Frage




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Was wird aus dem wiederaufgebauten Pellerhof, wenn die Stadt für das Pellerhaus, einen unter Denkmalschutz stehenden Büro- und Magazinzweckbau mit Statikproblemen, der nur mit großem finanziellen Aufwand saniert, geschweige denn anders genutzt werden kann, keine Verwendung mehr hat und den ganzen Komplex verkauft?



Link:

Nürnbergs ältestes Wohnmobil: das Pilatushaus

Tag: #Pellerhaus

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Gar nicht komisch - Nürnbergs Arbeitslosenzahlen

Datum: 02.12.2012




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Wir unterbrechen das Adventssingen für eine kurze Durchsage: Die Arbeitslosenquote im Stadtgebiet Nürnberg liegt im November 2012 mit 7,5 Prozent nicht nur meilenweit über dem Landesdurchschnitt (3,3 %), sondern auch satt über der im Bundesgebiet (6,5 %). Dass wir diesbezüglich eine Insel der Unglückseligen sind, zeigt der Vergleich mit der unmittelbaren Umgebung (Stadt Fürth 3,1 %, Stadt Erlangen 4,0 %) und anderen bayerischen Kommunen, die unter langfristigen Strukturproblemen leiden (Augsburg 5,9 %, Schweinfurt 6,2 %, Hof 6,6 %).

Nürnberg als Stempelhauptstadt Bayerns bedeutet eine Dauerkatastrophe - die freilich außer die Betroffenen selbst kaum jemand interessiert, was ausgesprochen kurzsichtig ist, da die Folgen von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Die irgendwie überflüssigen Arbeitskräfte - abzüglich derer, die gar nicht wollen, zuzüglich derer, die zwecks Schönheit der Zahlen aus der Statistik herausgerechnet werden - sind so dressiert, dass sie sich nicht artikulieren oder - Kommunistenschweinkram! - solidarisieren und Rabatz machen, sondern verschämt als Konsum-Loser verstecken.

Seit wenigstens 30 Jahren werden hier Stellen in Fertigung und Handel ersatzlos abgebaut, also kann kein Verantwortlicher sagen, man sei vom Ergebnis kalt erwischt worden. Okay, sagt auch keiner, weil es keinen Verantwortlichen gibt, nur den Wind, den Wind, das himmlische Kind, heute düster-vage Globalisierung genannt. Trotzdem stehen zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung manche Altindustriestandorte in den ehemals neuen Bundesländern besser da als eine Stadt, deren Produkte früher weltweit bekannt waren.

Wenn mich nicht alles täuscht, träumte das auch schon schwer angestaubte Grundgesetz noch davon, dass die Lebensbedingungen im gesamten Bundesgebiet gleich sein müssen. Und der Freistaat überschlägt sich mit Landesstrukturprogrammen und lebensnotwendigen, milliardenschweren Großprojekten wie dem Ausbau der Donau und einer weiteren Startbahn für den Münchner Flughafen. Immerhin haben wir jetzt den einklagbaren Anspruch auf Kita-Plätze - allerliebst. Demnächst schenkt die Bundesregierung jedem Deutschen einen puscheligen Bernhardinerwelpen und Angela wird zur Erbkanzlerin ausgerufen. Allerdings wäre das Grundrecht auf einen menschenwürdigen geriatrischen Pflegeplatz demographisch relevanter.

Das Beschäftigungsproblem ist extrem komplex und bedürfte zunächst einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Das ist offensichtlich auch von den sogenannten Fachleuten zu viel verlangt. Seit Helmut Kohl hat sich allenthalben das Prinzip des Aussitzens etabliert, von seinem Nachfolger und heutigen Putin-Hofnarren Gerhard Schröder zur Politik der ruhigen Hand verfeinert: Wir dönsen herum, machen aber nix und in dem Moment, wenn das Schiff auf den Eisberg läuft, die Augen zu. Im konkreten Fall ist das die Hoffnung, dass die Deutschen rechtzeitig aussterben, bevor wir 100 Prozent Arbeitslose haben - nicht wirklich realistisch, ebensowenig wie öffentliche Spinnereien über High-Tech-Neuansiedlungen (seien wir froh, wenn nicht auch noch Siemens abschwimmt). Die rituelle kreditfinanzierte Arschkriecherei hinter jedem Investor, der 1 ½ Arbeitsplätze verspricht, hat jedenfalls in Nürnberg seit der Übernahme von Grundig durch Philips nie etwas gebracht.

Vielleicht wären ja mehr Nachdenken und Aufrichtigkeit statt Schönschwafeln (BA-Präsident Weise sagt, die Arbeitsmarktzahlen seien überwiegend in einer Seitwärtsbewegung - äh, wo hat der Mann Mathe gelernt? Es gibt Plus, Minus und Istgleich, außer er hat in seinem Zuständigkeitsbereich die Relativitätstheorie eingeführt) und Realitätsflucht ins mediterrane Lebensgefühl oder höhere Geistessphären etwas. Auch ist zu überlegen, ob man weiter dabei zuschauen soll, wie Unternehmensgewinnen ganz ohne Red Bull weltweit tragende Flüüügel wachsen, während die gering qualifizierte Sechzigjährige in Steinbühl, die man beim Schlecker rausgeschmissen hat, leider sehr heimatliebend ist und sich frecherweise auch noch weigert, Nürnberg im Interesse besserer statistischer Werte z.B. Richtung München-Bogenhausen zu verlassen.

Ende der Durchsage. Bitte beachten Sie unsere Sonderangebote in der Damenabteilung.


Links:

Ausgetrixt

Stille Reserven

Tag: #Arbeit_griddisch

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Nichts geht mehr

Datum: 17.11.2012




15.11.2012 in der ZÜGESNÜB (Zentrale Überwachungsstelle für die Gehirnströme der Nürnberger Bestimmer) im Rechenzentrum Stöpselgasse: Depp vom Dienst der Frühschicht, Verwaltungsunterinspekteur Rainer H. Seitz, muss machtlos mitansehen wie sämtliche Dioden nacheinander verlöschen.

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Wegen der zeitgleichen Vorgänge in München gänzlich unbemerkt verlief am Morgen des 15. November in Nürnberg ein etwa einstündiger totaler Gehirnstromausfall, von dem schwerpunktmäßig die Altstadt und angrenzende Straßenzüge betroffen waren. Den sofort ins Schadensgebiet geeilten Einsatzkräften bot sich ein Bild des Grauens, wie Rettungssanitäter Heiner K. berichtet, dessen Sanka ins Bezirksbüro einer Volkspartei gerufen wurde: Es war furchtbar. Überall lagen Politiker mit verdrehten Augen und heraushängenden Zungen, die Grußworte lallten. Wenn wir uns ihnen näherten, schüttelten sie uns die Hände und dankten uns für das bürgerschaftliche Engagement. Wir mussten unseren Defibrillator auf die höchste Stufe einstellen, um wenigstens die zerebralen Grundfunktionen der Betroffenen wieder zu aktivieren.

Über die Ursache des Blackouts gibt es bisher nur Spekulationen. Möglicherweise hat das E-Mailing eines von Synapsenflackern befallenen Marketingbeauftragten an Dutzende von Führungskräfte aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens um 07:05 Uhr mit dem Text Nürnberg bewirbt sich um den Sitz des neugewählten ZK der KP Chinas eine Kettenreaktion ausgelöst, die zur Überhitzung und schließlich zum totalen Zusammenbruch des Denkvermögens des lokalen Doppmänädschmänds führte.

Erschreckend war die Feststellung, dass die für den Katastrophenfall installierten Notdenkaggregate regelmäßig versagten und nur Pressemitteilungen mit Schuldzuweisungen an die Bundes- und Landesregierung sowie den Heigei absonderten.

Giovanni Rosoli, Vorsitzender der Ortsgruppe der weltweit agierenden NGO Brain Watchers, beurteilt den Vorfall als Bestätigung der pessimistischen Prognosen seiner Organisation: Klimawandel und globale Verstandsverknappung werden in Zukunft häufiger zu solchen Systemabstürzen führen, insbesondere in Regionen, in denen die Vorräte an fossiler Gehirnmasse nahezu aufgebraucht sind und es jahreszeitlich bedingt zu Geschmacklosigkeitsspitzen mit erhöhtem Glühweinkonsum und schmierigen Nostalgieanfällen kommt. Es wird noch lange dauern, bis die so gerissenen Lücken in der Denkfähigkeit durch die alternative Nutzung von Wind und Wasser geschlossen werden können und die frei werdenden Leitungspositionen durchgehend mit genmanipulierten hyperintelligenten Küchenschaben besetzt sind.


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Der vorweihnachtliche Todesstreifen zwischen Bahnhof und Burg - demnächst bis Silvester, zum Dutzendteich und dahinter

Tag: #Gehirntot

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Kurze Durchsage

Datum: 12.11.2012




Skandalös, unvertretbar - eine Schweinerei!


