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Autor: rijo
Datum: 12.03.2017
Titel: Neue Features & Updates auf unseren Websites 02-03/2017





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rijo: Best of Beleidigungen

Verlag testimon: Unsere Events 2017 (Teil 1)


updated + updated + updated + updated + updated + updated + updated + updated + updated + updated

Verlag testimon: Kurzübersicht (alle Printprodukte im Überblick)

rijo's Erinnerung (verstorbene Freunde u.a.)

rijo: Biografie Fritz Josephthal (9.7.1890 in Nürnberg - 14.2.1954 in New York)

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.03.2017
Titel: Hitlers Himmelfahrt: Das Drama zum Buch (Buchvorstellung)





Darsteller: Elisa Eitel und Vincent Eugèn Noel

Veranstalter: Verlag testimon (Nürnberg)

Termin: Sa., 08.04.2017, 18 Uhr

Dauer: 120 min

Ort: Gaststätte Bahnhof Dutzendteich / Nebenzimmer (Zeppelinstraße 5, 90471 Nürnberg - Buslinie 55 Dokuzentrum - Haltestelle Zeppelinstraße, Parkplätze vorhanden)

Eintritt: frei

schriftliche Anmeldung unter: info[ät]testimon.de


Inhalt: September 1938 - Kriminalrat Klaus Stroh-Fobisch (Vincent Eugèn Noel) wird vom Amt Sicherheitspolizei in Berlin nach Nürnberg geschickt, um die Vorgänge aufzuklären, die sich hier während des Reichsparteitags der NSDAP abgespielt haben. Die Spur, der er mit Hilfe von Lieschen Müller (Elisa Eitel), Bedienung in der Bahnhofsgaststätte Dutzendteich, folgt, führt über Wien und Prag zu einem einbeinigen Nürnberger Rechtsanwalt bzw. einer amerikanischen Filmcrew.

Hinweis: Bei der Veranstaltung werden Bild- und Tonaufnahmen gemacht. Die Teilnehmer(innen) erklären sich mit deren Veröffentlichung einverstanden.


Link:

Rainer Suwall: Hitlers Himmelfahrt


Tag: #hh_vorstellung

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.03.2017
Titel: Friedrich Hagen: Ein poetischer Spaziergang





Konzept und Leitung: Vincent Eugèn Noel

Veranstalter: Verlag testimon (Nürnberg)

Termin: Do., 25.06.2017 (Christi Himmelfahrt), 16 Uhr

Dauer: 90 min

Treffpunkt: Torbogen Straße der Menschenrechte (Kornmarkt)

Unkostenbeitrag: 7 EUR

schriftliche Anmeldung unter: info[ät]testimon.de

Inhalt: Friedrich Hagens Werk stand nie im Scheinwerferlicht der breiten Öffentlichkeit, leider und zu Unrecht, denn es hat weite Flächen, vor denen die verbrämten Worte vieler Poeten kneifen. Dieser streitbare Ritter ohne Rüstung schwimmt beharrlich gegen den Strom, was mitunter ungeduldig wirken mag, ebenso hartnäckig wie brüsk, doch ein Dichter braucht Reibeflächen, an denen er sich entzünden kann, nicht wahr?

In Nürnberg hineingeboren, am 24. Juli 1903, lockt ihn von frühester Kindheit an das, was hinter dem Horizont liegt, und zwar sowohl dem landschaftlichen als auch dem intellektuellen. Sein Herz schlägt von Beginn an links, er wird Bühnenbildner, Schauspieler, und bei der aufziehenden Hitlerei zieht es ihn, der bald der deutschen Staatsbürgerschaft für unwürdig erklärt wird, fort nach Frankreich, wo es kaum einem dorthin Geflüchteten gut geht, und bei Kriegsbeginn wird er interniert. Als aktives Mitglied im Widerstand erhält er nach dem Krieg die französische Staatsbürgerschaft, er übersetzt Eluard, freundet sich mit Breton an, mit Brecht, Cocteau, Celan, er übersetzt und übersetzt, dreht Filme, er schreibt schreibt schreibt schreibt, seinen Worten folgend: nichts anderes sei gesagt als das, was aufrecht und mißbillig ist. So wird sein Werk zweisprachig - doch ewig bleibt die Frage offen: wenn man in zwei Ländern lebt, wo ist dann die Heimat?

Die Wurzeln jedenfalls sind hier in Nürnberg, und deswegen ehrt der Verlag testimon diesen großen Dichter mit einem poetischen Spaziergang. Wir laden Sie ein, am 25. Juni 2017 auf einem neunzigminütigen Rundweg Ecken der Altstadt zu erkunden, deren Schönheit ebenso verkannt wie unterschätzt ist. Der Schriftsteller und Schauspieler Vincent E. Noel begleitet Sie dabei unter anderem durch den Skulpturengarten, zum Klarissenplatz und zur Klarakirche, um dabei in Friedrich Hagens Werk zu führen. Wir versprechen einen sympathischen Spaziergang, addiert mit der sympathischen Doppeldeutigkeit außergewöhnlicher Poesie. Wer sein Werk besucht, der beschließt alt zu werden.


Link:

Friedrich Hagen: Wieder entdecken!