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Schon viel besser ...

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Um künftig jede Möglichkeit des politisch inkorrekten Missbrauchs auszuschließen - N-SU ist nicht die einzige jugendgefährdende Buchstabenkombination, man denke nur an N-SP (Nationalsozialistischer Pudding) oder N-SX (Nationalsozialistisches Xylophon oder noch schlimmer) - wird Nürnberg nach Fürth eingemeindet und das dortige Autokennzeichen übernommen. Alle Kfz-Halter mit einem N-Schild können es bei der Zulassungsstelle gegen ein neues eintauschen - konsequenterweise die ganze kontaminierte Karre, nicht nur die Blechplakette: Den Füzis keine Chance!

Außerdem werden sämtliche noch existierende Exemplare des Modells NSU Ro 80 bei einer zentralen Gedenkfeier vor dem Berliner Reichstag der Schrottpresse überantwortet.

Eine vehemente Forderung aus der Stadt, die im Namen ihrer Bürger(innen) einen Internationalen Menschenrechtspreis verleiht, an Freistaat und Bund aufzuklären, warum gerade in Nürnberg (nicht ehemalige Zone mit erhöhter Faschodichte, nicht unübersichtliche Millionenstadt) gleich mehrere Morde der Serie geschehen sind, eigenes Nachdenken, Selbstkritik und eine öffentliche Diskussion über hier vorhandene Strukturen, die dies eventuell begünstigt haben, ist nicht beabsichtigt, weil ... - WARUM???


Link:

Der Führer bekommt eine Fernsehserie

Tag: #NSU

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Zwischenbilanz 2012

Datum: 05.11.2012




Zwei Statements zum Zustand dieser Stadt: rechts eine Tüte voller Scheiße an der Pegnitz (für Zweifler mit stabilem Magen gibt's auf Anforderung Detailaufnahmen), links ein hübsch gemalter Anfall von unkontrollierter Lebensfreude auf dem Kornmarkt

(Fotos & Grafik: Gerhard Jochem)

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Immer dieselben Fotos machen, sich immer über dieselben Sachen aufregen ... - Wieso eigentlich, ist doch alles banane, wenn die Verantwortlichen 2013 ff. wieder gewählt werden und fast jeder fast alles kaufen kann, wovon man ihm sagt, dass er es unbedingt braucht, sonst haben wir ihn nicht mehr lieb?

Trotzdem, weil die Stadt zu schön ist, um sie widerstandslos den Hirnheinern zu überlassen und sich nicht selbst gegen sie wehren kann:

Die bislang in einer zugigen Bretterbude an der Pegnitz schmachtende Sparkasse konnte sich von unserem Bail-Out-Geld endlich in mehrjähriger Bauzeit einen Protzprachttempel an der Ecke Marienstraße / Marientorgraben leisten - mit Billig-Bäckereifiliale im Erdgeschoss, was wahrscheinlich Steuervorteile bei der Abschreibung bringt -, zweifelsohne eine instinktsichere Aktion in Zeiten der Finanzkrise.

Die unerträgliche Ruhe in der Altstadt zwischen Sommerevents und Christkindlesmarkt ist bald durch Fischmarkt in Oktoberfestdimensionen und die Süße Woche - während der passenderweise die Gullys besonders fies gestunken haben - beseitigt. Falls noch ein Mangel an schwachgeistigen Vorwänden für die Vermüllung der urbanen Umwelt besteht - am 31. November ist noch nix los -, bitte bei mir melden. Wie wär's mit dem Historischen Gebrauchtwagenmarkt in der Katharinenruine?

Die neue Stadtbibliothek am Gewerbemuseumsplatz sieht aus wie eine Mischung aus Hochbunker und Bundeskanzleramt; dass sich darin Reste des Vorgängerbaus befinden, können bestenfalls noch Archäologen feststellen.

Das Pflaster des Hallplatzes klingt beim Darüberlaufen wie die Klaviatur eines Betonpianos und sieht durch den lustigen Wechsel von Platten und Teerflächen auch so aus.

Die AZ (für Traditionalisten: Acht-Uhr-Blatt) haben sie nach über neunzig Jahren erfolgreich plattgeschrieben, was beweist, dass eine Tageszeitung kein Telefonbuch ist und auch für Boulevardjournalismus eine Niveaubarriere kurz vor dem Mannschaftsabott des Club existiert.

Die neue Nürnberger Trendsportart ist passenderweise An-die-Jakobskirche-Scheissing, im Schutze der Dunkelheit auf der lauschigen, der Grünfläche zugewandten Seite.

Es gehört zum guten Ton, als Zeichen des permanenten Gefühlsüberschwangs, zur Feier einer glücklichen Scheidung oder der knappen Niederlage der bosnischen U-16-Hochseehockey-Nationalmannschaft hupend die Altstadt zu umkreisen - während der Fußball-EM war außer dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen ohnehin alles erlaubt (hähähä, zwinker, zwinker, wir waren ja auch mal jung - und sind auch heute noch dauernd extrabreit), ditto das Beschimpfen jedes Fußgängers, der nicht im Laufschritt die Straße überquert, durch in der Evolutionshierarchie höherstehende Automobilisten als Nazi oder alter Sack und das Herumfahren mit abgesägten Auspuffrohren.

Ein besonders schönes Beispiel: Mitternächtliche Verkehrskontrolle von zwei Rennfahrern mit Migrationshintergrund auf dem Kornmarkt. Als diese wieder ihren Boliden besteigen und den Motor anlassen, übertönt das Röhren Prodigy in Lautstärke 27 auf meinem MP3-Player. Den Controllettis war's egal. Vielleicht waren sie sogar etwas neidisch, weil sie selbst kein so geiles Geschoss besitzen.

Überhaupt: Die Polizaiaiai! So locker drauf ist sie nicht immer: Als mir eines Nachmittags der Heimweg von der Arbeit großräumig durch die Ortungshüter verbarrikadiert wurde und ich mich höflich bei einem von ihnen nach dem Grund der Absperrung rund um das FDP-Hauptquartier erkundigte (konnte ja nicht ahnen, dass ich Zeuge eines mörderischen Puderzuckerattentats radikalislamistischer Konditoren wurde), blaffte mich ein sichtlich überforderter Schupo wenig informativ an: Wir haben ein Problem mit einem Haus! Sauerei, jetzt gebärden sich schon ganze Gebäude renitent gegen die Staatsmacht! Da würde ich auch nicht mehr aus dem Streifenwagen steigen, selbst in der Fußgängerzone nicht, zumal ich dann von jedem angequatscht werden könnte.

Noch ein grünbeiger Schwank: Zeit = erster Schultag, High Noon. Tatort = das für Eselkarren dimensionierte Gässlein, das vor dem Cinecitta zur Karstadt-Tiefgarage führt. Wie unter der Woche üblich herrscht lebhaftes Durcheinander aus quietschenden Schülern, die der Hauptschule auf der Insel Schütt entströmen, den Autos der Eltern, die sie abholen (muss das sein, wenn sie und ihr Kind noch die paar Meter zur U-Bahn latschen können?), ziemlich widerrechtlich, aber immer so parkenden Lieferanten des Cine und Leuten, die ihre Blechkisten legal zeitweise zwischen den Flussarmen versenken wollen. Aber heute ist bayernweit - dasselbe spielte sich in München ab - Großkampftag der Retter der hilflosen Jugend: Knöllchenalarm! Ein Polizist, ganz leger ohne Krawatte, zwei Knöpfe offen am cool zerknitterten Hemd, sodass man sein makellos weißes Feinripp-Unterhemd ohne Schwitzflecken sehen kann (ich steh' ja auch nicht auf repressiven Uniformzwang, aber wenn man schon freiwillig den Job macht und sich seine Autoritäää raushängen lassen will - reicht da der Colt, der am Gürtel unterhalb des Bauches baumelt, wenn man definitiv nicht die Ausstrahlung von John Wayne hat sondern eher von Dirk Bach selig?) nimmt einen hektischen Anlieferer auf der Seite vis-a-vis vom Multiplexkino aufs Korn. Dessen ohnehin erhöhter Blutdruck erreicht Detonationslevel: Natürlich stehe er im absoluten Halteverbot, er habe aber wegen der genialen Straßenführung keine andere Wahl (stimmt) und sei in fünf Minuten wieder weg, wenn ihn der Polli nicht weiter aufhält. Der temperamentvolle Vortrag hat mittlerweile mehrere Zuschauer angelockt, u.a. mich, was den Hilfssheriff fühlbar unsicher macht: Widerworte und Publikum beim Vollzug einer Amtshandlung, die, die mein Gehalt bezahlen, sehen mir bei der Arbeit zu - echt unangenehm - Maaami! Er schaut nach links, er schaut nach rechts, er blickt gen Himmel - da kommt ihm die Eingebung: Ich hab' dem andern vorhin einen Strafzettel gegeben, also bekommen Sie auch einen!

Yeah, das ist doch mal ein Satz, wie in Stein gehauen! Nix Straßenverkehrsordnung - Scharia, von Gott himself gegeben, das gute alte Gewohnheitsrecht! Da hilft kein Lamentieren, Hände hoch, her mit der Knete!

Ungefähr zehn Minuten später - ich lungere immer noch in der Gegend herum und wurde derweil mehrfach Zeuge von motorisierten Mordversuchen an fahrlässigen Pimpfen - verlassen Judge Dread junior und zwei seiner Kolleg(inn)en in ihrem bis dahin gut versteckten Streifenwagen (hihihi!) diese Brutstätte des Verbrechens - und passieren dabei achtlos den nächsten Transporter, der exakt an derselben Stelle wie sein vorher abgezockter Leidensgenosse steht.

Quizfrage: Wie mache ich mich als Streifenhörnchen lächerlich, noch mehr als sein Vorgesetzter, der sich solche Slapstick-Auftritte ausdenkt? Der Laienspielschar sollte jedenfalls ein Nachhaltigkeitspreis in Form eines perforierten Plastiksacks voll Sand überreicht werden, denn Angst und Schrecken, den sie im September 2012 gesät haben, reichen sicher zur Disziplinierung aller beteiligten Verkehrsteilnehmer bis zum nächsten Schulanfang.

Nur traurig, dass man die so agierenden Brüder und Schwestern auch dann nicht mehr ernst nehmen kann, wenn es wirklich einmal ernst werden sollte, z.B. so man sich hilfesuchend telefonisch an ihre Rechtsauskunft wendet, um die Optionen zu erfahren, einen von einer besonders empfehlenswerten, traditionsreichen Nürnberger Fachfirma gekidnappten, für 2300 EUR (!!!) kaputtreparierten PC wenigstens in seinem Edelschrottwert aus deren Räuberhöhle (mit drei davor parkenden fetten Benzen) wieder herauszuholen. Noch bevor man ausgeredet hat, klärt den juristisch Unkundigen eine doch etwas gereizte Männerstimme aus dem tiefsten Oberpfälzer Urwald auf: Dös is Privatrecht, doumit houma mir nix z'dou. Mein Anwalt bzw. das Strafrecht sieht den Tatbestand der Nötigung und die damit verbundene Pflicht der Grünen, eine entsprechende Anzeige aufzunehmen, etwas anders. Aber es war um die Mittagszeit, ein wunderschöner Sommertag und auch nicht das Geld (oder das Unrechtsgefühl) des Herrn am anderen Ende der Leitung. Warum soll man sich bittschön die Laune mit dem Ärger wildfremder Leute versauen?

Mehr schreibe ich besser nicht, denn neulich wurde in der fränkischen Nachbarschaft ein armer Tropf zu über zwei Monaten Haft verknackt, weil er eine Polizistin mit der rhetorischen Frage zutiefst in ihrer Menschenwürde verletzt hatte: Hat denn der Pumuckl jetzt auch schon was zu sagen? Möchte mal sehen, was passiert, wenn ich als nicht so zart besaiteter männlicher Zivilist einen an den Ohren auf die Wache schleife und die Tonaufzeichnung vorspiele, in der er mich Arschloch / Drecksau rauf und runter heißt. Wahrscheinlich nüschts, nada, niente: Jetzt hab' dich mal nicht so, du Greinmeichala!

Alles mein privater Firlefanz und deshalb nicht so wichtig. Wirklich Sorgen machen muss man sich erneut um die Heranwachsenden, die irritierenderweise wieder verstärkt auf schwach motorisierten, aber ebenfalls ohrenbetäubenden Zweirädern unterwegs sind wie vor 30 Jahren. Was ist mit unseren dynamischen Youngstern los? Damals war ein klappriges Mofa Ausdruck ehrlich ererbter Armut. Heute kann es nicht am fehlenden Taschengeld liegen, denn die gebeizte Tussi auf dem Retro-Roller kommt sicher nicht aus der Unterschicht.

Ich versuche jetzt jedenfalls über Facebook und Twitter einen Hatsching-Hype loszutreten, der in Südkorea schon voll angesagt ist, um die Bankerten von der Straße zu bekommen. Das schüfe wieder mehr Platz für die von mir grenzenlos bewunderten Müll-Matadoren von SöR bei ihren Slalomfahrten um die Unrathaufen mit immer neuen Höllenmaschinen, die um so mehr Krach emittieren, je größer in ihrer Typenbezeichnung Silent geschrieben ist. Wie wäre es, wenn sie sich zusammentäten mit den vorgenannten Gesetzesaugen und den gemächlich durch die Stadt gondelnden Touristen-Autozug mit Panoramafenstern mieten würden, um gemeinsam ihr Reich aus der gebotenen Distanz zu Dreck und Volk zu inspizieren? Super wäre das, praktische Wirtschaftsförderung und viel umweltfreundlicher als separat herumzukurven! Für die paar bedauernswerten Mitarbeiter, die noch zu Feindkontakt zu Fuß verdonnert sind, könnte man schnittige Segways in den Stadtfarben als Fluchtfahrzeuge anschaffen.

Diese Vorschläge würden fast soviel zur Optimalifizierung des öffentlichen Lebens und seiner Insassen beitragen wie das allseits belobigte Verbot im Nürnberger Hauptbahnhof Alkohol zu konsumieren: Man darf sich vor dem Gebäude zuknallen und in den Lokalen drinnen, aber bloooß nett mit der Bierdose in der Westhalle erwischen lassen, dann gibt's einen Satz heiße Ohren! Allerdings hat sich das Gerücht, wonach einer auf ihren Regionalexpress wartenden Rentnerin aus Bayreuth der offene Verzehr von Cognacbohnen eine Runde Waterboarding in Guantanamo eingebracht habe, um ihre Hintermänner preiszugeben, als Falschmeldung eines lokalen TV-Senders entpuppt, der damit einen zweiten Zuschauer vor die Glotze locken wollte.

Ansonsten kann ich mir stadtweit als Vorbild für die lieben Kleinen überall unter freiem Himmel die Kante geben, kotzen und krakeelen, wo die Verwaltung dauerhaft oder temporär Sondernutzungsgenehmigungen verteilt, also bis kurz vors Grab vom Heiligen Sebald. Nebenbei stellt die Führung der bereits genannten bewaffneten Trachtentruppe ungewohnt schüchtern fest, dass die Aufhebung der Sperrzeiten eindeutig zu einer Zunahme der Delikte unter Alkoholeinfluss geführt habe ohne schlankweg ihre Wiedereinführung zu verlangen. Stattdessen kommt aus der Landeshauptstadt der grandiose Vorschlag, das Ausschenken von harten Sachen nach 22 Uhr zu verbieten - fast so schlau wie die Diskussion um die Beschneidung oder eine Knieschützerpflicht für Tangotänzer.

Nachdem sonst alles im Lot ist - in dieser Stadt, in diesem Land, auf dieser Welt - können sich die Verfassungsorgane, die es alle nur gut mit uns meinen wie Mama Angela und Papa Horst (oder Peer oder alii communalii), endlich dem zuwenden, was sie eigentlich brennend interessiert: unserem Privatleben (und unseren Geldbeuteln). Konfliktpotenziale gibt es nur mehr dort, wo Pater- und Maternalismus mit Geschäftsinteressen kollidieren. Wenn's Volk nicht spurt, wird ihm mit harten Fakten Angst gemacht wie den Kindern mit dem Nachtgiecher: Hat schon jemand konkret die gesundheitlichen Folgen des Autofahrens - nicht versteckt in irgendwelchen diffusen Kohlendioxid-Statistiken - berechnet und daraufhin das sofortige Verbot aller fossil befeuerten Fortbewegungsmittel gefordert? Naa, hat er nett. Nur wenn ich rauche, darf mich jeder zu spät geborene Möchtegern-Blockwart anmaulen.

Aber es gibt sie noch, die magischen Momente des Lebens nicht in den Pampas im Landkreis, den Geranien-Ghettos der Peripherie, sondern mitten in der Stadt. Man darf halt nur nicht zu viel Zeitung lesen oder sich beim Herumlaufen zu genau umschauen. Die Lösung heißt selektive Wahrnehmung. Visuell funktioniert das mit etwas Übung und einer dunklen Sonnenbrille ganz gut, wenn man bestimmte Orte zu bestimmten Zeiten, z.B. die Königstraße zwischen Museumsbrücke und Lorenzkirche - ganzjährig! - meidet, auch weil man da vor lauter Verhau und Gewühle eh nicht mehr durchkommt. Akustisch wird's schon schwieriger, Geruchsverweigerung ist nur was für fortgeschrittene Altstadtbewohner. Dann erlebt man sie und schaudert wohlig, Sprachperlen wie ich geh am Klo, aufgeschnappt in einem früheren Lieblingsbiergarten, bevor man dort zwangsweise bediedschäjt und gelivemusikt wurde (der andere brach als Anlaufstelle weg, weil's dem Wirt nach Jahren und ohne Begründung preisemäßig den Schalter rausgehauen hat - oder in Buttenheim sind die Bierfelder versiegt und ich habe es wieder nicht mitbekommen). Oder den gehbehinderten (politisch korrekter, bevor ich Stress mit den Ornithologen bekomme: physisch eingeschränkten) Erpel auf der Pegnitz, der tapfer mit einem Bein gegen die Strömung paddelt (viel Glück für den Winter, alte Worschthaut!). Oder das gelb-rote Blatt, das nicht einfach tot vom Baum auf den Boden klatschst, sondern auf seinem Weg nach unten nur für den Spaß noch ein paar spektakuläre Pirouetten dreht wie ein Papierflieger - und ein ehrlich geschenktes Lächeln, auch in der vernebelten Frangnmeddrobole.