Tag: #hagen_spaziergang

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.03.2017
Titel: Workshop Nazis, Mitläufer, Außenseiter. Familiengeschichtliche Recherche im spannungsreichen Kontext vor und nach 1945





Konzept und Leitung: Dr. Alexander Brungs

Veranstalter: Verlag testimon (Nürnberg)

Termine: Sa., 08.07. und Sa., 14.10.2017, jeweils 10 - 17.30 Uhr

Unkostenbeitrag: 180 EUR inkl. Getränke und Imbiss, bis 8. April 15 Prozent Frühbucherrabatt (153 EUR), Anzahlung 20 EUR (wird bei Nichtstattfinden zurückerstattet)

Teilnehmerzahl: max. 12

weitere Informationen nach schriftlicher Anmeldung unter info[ät]testimon.de

Inhalt: In den letzten Jahren erschienen viele - oft unter dem Label Kriegskinder oder Kriegsenkel vermarktete - Bücher, die Auswirkungen des Lebens oder Leidens von Personen in der NS- und unmittelbaren Nachkriegszeit auf ihre Nachkommen zum Gegenstand haben. Wie das Interesse an den oft auf Biografien bezogenen Publikationen des Verlags testimon und die Rückmeldungen auf sie zeigen, bemühen sich immer mehr Menschen, solchen Zusammenhängen in der eigenen Familie auf die Spur zu kommen. Autobiografische Schriften können aber keine praktische Hilfe für konkrete Recherchen und familiengeschichtliche Reflexion bieten.

Ziel der Veranstaltung ist es, den Teilnehmer(inne)n eine sinnvolle Verbindung von Anleitung zu Nachforschungen und Erklärung der Ergebnisse sowie Ansätze zum Umgang mit ihnen zu bieten. Eine Aufteilung auf zwei Termine mit mehreren Wochen Abstand gewährleistet genug Zeit zur Recherche und unterstützter Aufarbeitung der Resultate.

Die Teilnehmer(innen) erhalten einen Überblick über die relevanten Quellen, ihren Aussagewert, ihre Struktur, Aufbewahrungsorte sowie Zugänglichkeit. Auf dieser Grundlage entwickeln wir Strategien der Informationsgewinnung und schärfen die Aufmerksamkeit für die kritische Bewertung von Dokumenten und Erinnerungen sowie den Einfluss der Fragestellung auf die gewonnenen Erkenntnisse. Überdies werden Hilfsmittel zur historischen Einordnung individueller Lebensläufe vorgestellt. Abschließend geht es um die Möglichkeiten der Fixierung, Aufbereitung und Auswertung der gesammelten Informationen. Historiker, Rechercheure und Zeitzeugen werden als Referenten die Thematik in unterschiedlichen Facetten beleuchten.

Das Angebot richtet sich an geschichtsinteressierte Laien mit oder ohne praktische Rechercheerfahrungen in Bibliotheken und Archiven.

Zum Leiter des Workshops: Dr. Alexander Brungs (Mannheim) ist Philosophiehistoriker (Universität Zürich) und als zertifizierter Coach (DCV) derzeit Vorstand im Deutschen Coachingverband. Er arbeitet an zeitgeschichtlichen Forschungsprojekten und hat mehrere Veröffentlichungen zum Themenfeld, auch über die eigenen Vorfahren, vorgelegt.


Link:

Homepage Verlag testimon


Tag: #workshop_brungs

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.03.2017
Titel: Zeitzeugenvideo der Vereinigung der Okkupationsopfer 1941 - 1945 Kranj (Slowenien)





Unter dem Titel Die Bekenntnisse der Kriegsgewaltopfer aus Posavje in Slowenien produzierte die Združenje Žrtev Okupatorjev 1941 - 1945 Kranj (ZZO, deutsch: Vereinigung der Okkupationsopfer 1941 - 1945 Kranj) im August 2015 eine Dokumentation (Spieldauer 57 min, O.m.U.), die jetzt auf unserem YouTube-Kanal verfügbar ist. Darin berichten die Zeitzeugen Franc Rovan, Vera Hribar, Tone Kristan und Slavko Konej in 2008 geführten Interviews von ihrer Verschleppung aus der Region Posavje (Unterkrain) an der Sava nach Deutschland. Zu Wort kommt auch Irena Fürst, Kustodin für neuere Geschichte im Museum Brestanica (Reichenburg). Die Burg diente während der deutschen Besatzung als Durchgangslagers für die Deportationen nach Serbien und ins Deutsche Reich. Tone Kristan, Ehrenvorsitzender der ZZO, stellt außerdem die Geschichte der von ihm mitgegründeten Vereinigung dar, deren Kampf um eine Entschädigung für die slowenischen NS-Opfer wegen der Verweigerungshaltung de deutschen Regierung bisher erfolglos war.


Links:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

mehr Informationen über Slowenien unter deutscher Besatzung und die ZZO


Tag: #zzo_film

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 26.12.2016
Titel: Fortschritt durch FZFN


(Fotos: Käthe Leipold)



Obige Bilder ihrer Arbeit schickte uns Frau Käthe Leipold, Preisträgerin der Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse (FZFN) 2016 des Verlags testimon für ihr Projekt einer Graphic Novel auf der Grundlage des Buches Blutvergiftung über NS-Propaganda in den Nürnberger Schulen und ihre Konsequenzen für jüdische Jugendliche.

Wir meinen: Das sieht ausgesprochen gut aus und entspricht exakt unserem Ziel, mit der FZFN unkonventionelle Wege der Wissensvermittlung zu unterstützen. Der Künstlerin wünschen wir viel Erfolg und einen stets spitzen Bleistift!