Links:

Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip: Schluss mit lustig beim Winterdienst

Hurra, Nürnberg ist in der Champignons League! - wenn's um Lärm geht

Tag: #Zwischenbilanz_2012

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Jagdszenen aus der Altstadt

Datum: 17.10.2012




(Foto: Gerhard Jochem)

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Das ist keine Höhlenmalerei in Frankreich oder ein Rorschach-Test, sondern eine Szene, die wir öfter sehen wollen: Endlich hat mal einer der Gehirnakrobaten, die glauben unbedingt mit dem Auto bis vor den Hauptaltar von St. Lorenz fahren zu müssen, nicht gebremst sondern wie sonst bei jedem gehbehinderten Passanten auch voll draufgehalten - und getroffen! Oder das Mistviech war schon so fett oder von Milben zerfressen, dass es sich nicht mehr aus eigener Kraft von der Fahrbahn schleppen konnte.

Eine weniger, bleiben noch geschätzte 19.999, Tendenz steigend. Auch auf die Gefahr hin, damit die ausgeklügelt morbide Gammel-Image-Kampagne der Stadt zu konterkarieren - Kanäle statt Straßen haben wir zwar nur nach mittelschweren Regengüssen, aber Daum scho etz mehr wie Pfenedich (und riechen tut's auch oft so) - fordern wir alle Fürther, Schwabacher und Rother Kraftfahrzeugführer sowie jeden heimatliebenden Nürnberger Möchtegern-Rallye-Piloten als letzte verbliebene natürliche Feinde der Flugratten zu regelmäßigen Safaris kreuz und quer durch unsere Altstadt auf - das runde blaue Schild mit Mama & Töchterchen an der Hand bedeutet lokalspezifisch Bahn frei, wir sind alle ganztägig Lieferverkehr, auch die aufgemotzten Minis!

Den futterstreuenden Tierfreunden, denen jetzt das Herz blutet, empfehlen wir einen gemütlichen Kaffeeklatsch im Innenhof unserer gleichgesinnten Nachbarin, in dem als Ausdruck ihrer Naturverbundenheit (und ihrer gelockerten Verschraubungen) kaum noch eine Stelle ohne Taubensch... zu finden ist (Aussage der Stadtverwaltung - 'türlich: Da kamma nix dagegen machen, gehört doch ihr). Deshalb muss die weißliche Masse auf dem kredenzten Kuchen nicht unbedingt Zuckerguss sein ...

Heilsam ist es auch, den degenerierten Symbolen des Friedens beim Aufpicken von nicht mehr ganz frisch Erbrochenem zuzusehen oder wie sie sich um die Reste eines Brathähnchens raufen, dass die Federn fliegen, was ja wohl für eine Neigung zum Kannibalismus spricht.

Jedenfalls tröstet Taubenmatsch den noch nicht völlig von Dreck und Dauerrummel - der traditionsreiche Fischmarkt der Hochseehafenstadt Nürnberg erstreckt sich mittlerweile ungefähr vom Weißen bis zum Spittlertorturm und bietet außer Eimersaufen und Schlammcatchen alles, was der an HSE 24 geschulte Geschmack wünscht - abgestumpften Altstadtbewohner sogar über die Fallgruben im Geläuf hinweg und zaubert ihm für Sekunden ein nervös-zuckendes Lächeln ins Gesicht.



Link:

Wildlife in the City

Tag: #Taubenmatsch

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Willy-Brandt-Platzt

Datum: 29.09.2012




(Foto: Gerhard Jochem)

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Stadtratsantrag:

1) Das Ensemble ist zu aktualisieren, indem links neben der Plastik von SöR ein künstlerisch gestalteter Mülleimer (geschlossene Ausschreibung) montiert wird, der die ihn nach Essensresten oder Pfandgut Durchwühlenden zu Verrenkungen zwingt, die möglichst amüsant für vorbeikommende Nummernkonteninhaber sind. Damit erhält der Dargestellte einen Eindruck von dem, was aus seinem Land geworden ist, und endlich einen guten Grund nach rechts oben, gen Himmel zu blicken.

2) Die vorhandene Freifläche soll entsprechend obiger Formulierung umbenannt werden.



Link:

Unsere Kehricht-Aristokraten: Da hast dein' Dreck!

Tag: #Willy

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: A day at the races

Datum: 29.09.2012




Vergesst den Norisring, vor dem Grand-Hotel tobt täglich der motorisierte Wahnsinn!


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1, 2 oder 3 - und ob Ihr recht habt oder nicht, das sagt Euch gleich das Licht

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Wer hätte gedacht ...

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... dass das weiße Ei das Rennen macht?
(alle Fotos: Gerhard Jochem)

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Trotz der unermüdlichen gegenteiligen Anstrengungen der Verantwortungsträgen in Politik, Wirtschaft und Kultur steckt Nürnberg voller Überraschungen, wenn man genau hinschaut und -hört: Es gibt in der Altstadt durchaus noch unbestuhlte, ruhige Freiflächen und neulich wurden sogar ein paar selbständig denkende Menschen gesichtet, die aber unerkannt bleiben wollten, da sie sonst seitens der IHK und des Wirtschaftsreferats Sanktionen befürchten müssen und deshalb zur Tarnung die obligatorische Karstadt-Konsumterror-Tüte mit sich führten - freilich mit alten NN-Nummern ausgestopft.

Ein solches Highlight für Insider ist die Terrasse des Filmhaus-Cafés am Königstor. Wir reden jetzt nicht von den unerreicht günstigen Preisen (die Flasche Weißenoher Altfränkisch für 2,50 EUR!), die idyllische Abgeschiedenheit des Ortes über den Dächern und dem menschlichen Gewühle unten oder die Tatsache, dass man dort bis zur Einführung der Helmpflicht für Trittbrettfahrer auf den Galeeren der staatlichen Seelenverwaltung noch Rauchen darf, wenn keine hyperaktiven Bangerdn kreischend unter den Tischen herumkriechen und einen mit Kieselsteinen bewerfen (Roger will nur spielen - oder habe Sie etwas gegen Kinder?!). Von den vorderen (rechten) beiden Tischen bietet sich - kostenlos - ein atemberaubendes Schauspiel, das sich flugs in einen Wettspaß für Alt und Jung umfunktionieren lässt: Das Original Nürnberger Bahnhofsplatz-Rattenrennen!

Die Grundregeln sind einfach und schnell erklärt: Zu unseren Füßen mündet der Ring vierspurig auf den besagten Platz ein, allerdings zählt die vordere (rechte) Spur nicht zur Strecke, denn sie dient dem Abbiegen in die Königstraße, was den Killerinstinkt der Automobilisten bremst.

Bleiben die Wettkämpfer auf den inneren drei Fahrbahnen (s.o.), soweit sie mit ihren Vorderreifen die Halte- bzw. Startlinie zumindest noch berühren (nicht selten rollen besonders aggressive Schumi-Verschnitte bis zum Fußgängerüberweg vor). Sieger ist, wer als erster die etwa zehn Meter entfernte rechte Begrenzungslinie des Überwegs erreicht. Während der Rush Hour liegen zwischen den Rennen nur 55 Sekunden (35 Fußgänger- & 20 Autophase), also ist ein gleichbleibend hoher Adrenalinpegel garantiert.

Wer das jetzt einfach mit So a Gschmarri abtut, hat es noch nicht probiert - und dabei hingerissen von der unwiderstehlichen Faszination des Geschehens die befremdeten Blicke der anderen Gäste wegen scheinbar grundlosem enthusiastischen Beifall oder wildem Fluchen aus Enttäuschung auf sich gezogen. Das ist besser als Formel 1 im TV, das ist live, das ist Nemberch at its best!

Hiermit definieren wir die Regularien des traditionellen, d.h. soeben frei erfundenen Classic Nuremberg Rat Race, die schon vom total innersten Ratzenrat der ruhmreichen Reichsstadt 1399 erlassen und mit einem besonders sauren Zipfel gesiegelt wurden:

1) Gespielt werden immer sieben oder 13 Runden am Stück. Bei mehr als zwei Teilnehmern und Gleichstand gibt es Sudden-Death-Durchgänge, bis ein Gewinner feststeht.

2) Der Höchsteinsatz pro Runde bzw. Spieler ist zur Vermeidung dessen suchtbedingt plötzlichen Ruins auf 10 ct begrenzt.

3) Nebenwetten, z.B. auf siegreiche Automarken / -lackierungen oder Kennzeichen (s.u.), sind erlaubt.

4) Zweiräder sind von der Teilnahme ausgeschlossen, da sie außer Mofas eh immer als erste weg sind.

5) Wer mutwillig gegen diese Festlegungen verstößt, muss zur Strafe runter auf die Straße und eine Ampelschaltung lang auf dem Fahrbahntrenner mit heruntergelassener Hose Olé FCB! skandieren, damit ihn seine Freunde für ihre Facebook-Seiten fotografieren und die Passanten verprügeln können.

Wir rechnen jetzt natürlich damit, dass wir an Tagen mit halbwegs erträglichem Wetter keinen Tribünenplatz mehr bekommen, weil dort eine johlende Meute mit Pressluft-Fanfaren und Haddmud forever-Transparenten dauerhaft Stellung bezogen hat, die jeden Burn Out eines getuneten BMW-Türkenbombers frenetisch bejubelt. Das muss man aber in Kauf nehmen, wenn mein ein Gutmensch ist bzw. einen schlechten Einfluss auf die Jugend ausüben will. Hierzu noch einige Insidertipps:

* Fürther und Rot verlieren selten, rot lackierte Fürther sind fast schon eine Bank.

* Fette Karren neigen beim Start zu selbstgefälliger Trägheit, auch wenn sie ihren Konkurrenten PS-mäßig haushoch überlegen sind, also lieber auf einen übermotivierten Corsafahrer mit Pickeln oder im Dauerstress befindliche Kuriere setzen als auf einen SEL, dessen Pilot nur noch mit Hilfe seines Altenpflegers aus dem Wagen kommt.

* Keine sexistischen Vorurteile gegen Frauen! Eine Friseuse im bonbonfarbenen Nissan Micra auf dem Nachhauseweg in die Südstadt kann beim Rennen fieser sein als Der Transporter, v.a. wenn ihr gerade beim Schalten der Fingernagel abgebrochen ist.

* Lassen Sie sich mit Ihrer Wette Zeit, denn es ist eine Menge Psychologie mit im Spiel, und beobachten Sie solange es geht das Verhalten der Fahrzeugführer. Ein der Schrottpresse nur knapp entronnener Rosthaufen kann durch ständiges nervöses Gasgeben sogar zwischen chromstrotzenden SUVs zum Favoriten avancieren.

Ladies and Gentlemen, start your engines!


Links:

Helden der Großstadt: Die Gleisbauer (auf dem Bahnhofsplatz)

Erblicher Schwachsinn (der Nürnberger und seine Hupe)

Paternalismus & blühender Blödsinn aus dem Land der glücklichen Kühe & Banker (Anregungen zum richtigen Kinderschutz)

Tag: #Races

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Gescheiterte Republikflucht

Datum: 25.09.2012




(Foto: Gerhard Jochem)

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Der arme Bou: Laut Fachliteratur (Elke Masa: Freiplastiken in Nürnberg. Neustadt a.d. Aisch o.J., S. 126) steht der griechische Königssohn mit dem ungeklärten Verhältnis zu Göttervater Zeus - warum wurde er eigentlich noch nie in den Christopher Street Day einbezogen? - schon seit dem symbolträchtigen Jahr 1968 in der trostlosen Ecke von Grasersgasse und Kornmarkt auf seinem Findling aus dem Fichtelgebirge (fein formuliert, Frau!) und wartet auf den Abflug in den Olymp. Was macht er falsch?

1) Er erhofft sich die Rettung aus diesem irdischen Jammertal gerade vom Nürnberger Wappentier.

2) Dieses ist auch noch aus Bronze und damit definitiv schwerer als Luft.

Damit es dem in der urbanen Einöde hängengebliebenen Jüngling trotzdem nicht langweilig wird, haben ihn feinsinnige Stadtraumgestalter (SöR u.a.) mit Verkehrsschildern, Altstoffcontainern und einem Schüttgutbehälter umzingelt. Um den Sockel herum wächst langsam aber stetig ein fichtelnder Gebirgsrasen. Auf der anderen Straßenseite fällt sein Blick auf ein Sammelsurium übler (mir fällt gerade kein fränkisches Wort dafür ein) Boatzn mit der obligatorischen Plastikrattan-Wohnzimmereinrichtung auf dem holprigen Gehsteig, in denen man sich reihum fast 24h am Tag zuknallen und Riesenschnitzel (vom Känguruh?) reinwürgen kann. In manchen gibt's wohl noch andere Sachen, wenn man nach dem Publikum geht.

Ja-ha, das ist Nürnberg, die hippe Groove City, die sich solche öffentlichen is-mir-doch-woschd-wies-dou-ausschaud-iich-wohn-in-der-gaddnstadd-und-kaaf-dou-blous-ei Rumpelkammern leistet, wo Kleingeister anderswo die Ästhetik des gewachsenen Chaosbiotops hinterfragen würden, die Stadt, die wie gebrauchtes Klopapier seit über 40 Jahren an Ganymeds Fersen klebt und ihn nicht loslässt!

Wahrscheinlich volle Absicht, um z.B. den Besuchermassen der gerade beendeten Dürer-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum gleich wenige Schritte hinter dem Ausgang klarzumachen, wo die hohe Kunst des 16. Jahrhunderts aufhört und die traurige Realität des 21. anfängt: You are leaving the esthetical sector!

Keine Chance, Kleiner mit dem großen Vogel, mit dir ist kein Geld zu machen, außer wir könnten dich nach Shenzhen verkaufen oder nach Rumänien. Nächstes Jahr schrauben wir dir noch eine Wechselwerbetafel der Stadtreklame vor den Sockel oder vermieten dich als PR-Gag an Aeroflot.


Link:

Wasser marsch! (Die kleine Gammelnymphe)

Tag: #Ganymed

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Hurra, der Stadtstrand ist wieder da!

Datum: 03.06.2012




(Foto: Susanne Rieger)

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Und mit ihm rudelweise seine unwiderstehlichen, stilsicher & sexy gewandeten Schönheiten aus Gostenhof-Ost oder Unterleinleiter (s.o., letztere zu Besuch in der vibrierenden Event-Hauptstadt Nürnberg).

Unser Beileid für die Anwohner(innen) der Insel Schütt und unsere Glückwunsche an alle Tauben, Ratten und sonstige Kulturfolger zum reichlichen Nahrungsangebot den ganzen Sommer hindurch.

Let's party till we barf!


Link:

Katerstimmung

Tag: #Stadtstrand

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Autor: rijo

Titel: Skandal

Datum: 21.03.2012




Ludwig Berlin und das Corpus Delicti
(Foto: Susanne Rieger)

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Der letzte himmelschreiende Missstand in dieser unserer Stadt wurde wieder einmal nicht von den hiesigen Medien aufgedeckt (kein Wunder ...), auch nicht von uns, sondern von einem alten (nicht nur im übertragenen Sinne: er ist fast 91!) Freund, der über jeden Verdacht der Miesmacherei erhaben ist.

Ludwig Berlin wurde vor über siebzig Jahren aus seiner Heimat vertrieben, kann aber bis heute die Mannschaftsaufstellung des 1. FCN aus Mitte der 1930er Jahre auswendig aufsagen, wobei er sich immer den Spieler Tipfi Oehm als dramatischen Höhepunkt mit einem besonderen Zungenschlag für den Schluss aufhebt.

Was läge da anlässlich seines Besuches in Nürnberg als kleines Willkommenspräsent näher als ein praktischer Fanartikel des Ruhmreichen? Also ab in den offiziellen Club-Shop in der Ludwigstraße und einen ebenso formschönen wie überteuerten Schlüsselanhänger gekauft.

Die Übergabe erfolgt in einem Traditionslokal in Hauptmarktnähe. Behände packt der ehrfurchtheischende Patriarch das Teil aus, sein Gesicht erstrahlt vor Freude und Rührung - bis nach eingehenderer Betrachtung seine Züge plötzlich grimmig erstarren. Ohne Brille hat er die freche Aufschrift entdeckt, dass das Danaergeschenk (Herr Berlin ist als ehemaliger Melanchthonianer ein Humanist alter Schule) von einer - Münchner (!!!) Firma hergestellt wurde. Angewidert wirft er die Verpackung quer über den Tisch. Auch die in diesem Augenblick zufällig zur Aufnahme der Bestellungen erscheinende Bedienung wird mit unheilschwangerer Stimme auf das Skandalon aufmerksam gemacht, ihr anfänglicher Unglaube durch die Vorlage des Beweisstückes zerstreut, woraufhin sie (schauspielerisch begabt) vor Entsetzen fast ohnmächtig wird.