Links:

Die FZFN-Ausschreibung 2016

Die FZFN-Preisträger(innen) 2016

Über das Buch Blutvergiftung


Tag: #Leipold

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Autor: rijo
Datum: 25.12.2016
Titel: Anpacken! - Praktika bei transiturs & der Zeit Zeugen Zentrale





Wir suchen

Zuverlässige kommunikative Menschen ab 16 Jahren mit Grundkenntnissen der allgemeinen und Zeitgeschichte in Nürnberg, die etwas dazulernen und ihr Wissen anderen vermitteln möchten sowie ohne Zeitdruck, aber konsequent und ergebnisorientiert arbeiten können. Sollte daraus eine dauerhafte Kooperation entstehen, würde uns dies freuen.

Wir bieten

Erfahrungen in unseren langjährigen Tätigkeitsschwerpunkten Städtetouren und Zeitzeugenarbeit anhand konkreter Projekte von der Vorbereitung bis zur Realisierung (Inhalte, Kontakte, Werbung, Auftritt) und eine Aufwandsentschädigung.

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter: info[ät]testimon.de


Links:

Homepage transiturs Städtereisen

Homepage Zeit Zeugen Zeitrale


Tag: #praktika

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Autor: rijo
Datum: 01.12.2016
Titel: Die Top 16 unserer einmaligen Besucher nach Ländern im November 2016





1) USA: 2144

2) Deutschland: 1246

3) China: 511

4) Frankreich: 162

5) Indien: 129

6) Russland: 126

7) Vereinigtes Königreich: 107

8) Niederlande: 81

9) Kanada: 69

10) Ukraine: 69

11) Brasilien: 67

12) Südkorea: 48

13) Israel: 41

14) Italien: 52

15) Spanien: 31

16) Australien: 22


Link:

Über uns


Tag: #besucher_2016-11

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.09.2016
Titel: FZFN 2016






Unsere Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse (FZFN) 2016:

Die Ausschreibung

Die Preisträger


Tag: #FZFN_2016

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 09.07.2016
Titel:
Prince Rogers Nelson (1958 - 2016)




(Collage: Gerhard Jochem)


Let's go crazy

Dearly beloved
We are gathered here today
To get through this thing called life

Electric word life
It means forever and that's a mighty long time
But I'm here to tell you
There's something else
The afterworld

A world of never ending happiness
You can always see the sun, day or night

So when you call up that shrink in Beverly Hills
You know the one, Doctor Everything'll Be Alright
Instead of asking him how much of your time is left
Ask him how much of your mind, baby

'Cause in this life
Things are much harder than in the afterworld
In this life
You're on your own

And if the elevator tries to bring you down
Go crazy, punch a higher floor

If you don't like the world you're living in
Take a look around you
At least you got friends

You see I called my old lady
For a friendly word
She picked up the phone
Dropped it on the floor
(Ah, ah) is all I heard

Are we gonna let the elevator
Bring us down
Oh, no let's go!

Let's go crazy
Let's get nuts
Let's look for the purple banana
'Til they put us in the truck, let's go!

We're all excited
But we don't know why
Maybe it's 'cause
We're all gonna die

And when we do (when we do)
What's it all for (what's it all for)
You better live now
Before the grim reaper come knocking on your door

Tell me, are we gonna let the elevator bring us down
Oh, no let's go!

Let's go crazy
Let's get nuts
Look for the purple banana
'Til they put us in the truck, let's go!

C'mon baby
Let's get nuts
Yeah
Crazy

Let's go crazy
Are we gonna let the elevator bring us down
Oh, no let's go!
Go crazy

I said let's go crazy (go crazy)
Let's go, let's go
Go
Let's go

Doctor Everything'll be alright
Will make everything go wrong
Pills and thrills and daffodils will kill
Hang tough children

He's coming
He's coming
Coming

Take me away!

Mehr als einer der besten Popsongs aller Zeiten: Eine Vorahnung, ein Plan - seine Botschaft.

He took him away but the elevator will never bring us down.


Link:

Twenty Years After: drei Konzerte im Sommer 1988


Tag: #Prince

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 13.04.2016
Titel:
Langwierige Rückgabe von NS-Raubgut durch die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg




(Screenshot SZ Online)


Erst nach jahrelangen Verhandlungen, in deren Verlauf an die Familie Geldforderungen gestellt wurden und eines der Stücke zwischenzeitlich verschwand, erhielten die rechtmäßigen Eigentümer ein Paar Rimonim (Thoraaufsätze) von der IKG Nürnberg zurück. Es ist dabei kein Zufall, dass über diesen Vorgang die Süddeutsche Zeitung berichtete, die lokalen Medien ihn aber nicht einmal erwähnten. Nach der Lektüre des Artikels (s.u. Link) bleiben viele Fragen offen - die nicht gestellt werden dürfen.


Link:

Zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung


Tag: #ikg_rimon

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Autor: Meir Brom
Datum: 30.01.2016
Titel:
Dafna Meir s.A.: Gebet beim Verteilen von Medikamenten






Schöpfer, der Du die Welt in Gnade und Barmherzigkeit lenkst! Möge es Dein Wille sein mich würdig zu empfinden, Medikamente an Menschen, die sie benötigen, zu verabreichen, seien es Menschen Deines Volkes, seien es Menschen anderer Völker, die sich in Behandlung Deiner treuen und hingebungsvollen Boten befinden, die bei Tag und bei Nacht, am Sabbat und an Feiertagen, unermüdlich ihren heiligen Dienst verrichten.

Lass mich würdig sein zu verstehen, zu erkennen und immer daran zu denken, dass die Medikamente eine Gabe von Dir sind und in Deinem Auftrag wirken.

Lass mich würdig sein zu sehen und mich daran zu erfreuen, was für einen guten Einfluss sie auf die Kranken haben, denen ich diese Medikamente in Barmherzigkeit verabreiche.

Lass mich würdig sein diese Medikamente mit meiner vollen Konzentration und im vollen Verständnis ihres Mechanismus' und ihrer Wirkung auf die Krankheit zu verteilen.

Lass mich würdig sein Irrtümer meinerseits oder seitens meiner Kollegen während der Verteilung der Medikamente rechtzeitig ausfindig zu machen und sie schnellstens zu vereiteln, bevor sie in den Körper des Patienten gelangen.

Lass mich würdig sein zu lernen und in Bescheidenheit anderen das Wissen über Erfolge und Misserfolge beim Verabreichen von Medikamenten beizubringen.

Lass mich würdig sein Medikamente in voller Gesundheit und in der Hoffnung, sie selbst nicht zu benötigen, zu verabreichen.

Lass mich würdig sein mich mit dem Leiden der Kranken zu identifizieren und ihnen mit den Mitteln, die Du mir gibst, soweit es in meinen Kräften liegt, beizustehen, Tag für Tag und zu jeder Stunde.

(aus dem Hebräischen übersetzt von Meir Brom)

Dafna Meir (38), Mutter von vier Kindern und zwei Pflegekindern, war Krankenschwester in der neurochirurgischen Abteilung des Hadassah-Krankenhauses in Beer Schewa. Sie entstammte einer zerrütteten Familie. Im Alter von acht Jahren wurde sie in ein Internat gebracht. Später wuchs sie bei einer Familie in einem Kibbuz als Pflegekind auf. Damals gelobte sie, dass sie nur einen Mann heiraten würde, der bereit wäre, zusätzlich zu ihren eigenen Kindern zwei Pflegekinder in ihre Familie aufzunehmen.

In Otniel im Hebrongebirge, wo sie mit ihrem Mann Natan, dessen Familie aus Nürnberg stammt, und ihren sechs Kindern wohnte, war sie Mittelpunkt im Leben der Frauen, denen sie auf allen Gebieten des Frauenlebens mit Rat und Tat beistand. Sie war intelligent und humorvoll. Sie war mit ihrem Natan glücklich verheiratet. Als Paar nannte man sie Dafnatan. Es war eine große Liebe.

Am 17. Januar 2016 nachmittags um 16.50 Uhr drang ein beinahe 16 Jahre alter Bursche aus einem arabischen Nachbardorf in Otniel ein. Er hatte zuvor einen Streit mit seinem Vater. Dafna stand am Eingang ihres Hauses. Der Bursche rammte ihr ein Messer in den Oberkörper. Mit letzter Kraft gelang es ihr, den Mord an zweien ihrer Kleinkinder, die Zeugen des Mordes an ihrer Mutter wurden, zu vereiteln.

Sie ist die Verfasserin des Gebets beim Verteilen von Medikamenten.

Ihr Andenken sei zum Segen.


Links:

Blutige Traditionen

Sinnloser Mord (Jochai Lifschitz, 2008)


Tag: #dafna

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 06.01.2016
Titel:
In Memörian Lemmy Kilmister (1945 - 2015)






Link:

Ace of Spades


Tag: #lemmy

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Autor: Meir Brom und rijo
Datum: 21.11.2015
Titel:
Blutige Traditionen





1910 in Palästina

Allesbesserwisser wollen uns dieser Tage wieder einmal belehren: Was will man nur von den arabischen Messerstechern? Sie sind verzweifelt wegen Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik, sie sehen keine Zukunft für ihr Volk.

Ich weiß schon lange, dass all diese Behauptungen noch nie gestimmt haben. Denn warum gab es dann mörderische Terroranschläge auf Juden im Heiligen Land schon 1920/1921, 1929, 1936 - 1939, 1945, 1947 usw.?

Nun habe ich einen Bericht aus der Zeitung "Hazwi" (Die Gazelle) vom 29. September 1910 gefunden:

"Nachrichten aus Jaffa: Vorgestern ging ein junger Mann namens Schweizer aus Rischon Lezion nach Jaffa. Unterwegs fielen zwei Araber über ihn her und verletzten ihn lebensgefährlich mit einem Messer. Zu seinem Glück kamen da zwei Soldaten (Türken) und verhafteten einen der Täter.

Auch zwischen Nes Ziona und Rischon Lezion überfielen drei Araber einen jüdischen jungen Mann namens Jakob Bienenstock. Der Bedauernswerte wehrte sich mit einem Taschenmesser, welches er bei sich trug. Die Araber flohen.

Diese Fälle auf offener Strasse an helllichtem Tag sind ein Ärgernis für die Einwohner. Sie stellen fest, dass es im Lande keine Sicherheit gibt und dass sich die Situation immer mehr verschlimmert."

Also gingen sie schon 1910 mit Messern auf Juden los, weil sie verzweifelt waren wegen der Besatzungs- und Siedlungspolitik - von wem? Von den Türken?

Meir Brom (Jerusalem), 4. November 2015


1935 in Deutschland

aus einem SA-Lied:

Wenn der Sturmsoldat ins Feuer geht, ei da hat er frohen Mut,
und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, ei da geht's noch mal so gut.


2015 in Israel und im Westjordanland

Messerattacken auf arglose, unbewaffnete Zivilisten mit Toten und Verletzten.


Fazit

Mord bleibt Mord, aber Faschismus, Rassismus und religiöser Fanatismus sind zum Scheitern verurteilt, weil der Wahnsinn in der Geschichte nie gewinnt.