Finis Franconiae. Was ist das Nächste? Änderung der Vereinsfarben in Weiß-Blau? Club-Tee aus Vestenbergsgreuth? Nürnberger Bratwürste aus Tofu? Mit der Herkunft vom Erbfeind zu werben ist jedenfalls ganz schön daneben und zeigt, dass es auch bei den letzten heiligen Gütern eigentlich nur noch ums Business geht. Allerdings würde in der milliardenschwereren Premier League den Tottenham Hotspurs (zu deren Supporters Herr Berlin gehört) nie im Leben einfallen damit hausieren zu gehen, dass dasselbe Unternehmen die Memorabilia von Arsenal herstellt.


Links:

Biografie Ludwig Berlin

Ludwig Berlin: Jugenderinnerungen an Nürnberg

Happy Birthday, Ludwig! (zu seinem 94. Geburtstag 2015)

Tag: #Ludwig_FCN

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund! (Nicole)

Datum: 29.11.2012




(Grafik: Gerhard Jochem)

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Im März 2012 wurde der iranische Anwalt Abdolfattah Soltani zu 18 Jahren Haft verurteilt. Einer der vier Gründe für dieses unmenschliche Urteil ist die Annahme eines ungesetzlichen Preises, des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2009.

Im Iran, unter einem gott- weil rechtlosen Regime, sitzt ein Mann im Knast, in Nürnberg ist die Stadtspitze (klingt wie Christbaumspitze oder Hans Rosenthal s.A.) entsetzt und empört und wird alle Möglichkeiten nützen, um auf diplomatischem Weg gegen den Richterspruch vorzugehen. Da die Stadt Nürnberg aber weder in Teheran ein Botschaft unterhält noch mit Wirtschaftssanktionen oder gar einem Militärschlag des Fränkischen Reichskreises drohen kann, heißt das nichts anderes, als dass ein mäßig berühmter hiesiger CSU-Bundestagsabgeordneter in Berlin zum Amt des diplomatischen Guido bußpilgern und ihn bitten muss, irgendwie zugunsten Soltanis zu intervenieren. Könnte sein, dass der ihm künftig eine engere Koordination der Nürnberger mit der Außenpolitik der Bundesrepublik nahelegen wird, um Aktionen zu vermeiden, die ungefähr so wirken wie das flennende Kind auf dem Schulhof, das dem Klassenrüpel nach der Keile damit droht, den großen Bruder zu holen.

Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, ob der Betroffene und der kommunale Kronleuchter bei der Preisverleihung gut beraten waren. Das Friedensnobelpreiskomitee hat zwar auch keine Divisionen, kann aber, wie neulich in China, zum Schutz seiner Preisträger weltweit Öffentlichkeit herstellen, was von der Meddrobolrechion Nemberch aus etwas schwerer zu bewerkstelligen ist. Faktisch hat Soltani die Nürnberger Auszeichnung bisher nur geschadet.

Interessant wird zu beobachten sein, welche konkreten Aktivitäten die als positiver intellektueller Imagefaktor gut ausgestattete lokale akademische Menschenrechtsszene nun zu seinen Gunsten entfaltet. Institute und Symposien, die sich auf die Nürnberger Prinzipien berufen, bringen dem zu Unrecht Verurteilten in seiner Zelle wohl wenig, eine Rolle Klopapier und eine Schachtel Zigaretten sicher mehr.

Wäre das Schicksal des einzelnen Menschen, der für seine Überzeugungen die Konfrontation mit einem Schweinesystem und damit große Gefahren auf sich genommen hat - was Sonntagsredner in Deutschland nicht tun - nicht so tragisch, könnte das Fazit aus dem Vorgang ganz prosaisch so lauten: Schuster bleib bei deinem Leisten und kümmere dich darum, wofür du gewählt wurdest, z.B. die Beseitigung der Löcher im Straßenbelag und die öffentliche Schädlingsbekämpfung, statt dich im Hochgebirge der globalen Diplomatie zu versteigen. Der letzte große Außenpolitiker aus unserer Gegend war Henry Kissinger und der spielt aus gutem Grund seit über 70 Jahren nicht mehr in unserer Mannschaft. Was den Iran angeht, warten wir auf das Gejaule der üblichen hiesigen Verdächtigen, wenn sich Israel gezwungen sieht die Entwicklung der Atombombe mit militärischen Mitteln zumindest so lange zu verzögern, bis dort keine menschenverachtenden religiösen Fanatiker mehr an der Macht sind - was auch Herrn Soltani zu wünschen ist.

Update November 2012: Abdolfattah Soltani sitzt immer noch im Knast, also haben Entsetzen und Empörung der Spitzenstadt die Mullahs ebenso beeindruckt wie Westerwelle der Canossa-Gang des Nürnberger CSUlers. Die Nürnberger Prinzipien werden von ihren lokalen Exponenten bald wieder auf dem Christkindlesmarkt todesmutig bis zum letzten Becher Glühwein verteidigt.

Als Nächste bekommt eine Frau aus Uganda den Nürnberger Menschenrechtspreis, die sich dort für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Hat sich jemand angesichts des Beispiels Iran Gedanken darüber gemacht, welche persönlichen Konsequenzen das für sie in einem politisch instabilen Land mit einer homophoben Bevölkerungsmehrheit haben kann? Aparterweise wird in der Begründung für die Preisvergabe explizit darauf hingewiesen, dass ihr Einsatz lebensgefährlich sei. Eine Schutzwirkung braucht sie sich von dieser Auszeichnung jedenfalls nicht zu versprechen.


Links:

Artikel über Abdolfattah Soltani in Wikipedia (englische Fassung, denn deren Text ist informativer und aktueller)

Der Fall Abdolfattah Soltani - Update November 2013

transit nürnberg #1

Tag: #Soltani

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Autor: rijo

Titel: Nürnbergs ältestes Wohnmobil: das Pilatushaus

Datum: 29.11.2012


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Seit über 520 Jahren steht es trotz extremer Hanglage, Feuer und Bomben unerschütterlich am Tiergärtnertorplatz, doch in unserer unruhigen Zeit ist auch das Pilatushaus in Bewegung geraten: von Durchbiegungen, Absenkungen, Schiefstellungen, Schwamm und Fäule (igitt!) sprach die Presse.

Flugs wurde allen Mietern zu ihrem eigenen Schutz ohne Rückkehrgarantie gekündigt, bevor die Bruchbude (s.o. Bilderbuchfoto aus dem Winter 2010/11 von Susanne Rieger), in der angeblich (Stein-?)Pilz und (Tiefsee-?)Schwamm Pogo tanzen, endgültig den Burgberg hinuntertwistet. Schon im Januar 2012 war das getarnte Kartenhaus in seinem Eine-Million-Dollar-Umfeld mieterfrei, wobei sich die Stadt als Eigentümerin netter- bzw. auffälligerweise bei der Suche nach Ersatzwohnungen sehr hilfreich gezeigt habe. Seitdem kämpfen Denkmalschützer todesverachtend in Schmutz und Schimmelsporen gegen den Kollaps eines der in Japan, China und Russland wohl am häufigsten in digitalen Fotoalben vertretenen Nürnberger Motive. Wenn die Touris gewusst hätten, dass sie bei ihren Aufnahmen jederzeit von dem trügerischen Trümmerhaufen hätten erschlagen werden können!

Wir sehen das auch so: Etwas an der Geschichte ist oberfaul bzw. ganz massiv schwammig. Was für Dreckbären bzw. Ignoranten müssen die bisherigen Bewohner, unter ihnen ein Architektenbüro, gewesen sein, dass sie den katastrophalen Verfall ihrer Behausung nicht bemerkt haben? Wie tief haben die Verantwortlichen jahrzehntelang in ihren Nasen gebohrt, statt sich um den Zustand der Liegenschaft als übertragenem und im Wortsinne besonders wertvollem öffentlichen Eigentum zu kümmern? Weshalb muss das ganze Gebäude fluchtartig geräumt werden, wenn es noch gar keine umfassende Bestandsaufnahme gibt? Wir kennen andere Gemäuer in der Altstadt, bei denen schon der äußere Anblick eine sofortige Rettungsaktion der demnächst Verschütteten durch Feuerwehr und THW näherlegen würde.

Aber wir sind nur doofe Laien. Das gibt uns andererseits das gute Recht, uns köstlich darüber zu amüsieren, dass sich ein städtischer Amtsleiter, offenbar selbst ganz hin und weg von der Überzeugungskraft des von ihm der Öffentlichkeit vermittelten Horrorszenarios, ziemlich übel verplappert hat: Die Art der zukünftigen Nutzung [des Pilatushauses] steht noch nicht fest. Mit der Totalräumung hat man allerdings jetzt freie Hand in der Spannbreite von Verkauf ohne lästige Insassen über offizielles Repräsentations-Trallala-Luftschloss bis zur Vermietung für Super-Luxus-Gastro bis hinauf in den Spitzgiebel. Immerhin hat ein Kollege der unfreiwilligen Petze versprochen, dass das Pilatushaus (wahrscheinlich) nicht weggeknackt wird. Puh, da haben wir Nürnberger(innen), aber auch die fotografierenden Fremdlinge noch einmal Schwein gehabt! Nur für blöd verkaufen sollte man seine Untertanen nicht, das rächt sich erfahrungsgemäß irgendwann einmal ...