Links:

Meir Brom: Mein Israel feiert seinen Sechzigsten (2008)

Meir Brom: Gemischte Gefühle (2011)

Meir Brom: Dafna Meir s.A.: Gebet beim Verteilen von Medikamenten (2016)

rijo: Im Osten nichts Neues - Ephraim Kishon über die Situation in Israel 1967 (2009)

rijo: Ein paar einfache Wahrheiten über Israel (2009)


Tag: #blut

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Autor: rijo
Datum: 10.12.2016
Titel:
Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 3





Der Oberbürgermeister der Stadt des Friedens und der Menschenrechte - so der selbstverliehene Ehrentitel der Kommune - hat es nach über zehn Monaten des Hinhaltens aus eigener Machtvollkommenheit endgültig abgelehnt, unseren Vorschlag dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen. Auf unsere letzte E-Mail und Unterstützerschreiben von Persönlichkeiten aus Deutschland und den USA mit individuellen und differenzierten Argumenten antwortete er mit dem immer gleichen deutschen Standardtext. Dieser kann unter dem Link zu unserer Korrespondenz (s.u.) ebenso nachgelesen werden wie unsere Reaktion darauf: Frustration, Enttäuschung und Scham, v.a. gegenüber den an der Initiative beteiligten Zeitzeugen und US-Veteranen. Aber die Taktik, uns wie Karl Valentins Buchbinder Wanninger bis zur Aufgabe gegen eine Gummiwand aus Verfahrensfragen, Verantwortungswimmelei und allgemein geschichtsphilosophischen Erklärungen, die nichts mit unserem eigentlichen Anliegen zu tun haben, rennen zu lassen, wird nicht aufgehen, denn das sind wir Stephen Mosbacher, unseren Freund(inn)en und den Nürnberger(inne)n schuldig, die sich in Sachen Erinnerungskultur nicht von einer vermeintlichen Obrigkeit bevormunden lassen wollen. Deshalb:

TO BE CONTINUED / FORTSETZUNG FOLGT


Links:

Unsere Korrespondenz mit der Stadtverwaltung Nürnberg seit Februar 2015

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 1

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 2

Monodrama Stoßtrupp in die Erinnerung

Briefe für Stephen S. Mosbacher

Ein US-Veteran wundert sich

Für Freiheit und Ehre (Gedenken an alliierte Soldaten des II. Weltkriegs aus Deutschland)


Tag: #mosbacher3

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Autor: rijo
Datum: 04.10.2015
Titel:
Projekt Vergeht Vergangenheit? Jugendliche erforschen die Zeit des Nationalsozialismus anhand von Originalquellen im Staatsarchiv Nürnberg, gefördert von der FZFN 2015




Im Jahre 2015 fördert die FZFN auch dieses Schülerprojekt mit 500 EUR in der nach unserem Freund George Beeston (1920 - 2012) benannten Sparte, deren Mittel u.a. der Erforschung des Widerstands gegen das NS-Regime dienen sollen, wobei uns die Arbeit von Jugendlichen mit authentischen lokalen Quellen besonders am Herzen liegt.

Entwicklung und Ziele des Seminars beschreibt seine Leiterin, Frau Ursula Kraus:

Das P-Seminar wird von 2014 bis 2016 am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg abgehalten und läuft unter dem Titel: Vergeht Vergangenheit? Jugendliche erforschen die Zeit des Nationalsozialismus anhand von Originalquellen im Staatsarchiv Nürnberg.

Der Ausgangspunkt für die Arbeit mit Originalquellen war die politische Diskussion um die Freigabe von Mein Kampf, dessen Urheberrechte am 31.12.2015 erlöschen. Ziel des Seminars ist es, dass die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer intensiven Archivarbeit mit Originalquellen aus der Zeit des Nationalsozialismus arbeiten können und sich gleichzeitig mit der Frage der Freigabe von Mein Kampf, eine der zentralen Quellen des Nationalsozialismus, kritisch auseinandersetzen.

Am 10. Oktober 2014 begann für die Seminargruppe die Arbeit im Archiv. Drei Aktengruppen wurden uns zur Erforschung zur Verfügung gestellt. Hierzu gehören die Akten der Gauleitung Franken, Akten der Sondergerichte in Nürnberg sowie eine Aktensammlung des Polizeipräsidiums Nürnberg-Fürth zur nationalsozialistischen Bewegung bis 1933. Zudem entdeckten wir auch einen Jahresbericht unserer Schule aus dem Jahr 1934. So ergab es sich wie von selbst, eine eigene Forschergruppe zum Thema Schule im Nationalsozialismus (Gruppe 1) zu gründen. Eine weitere Gruppe nahm sich die Sondergerichte (Gruppe 2) zur Aufgabe. Die Mappe des Polizeipräsidiums erwies sich nach der Durchsicht auch als Fundgrube für eine weitere Schülergruppe (Gruppe 3). Es fanden sich recht bald sehr kritische Artikel zu Hitlers Mein Kampf. So titelte der Bayerische Kurier nach der Veröffentlichung des zweiten Bandes von Mein Kampf in seiner Ausgabe vom 29.12.1926 Krampf oder Kampf? Auch Karikaturen aus den Akten des Polizeipräsidiums zeigten, dass man sich vor 1933 in der Öffentlichkeit durchaus über Hitler lustig machte und mit Humor seinem Treiben zusah.

Hitler und Humor - geht das? Diese Fragestellung vertieften sehr interessierte Schülerinnen des Seminars bei dem Besuch einer Veranstaltung des Insituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München am 19.11.2014. Dort wurde von hochrangigen Forschern diskutiert, inwiefern Terror und Gewalt satirefähig sein können. Gibt es Geschmacksgrenzen beim Humor? Inwiefern ist durch die humorvolle Annäherung an Hitler ein ernstzunehmender Erkenntnisgewinn über die NS-Zeit möglich? Diese Fragen wurden ganz konkret im IfZ in einer Podiumsdiskussion mit dem Autor Timur Vermes diskutiert, dessen Bestseller Er ist wieder da durchaus zu kontroversen Meinungen Anlass gibt. So entstand eine weitere Gruppe (Gruppe 4), die sich mit den aktuellen Strömungen im Literaturbetrieb und dem Umgang mit Humor auseinandersetzte. Diese Gruppe wählte zur besseren Einordnung und als Vergleichsmöglichkeit zu Er ist wieder da weitere zeitgenössische Werke der Populärliteratur. Der in Franken bekannte Krimiautor Jan Beinßen wurde am 17.12.2014 zu einer Autorenlesung eingeladen zu seinem Kriminalroman Görings Plan. Als weiteres aktuelles Buch wählten die Schüler den Roman von Ewald Arenz, Ein Lied über der Stadt.

Ursula Kraus, Leiterin des P-Seminars


Links:

Alles über die FZFN

FZFN 2015 Projekt Biographien der Nürnberger Deportierten des 29. Novembers 1941: die Krankenschwester Johanna Sämann, ihre Familie und der "Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Nürnberg"

FZFN 2015 Projekt English translation of Bernhard Kolb's memoir "Die Juden in Nürnberg 1839 - 1945"

Über George Beeston


Tag: #kraus

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Autor: rijo
Datum: 04.10.2015
Titel:
Projekt Biographien der Nürnberger Deportierten des 29. Novembers 1941: die Krankenschwester Johanna Sämann, ihre Familie und der "Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Nürnberg" von Dr. Birgit Seemann

Zu den drei von unserer Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse (FZFN) im Jahr 2015 mit jeweils 500 EUR unterstützten Projekten gehört Frau Dr. Seemanns Vorhaben. Sie erhält die Mittel in der nach Dr. Leopold Neuburger (1881 - 1928), dem ehemaligen Präsidenten des 1. FCN, benannten Sparte für Projekte zum jüdischen Leben in Nürnberg und seiner Vernichtung bis 1945. Diese wurde dankenswerterweise mitfinanziert von Mrs. Judy Vasos und Dr. Ruth White (beide USA).

Es folgt Dr. Seemanns Darstellung der bisherigen Ergebnisse und der Ziele ihrer bereits 2014 von der FZFN geförderten Recherchen.


1. Zum aktuellen Stand der Studie


Mit Hilfe der Jerry-Nothman-Förderung (FZFN-Ausschreibung 2014) habe ich inzwischen die erste Fassung einer Konzeptstudie zu der von mir geplanten sozialwissenschaftlichen Aufarbeitung der Biographien von am 29. November 1941 nach Riga Deportierten erstellt. Im Fokus der Mikrostudie (als erstem Baustein / Modul) steht die Nürnberger jüdische Familie Sämann, welche zugleich drei Generationen jüdischer NS-Verfolgter repräsentiert: Krankenschwester Johanna Sämann geb. Levi (25.02.1891 Altengronau / Hessen-Nassau – verschollen in Riga), Mitglied des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Nürnberg; ihr Ehemann, der Nürnberger Kaufmann und Geschäftsinhaber Sigmund Sämann (13.09.1869 Sugenheim (Mfr.) – 26.03.1942 Riga-Bikernieki); ihr Sohn, der Schüler Gerhard Sämann (18.12.1924 Nürnberg – 09.08.1944 deportiert von Riga nach Stutthof, verschollen).

Recherchiert und dokumentiert wurden bislang:
* Herkunftsfamilien und Herkunftsorte (Altengronau, Sugenheim, Nürnberg);
* Stellung zum Judentum, jüdisches Engagement;
* Ausbildung, Beruf, soziales Umfeld, kulturelles Leben;
* Leben und Wirken der Familie Sämann in und für Nürnberg;
* Stationen der Verfolgung in Nürnberg.


2. Fortsetzung und Fortentwicklung des Projekts


Folgende Untersuchungsschwerpunkte gilt es weiter zu bearbeiten und zu vertiefen:

* der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Nürnberg (Johanna Sämanns Arbeitsumfeld): Ausbildung und Beruf, Beziehungen zur nichtjüdischen Pflege und Stadtgesellschaft, Erster Weltkrieg, überregionale Verbindungen zum jüdischen Krankenhaus in Breslau und anderen jüdischen Schwesternvereinen (Der Nürnberger jüdische Schwesternverein ist bislang eine Leerstelle der historischen und pflegewissenschaftlichen Forschung);

* weitere Biographien NS-verfolgter Kolleginnen und Kollegen wie der ebenfalls am 29. November nach Riga deportierten Oberin Klara Heß, ebenso Stifterinnen und Stifter, Förderer, Ärzte, Angestellte, Patientinnen und Patienten;

* Stationen der Verfolgung in Lettland (Jungfernhof, Ghetto Riga, KZ Kaiserwald) und Polen (KZ Stutthof). (2000 veröffentlichte ich eine Biographie der ersten jüdischen Bundestagsabgeordneten Jeanette Wolff, welche frühzeitig über ihre KZ-Haft in Riga und Stutthof berichtete);

* First-, Second- und Third Generation-Forschung: Ermordete, Verschollene, Überlebende, Vertriebene (Exil), Angehörige, Nachkommen;

* Erinnerungsarbeit: Orte Nürnberger jüdischer Pflegegeschichte und ihrer Biographien, Formen des Gedenkens, heutige Orte (Adolf-Hamburger-Seniorenheim der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg).
Der Fokus liegt auf der NS-Zeit und bezieht die Tatorte nach der Deportation aus Nürnberg mit ein, wobei sich Anknüpfungspunkte an den Forschungszweig Holocaust Studies ergeben. Zugleich sollen die Einzelbiographien nicht auf die Shoa beschränkt, sondern in ihr jeweiliges Nürnberger Sozialsystem eingebunden werden.