Update November 2012: Die geschichtsträchtige Hütte ist weder weggefahren noch zusammengekracht, kann also von den anrückenden Advents-Touris als Fotokulisse genutzt werden, steht aber weiterhin leer. Im Internet geistert seit Januar eine 800.000 EUR schwere Bauabsicht zu ihrer Sanierung herum. Unser Vorschlag zur Finanzierung: Benefiz-Verkauf von im Pilatushaus ökologisch vor Ort gezüchteten Champignons und Badeschwämmen auf dem Christkindlesmarkt! Halb so wild, wenn's nicht klappen sollte, es bleibt ja noch die Augustinerhof-Lösung.


Link:

Wenn's wirklich griddisch wird - richten's die Altstadtfreunde: Die Häuser Kühnertsgasse 18 - 22

Tag: #Pilatushaus

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Autor: rijo

Titel: Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip

Datum: 29.11.2012


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In Chicago, der von der Rezession schwer getroffenen Metropole des amerikanischen Mittelwestens, die durch ihre Lage an den Großen Seen regelmäßig harte Winter zu erwarten hat - in den letzten vier Jahren mit jeweils fast 1,3 m Schnee -, laufen in der Einsatzzentrale Snow Command seit dem Sommer die Planungen für die Saison 2011/12: Von hier aus werden 500 mit GPS ausgestattete Räumfahrzeuge koordiniert, von deren Effizienz das politische Schicksal des Bürgermeisters abhängt, da die Bevölkerung stolz darauf ist, dass in ihrer Stadt auch dann noch ein normales Leben möglich ist, wenn anderswo Verkehr und Kommunikation zusammenbrechen.

In Nürnberg teilt die zuständige städtische Dienststelle seit Spätherbst 2011 den Bürger(inne)n mittels von einer Privatfirma (wohl für Geld) ausgeliehenen Absperrungen mit, wo sie im Falle eines Schneeflockeneinschlags nicht zu arbeiten gedenkt. Bisher ist dieser geniale Schachzug, der auch noch zum Ruf Nürnbergs als Deutschlands Erlebnis- und Orthopädendorado beitragen dürfte - wer braucht da noch Eis- oder Rodelbahnen, für die man Eintritt zahlen muss? - voll aufgegangen: Nach anfänglichem Gemaule und Häme über soviel Dummdreistigkeit hat sich das Volk wieder beruhigt - und seine Vertreter sind wohl z.Z. ohnehin mehrheitlich in wärmeren Gefilden.

Wieder eine Innovation aus dem Herzen der Meddrobolrechion, die mindestens Drei am Krautband mit Lorbeerblättern verdient hätte. Hier wird unverdrossen weiter gebratwurschtelt, wo man anderwärts vielleicht nachdenklich innehalten oder sich an den schüttelnden Kopf langen würde, und kündigt durch rotzige Blechschilder einseitig und fristlos den Mietvertrag mit den Stadtbewohner(inne)n: Wem es nicht passt, der / die kann ja wegziehen oder sich einen eigenen Schneepflug kaufen. Bei uns wird ab jetzt nach Pippi Langstrumpfs Maxime, Hei, ich mach', was mir gefällt!, agiert.

Für den absehbaren Fall, dass sich diese Form der Kommunikation zwischen Verwaltern und Verwalteten durchsetzt, machen wir oben schon mal einige Vorschläge für ehrlichere und unterhaltsamere Mitteilungen der Obrigkeit. Bis zu ihrer Realisierung warten wir auf einen Motivationsschub für die signalfarbenen Jungs mit ihren geschonten Schneeschippen, etwa wenn sich die Vermietung von Freischankflächen auch im Winter als Verkaufsschlager entpuppen sollte. Dann werden wahrscheinlich Schneekanonen angeschafft, die im Schichtbetrieb laufen, um für das angemessene Ambiente zu sorgen.

Update November 2012: Da sage noch einer die SöRs seien nicht lernfähig! In der Wintersaison 2012/13 wird zwar ihrerseits wieder großflächig auf entwürdigende Räumeinsätze verzichtet, der Hinweis auf diese potenziellen Hätschelbahnen erfolgt jetzt aber subtil durch temporäre Blechschilder an den Laternenpfählen, etwa im Format DIN C 6. Sollten die Versicherungsexperten dafür grünes Licht geben, wird aus Kostengründen nächstes Jahr wahrscheinlich von den Mitarbeitern mit von Faber-Castell geliehenen Filzis nur noch KEIRERÄUSTRÄUDI auf die Pfosten gemalt.


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Schnee?! Schee!!

Tag: #Winterdienst

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Autor: rijo

Titel: Lachen, gerade wenn es wehtut

Datum: 08.12.2011


rijo-tv: Wir packen auch heikle außenpolitische Themen an!

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Nürnberg ist nicht alles - aber meistens ist alles nur mit etwas Humor zu ertragen, vor allem diese Stadt. Deshalb haben wir uns schon lange vor Nürnberg griddisch eine üppig bebilderte Bühne geschaffen, um der historischen und aktuellen Gschaftelei der Reichen, Schönen und Mächtigen zwischen Mögeldorf und Monaco auch ihre unzweifelhaft vorhandene komische Seite abzugewinnen.

Die dabei im Laufe der Jahre zusammengekommenen Ergebnisse finden sich in rijo Humor - einfach auf den Link hier unten oder die zwinkernde Eule von Meister Albrecht ganz oben klicken - und reichen von visuell-sprachlichen Experimenten mit den selbstentlarvend hirnverbrannten Aspekten des Naziführerkults über Betrachtungen zum Flammpunkt von Kindern bis zu praktischen Tipps, wie man durch eine flotte Verdauung Anflügen von Größenwahn vorbeugen kann. Wer also z.B. Informationen über das erste Handy in Deutschland (1921, mit Rahmen-Antenne) als Vorboten des Endes jeglicher zivilisierter Kommunikation oder als Inhaber einer Führungsposition in Politik, Wirtschaft oder Finanzwelt todsichere Ausreden für seine Habgier und Unfähigkeit sucht bzw. über solche Phänomene grimmig grinsen will, ist bei rijo Humor gut aufgehoben.


Link:

rijo Humor

Tag: #Humor

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Autor: Gerhard Jochem

Titel: Der vorweihnachtliche Todesstreifen zwischen Bahnhof und Burg - demnächst bis Silvester, zum Dutzendteich und dahinter

Datum: 04.12.2011


Hören Sie nicht auf die Göre, bleiben Sie daheim!
(Grafik: Gerhard Jochem)

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Rechtzeitig zur Novemberdepression hat am 25.11. der Christkindlesmarkt begonnen. Die Konsumorgie zum Jahresende, vorläufig bis zur offiziellen Einführung der immerwährenden Adventszeit noch auf vier Wochen beschränkt, verwandelt auf gar wundersame Weise die Weihnachtsstadt Nürnberg (sie haben's mit ihren Titeln: Dürer-, ... der Reichsparteitage, Metropolregion ... - Bratwurstdorf!) wieder zur deutschen Kapitale des schlechten Geschmacks. In einem mörderischen Kopf-an-Kopf-Rennen mit mittlerweile jedem Kuhkaff, das über eine dafür nutzbare Brachfläche verfügt, wird durch immer Mehr, Kitschiger und Klebriger versucht, das Niveau der sprießenden levantinischen Konkurrenzbasare noch weit zu unterbieten. Einziger Zweck des Winterrummels ist es dabei, den angeschickerten Besucher(inne)n ja gleich so was von herzerwärmendem Plempel anzudrehen, dass sich einem die Eingeweide verknoten, um die Hungerlohn-Arbeitsplätze in den Weihnachtsmannwerkstätten zwischen China und Mozambique zu erhalten.

Schritt 1 (alle Originalzitate aus der offiziellen Broschüre Weihnachtstadt Nürnberg): Die Leute besoffen machen, u.a. mit der größten Feuerzangenbowle der Welt, wo der riesige Kupferkessel von urigen feuerroten Hütten umrahmt wird - ungefähr genauso stilvoll wie der größte Plastikeimer am Ballermann. In Fränggisch Inglisch: Look forward to the film 'Die Feuerzangenbowle' and the wunderful [echt, das steht da!] songs by Heinz Rühmann.