3. Vermittlung der Forschungsergebnisse

Mit meinem Projekt möchte ich einen Beitrag zur Nürnberger jüdischen Sozial- und Pflegegeschichte, zur Nürnberger Stadtgeschichte und zur fränkisch-jüdischen Regionalgeschichte leisten. Die Ergebnisse sollen neben der Forschung vor allem der Bildungsarbeit (Lehrende und Lernende an Schulen und Hochschulen, Initiativen, zeithistorisch und biographisch Interessierte) zur Verfügung stehen. Hieran schließen sich die derzeit erörterten Fragen, wie sich die Nürnberger jüdische Sozial- und Pflegegeschichte zum einen an die jüngere Generation, zum anderen in der Migrationsgesellschaft vermitteln lässt, welche Themen die Aktualität besonders verdeutlichen und wie Erinnerungsarbeit in gesellschaftliche Gestaltung mit einfließen kann, an.

Geplante Formen der Veröffentlichung sind ein längerer Aufsatz plus Work-in-Progress-Bericht im Hinblick auf eine Buchpublikation und der Mitwirkung am Aufbau einer Datenbank / Website, Artikel in Print- und Webmedien, Vorträge und Workshops.

Dr. Birgit Seemann, Rodgau


Links:

Die Website des Forschungsprojekts Jüdische Pflegegeschichte

Alles über die FZFN

FZFN 2015 Projekt Vergeht Vergangenheit? Jugendliche erforschen die Zeit des Nationalsozialismus anhand von Originalquellen im Staatsarchiv Nürnberg

FZFN 2015 Projekt English translation of Bernhard Kolb's memoir "Die Juden in Nürnberg 1839 - 1945"

Biografie Dr. Leopold Neuburger


Tag: #seemann

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Autor: rijo
Datum: 26.09.2015
Titel:
Projekt Dem Widerstand auf der Spur der Gruppe denkakt




(Foto: denkakt)

Die vom Verlag testimon / der FZFN 2014 geförderte virtuelle Multimedia-Ausstellung Dem Widerstand auf der Spur während der NS-Zeit in Nürnberg nimmt Gestalt an - nähere Informationen s. Links.


Links:

Die Website des Projekts Dem Widerstand auf der Spur

Radiointerview anlässlich der Teilnahme an den Stadt(ver)führungen 2015

Alles über die FZFN

Alle Projekte der FZFN 2014 im Überblick


Tag: #denkakt

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Autor: rijo
Datum: 19.07.2015
Titel:
Happy Birthday, Ludwig!




(Foto: Susanne Rieger)

Ende Juni 2015 besuchte unser Freund Ludwig Berlin (London) mit seiner Familie Nürnberg, um in seiner Geburtsstadt den 94. (!!!) Geburtstag zu feiern. Nebenbei fand er - ganz Mann von Welt - noch Gelegenheit, in einem Straßencafé auf dem Hauptmarkt bei einer Tasse Tee entspannt seine englische Zeitung zu lesen (s. Foto).

Trotz seines Alters und schwerer Schicksalsschläge ist Ludwig nach wie vor ein wandelndes Geschichtsbuch, Clubfan (hat der Verein nicht verdient, s. Link), eine imposante Erscheinung und ein überaus charmanter Mensch, der gerne weise lächelt und andere zum Lächeln bringt, kurz ein weiteres Beispiel dafür, was Deutschland und gerade Nürnberg durch die Vertreibung und Vernichtung ihrer jüdischen Bevölkerung 1933 - 1945 unwiederbringlich verloren haben. Umso glücklicher kann sich schätzen, wer sich sein Vertrauen, seine Achtung und sogar Freundschaft erworben hat.

Hang in Ludwig, for many more years still to come!


Link:

Skandal (Ludwigs Besuch 2012)


Tag: #ludwig_2015

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Autor: rijo
Datum: 10.07.2016
Titel:
Stadtplan Orte jüdischen Lebens und seiner Vernichtung in Nürnberg bis 1945





Orte jüdischen Lebens und seiner Vernichtung in Nürnberg bis 1945 / Places of Jewish life and its extinction in Nuremberg until 1945. Text: Gerhard Jochem (zweisprachiger Faltplan / bilingual city map). Stadtarchiv Nürnberg / Nuremberg City Archives 2015.

Erhältlich bei / available at:

Stadtarchiv Nürnberg, Marientorgraben 8, 90402 Nürnberg

Bürgerinformations-Zentrum, Hauptmarkt 18, 90403 Nürnberg

Tourist Information, Königstraße 93, 90402 Nürnberg


Links:

Weitere Infos, Download und Bestellung der Druckfassung

Chronologie zur jüdischen Geschichte Nürnbergs 1146 - 1945


Tag: #stadtplan

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Autor: rijo
Datum: 20.06.2015
Titel:
Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 2





Die SPD hat uns davon informiert, dass sie unsere Initiative zum Anlass genommen hat, um selbst einen Antrag im Nürnberger Stadtrat einzubringen. Damit ist sie die einzige der von uns kontaktierten und im zuständigen Ratsausschuss vertretenen Parteien, die uns eine Rückmeldung gegeben hat.