Schritt 2: Die allenthalben herumstreunenden Minderjährigen manipulieren, dass sie Mami und Papi so lange auf die Nerven gehen, bis diese ihre Knete rausrücken. Das entsprechende Minenfeld trägt den verharmlosenden Tarnnamen Nürnberger Kinderweihnacht und lässt so gut wie keine Wünsche offen, denn liebevoll dekorierte Themen-Häuschen mit kindgerechter Thekenhöhe laden zum Mitmachen ein. Dann leuchten nicht nur Kinderaugen in Vorfreude auf den Heiligen [?] Abend.

Schritt 3: Wer sich trotz Besuchs des Weihnachtslager[s] in der romantischen Ratsgasse bei warmen [deutsch eigentlich -m, aber wurscht, der Teilzeitalki mit der witzigen Blinkbommelmütze weiß schon, was gemeint ist: Stoff!] Würzwein, Apfeltrunk und heisser [-ß-, s.o.] Zwetschge und Nachwuchsterror noch zusammenbringt, kriegt die finale Gehirnwäsche.

3a) Dürer & Klexi: Albrecht Dürer und der Hase Klexi entdecken Nürnberg. - Hurra, unser Buch ist da!

3b) Christa - das Musical. Das speziell für Nürnberg geschriebene Stück spielt in der Weihnachtszeit des 30-jährigen Krieges. Christa, die mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen hat, findet Zuflucht im Pfarrhaus. Bald aber beschließt sie zusammen mit den Waisenkindern der Stadt, den Nürnbergern zu Weihnachten Licht und Hoffnung zu bringen. Sie basteln Geschenke und feiern ausgelassen mit Zwetschgermännle [schwäbische Schreibweise]. Aus Mitleid bringt Christa eine Hure ins Pfarrhaus [...]

Dieses bahnbrechende Bühnenwerk wurde in der Lokalpresse sehr wohlwollend besprochen.


Musiktheatralischer Exkurs

Mein Vorschlag an den Autor von Christa - das Musical ist, in der nächsten Spielzeit konsequenterweise den vom Schicksal übel gebeutelten (Krieg, Hunger, Seuchen, Hodenresektion, Verfall der gemeinsamen europäischen Schokotaler-Währung, Beziehungsknatsch mit Albrecht) Rammler Klexi in die zugegeben schon jetzt überaus stimmige und klischeefreie Handlung einzubauen: Er jagt die lästigen Rotznasen endlich zum Teufel und macht mit Christa und der Hure im Pfarrhaus einen wunderful gemütlichen Drogenschuppen mit Fachwerk und Butzenscheiben auf, in dem sich Gustav Adolf regelmäßig mit warmem Würzwein zudröhnt. Plötzlich erscheint die vor Eifersucht rasende Agnes Dürer (Albrechts bessere Hälfte, Willibald Pirckheimer hat sie auf ihrem Amoklauf schon umgelegt) und erschießt mit ihrem Colt den metrosexuellen Mümmelmann. Klexi singt dann noch während der dreistündigen Sterbeszene I did it my way, woraufhin sich alle auf der Bühne versammelten Protestanten, Katholiken, Juden, Muslime, sonstige Migranten, einheimische Zwetschgermännlä und Pelztiere, Prostituierte sowie die Mitarbeiter des Marktamtes (s.u.) vor Rührung Rotz und Wasser heulend in die Arme fallen. Zum Schluss gibt es einen ausgelassenen Rudelbums unter dem Tannenbaum.

Außerdem zeugt die zeitliche Ansiedlung des Plots im nur Dreißigjährigen Krieg von einer dem geschichtsstolzen Nürnberg nicht würdigen Bescheidenheit. Wenn schon, dann mindestens Hundertjähriger Krieg! - Um die sozialkritische Tendenz des Problemstücks auch optisch sichtbar zu machen, sollte die Vermietung von Werbeflächen an den Darsteller(inne)n erwogen werden. Örtliche Glühwein- und Lebkuchenproduzenten sowie die Altstadtgastronomie werden Schlange stehen, um für Bargeld auf Christas Schnürkorsett ihr Logo anbringen zu dürfen.

Exkurs Ende


Und über allem flattert mit seinen güldenen Fledermausärmeln das Nürnberger Christkind, ein bis zu seiner Kür mehr oder minder unbescholtenes Eingeborenenmädchen, das zuvor von einer Jury auf Herz und Nieren getestet wurde. Für den weltweiten Ruhm in Mittelfranken, den ihm sein Amt einbringt und das es noch berühmter macht als die Retzelfembacher Bodaggn-Prinzessin, muss das Rauschgoldgirlie u.a. versprechen: Das Nürnberger Christkind kommt immer DI, MI, DO und FR zwischen 14:30 und 15 Uhr! - Ach, schön ist die Jugendzeit ... Oder es werden ihm von den ansässigen Krämerseelen Sätze wahrer Güte und Nächstenliebe in den Mund gelegt wie: Außerdem können Sie hier auch auf kurzen Wegen günstig einkaufen.

Bleibt nur noch die Frage, wer sich alle Jahre wieder so einen Sch... ausdenkt, z.B. den von der führenden Nicht-Fürther Versicherungsgruppe im Zeichen der Burg gesponserten (die Kerzen?!) Lichterzug mit 1.500 Schulkindern (2012 sicher auch der größte von die Welt mit 150.000 zwangsrekrutierten Schulpflichtigen) oder solche Formulierungen: Einen Verkaufsstand auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt betreiben zu dürfen, ist auch für die Händler etwas Besonderes. Jahr für Jahr liegen beim Marktamt der Stadt Nürnberg mehr Anfragen vor als Plätze zu vergeben sind [...]. Ein wachsames Auge auf Buden und Warenangebot haben die Mitarbeiter des Marktamtes. - Liebe fürsorgliche, aufopferungsvolle und natürlich ehrenamtlich tätige Onkels und Tanten vom Marktamt, das gebenedeit ist unter den städtischen Behörden, wir danken Euch, eigengelobt sei Euer Name in Ewigkeit, Amen!

Die Verantwortlichen für all den Stuss müssen Zwetschgermännlä sein, denn die Beschreibung von deren kanonisierten Bestandteilen lautet: Aus Feigen ist ihr Körper, eine Walnuss dient als Kopf, Arme und Beine bestehen aus [...] Pflaumen. Feige Pflaumen mit überwiegend hohlen Nussköpfen - da gehen die Assoziationen auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene mit einem durch.

Angesichts des Mangels an (kreativer Gehirn-)Masse ist wohl auch noch niemand auf die Idee gekommen, den reichlich angestaubten Wirtschaftswunder-Prolog, den der namengebende Teenie alljährlich am Eröffnungstag mit gekünstelter Emphase von der Frauenkirche herab aufs Volk loslassen muss (s.o. Bild), um einfältige, altertümelnde Reime über das Wegbrechen ganzer Wirtschaftszweige, verrottende Infrastruktur und verschandeltes Stadtbild (edler Platz - ich schmeiß' mich weg!) zu aktualisieren. Unfreiwillig spaßig und deshalb erhaltenswert ist allerdings die topaktuelle Erwähnung der armen Leut, für die man mittemang auf dem Hauptmarkt mit Plastikgirlanden dekorierte Leergutcontainer aufstellen sollte, aus denen sie zum Gaudium der Zuschauer die Pfandflaschen zu angeln versuchen:

Denn alt und jung zugleich ist Nürnbergs Angesicht
Das viele Züge trägt.
Ihr zählt sie alle nicht
Da ist der edle Platz.
Doch ihm sind zugestellt
Hochhäuser dieses Tags,
Fabriken dieser Welt
Die neue Stadt im Grün.
[...]
Wer alles schon hat, der braucht nichts geschenkt.
Die Kinder der Welt und die armen Leut,
die wissen am Besten,
was Schenken bedeut'.
[...]
Das Christkind lädt zu seinem Markte ein
Und wer da kommt,
der soll willkommen sein.

Nein, nicht wirklich. Bitte ersparen Sie sich und uns das unwürdige, peinliche und heuchlerische Spektakel, bleiben sie daheim und überweisen sie ihren Sonder-Soli einfach direkt auf das Konto der hiesigen IHK. Wenn Sie trotzdem kommen, müssen Sie zur Strafe bis zum fast nahtlos an den gewohnten Zinnober anschließenden, neuen flächendeckenden Public Zuknalling - stets den Kindern ein Vorbild! - mit Livebeschallung zu Silvester bleiben. Diesem wertvollen Beitrag zur Stadtkultur, der unausweichlich eine Tradition begründen, unserem Gemeinwesen einen weiteren Ehrentitel einbringen (Nürnberg - die Stadt, die man nur noch mit durchgängig einem im Tee erträgt) und sinngemäß Schlagzeilen erzeugen wird wie Konsumistischer Hirnriss war Riesenerfolg. Tausende strömten blabla ..., sind schon jetzt zahlreiche durch unsachgemäße Handhabung von Feuerwerkskörpern abgerissene Finger, Verbrennungen und mittelschwere Körperverletzungsdelikte im Vollrausch zu wünschen.

Fröhlichen Muttertag oder sonst was!


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Action!

Tag: #Inferno

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