Da ihr an dem Thema offenbar etwas liegt, wünschen wir der SPD viel Erfolg und uns, dass sie in Sachen Stephen Mosbacher für die richtige Entscheidung sorgt. Das deutlichste Zeichen wäre eine Bennennung des Teilstücks der Beuthener Straße vor der Zeppelintribüne.


Hier der Text unserer Antwort:

Betreff: Ihr Schreiben vom 02.06.2015 (Erinnerungskultur im öffentlichen Raum)
Von: info[ät]testimon.de
An: spd[ät]stadt.nuernberg.de>
Datum: 2015-06-20 14:29

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre positive Reaktion auf meine Initiative zur Benennung einer Straße oder eines Platzes nach dem in Nürnberg geborenen, von hier vertriebenen und am 02.04.1945 gefallenen US-Soldaten Stephen Mosbacher. Sie lässt mich hoffen, dass Ihre Vertreter diesen Vorschlag im Verkehrsausschuss des Stadtrats befürworten werden.

Ihren weitergehenden Antrag zur öffentlichen Erinnerungskultur in Nürnberg befürworte ich unbedingt, denn sie weist noch erhebliche Defizite auf. Wie das Beispiel Stephen Mosbacher zeigt, der als Soldat im aktiven Kampf gegen das NS-Regime starb, sollte jedoch der Kreis derer, an die erinnert wird, über die Opfer hinaus erweitert werden. Auch in Deutschland gab es Menschen, die sich durch bewussten Widerstand oder nonkonformes Verhalten gegen den totalitären Staat stemmten. Für Nürnberg steht hier stellvertretend Ernst Rummel, der keiner Organisation angehörte, sondern als Individuum in einer unmenschlichen Zeit menschlich handelte. An ihn erinnerte unser Verlag 2014 durch die Ausschreibung eines zeitgeschichtlichen Stipendiums (Ausschreibungstext und Biografie). Dasselbe gilt auch für die christlichen Männer und Frauen in Mischehen, die durch ihre Loyalität mit dem jüdischen Partner diesen vor der Deportation und Ermordung schützten und sich nicht nach 1933 scheiden ließen.

Neben diesen vorbildlichen Menschen wird bisher in Nürnberg u.a. noch nicht denjenigen gedacht, die der Euthanasie zum Opfer fielen, den Zwangssterilisierten, Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern der Wehrmacht im II. Weltkrieg, den jüdischen Vertriebenen und ausländischen Zwangsumgesiedelten, z.B. aus Slowenien.

Ein summarisches Erinnern an eine so heterogen zusammengesetzte Gruppe ist schwierig. Ein erster Schritt hierzu könnte die Umbenennung des Platzes der Opfer des Faschismus in Platz des Antifaschismus sein, um den aus der Nachkriegszeit stammenden Opfer-Begriff, der, wie die Ehrenhalle im Luitpoldhain zeigt, letztlich die kausalen Zusammenhänge eher verschleiert als verdeutlicht, da sich unter ihm fast alle Deutschen zu Nazi-Opfern erklären konnten, zu beseitigen. Über die Form der Erinnerung sollte insbesondere unter den Aspekten der Flexibilität und der Informationsvermittlung breit diskutiert werden.

Mit freundlichen Grüßen
Verlag testimon
Postfach 11 91 45
90101 Nürnberg


Link:

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 1

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 3


Tag: #mosbacher2

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Autor: rijo
Datum: 02.12.2016
Titel:
Geschichtsklitterung in München


.

Das Münchner Olympiastadion - nur eine zugige alte Hütte?
(Foto: Susanne Rieger)

Unser Leserbrief an den Münchner Merkur vom 19.05.2015

Betreff: Das Stadion, das niemals schläft. 10 Jahre Allianz Arena (MM vom 16./17.05.2015, S. 3)


Sehr geehrte Damen und Herren,

der im Betreff genannte ganzseitige Artikel ist peinlich bis ärgerlich. Statt wie aus Anlass eines Jubiläums nötig, seinen Gegenstand geschichtlich zu kontextualisieren, bejubelt er ihn völlig unkritisch als Prachtstück, Prachtbau und Weltklasse-Architektur. Abgesehen von ein paar schattige(n) Punkte(n), die nur stichwortartig genannt werden (u.a. Schmiergeldskandal), sei die Allianz Arena ein einzigartiger Erfolg. Kein Wort über die seinerzeitige Pokerpartie des FCB mit der Stadt München, in der der Verein immer neue Forderungen stellte, und kein Beleg für die behauptete Einzigartigkeit, etwa durch harte Wirtschaftszahlen wie Finanzierung, Umsätze oder Schuldentilgung. Zitiert werden nur Angestellte der Stadiongesellschaft, Anekdötchen ersetzen Informationen und als unbezahlte Werbung findet das Leistungsangebot für Firmenkunden eine breite Darstellung, das den normalen Leser herzlich wenig interessiert.

Besonders befremdlich bei der sonstigen Geschichtslosigkeit des Textes wirkt die unnötige und ungerechtfertigte Abqualifizierung des Olympiastadions: (Es) war für den großen Fußball nur 33 Jahre gut genug, die letzten von ihnen hatte man schon als quälend empfunden: zu unkomfortabel, zu zugig, zu weit weg. Und zu groß die Gefahr, nass zu werden, wenn's regnet.

Das Komfortparadies für die von gefährlichem Zug und Kurzsichtigkeit gequälten Fans einer Freiluftsportart entstand also erst nach läppischen drei Jahrzehnten in Fröttmaning, wo die Verantwortlichen offenbar auch im Umfeld ihrer Arena an 365 Tagen Niederschlagsfreiheit garantieren können.

Der Autor verdrängt dabei völlig das Glück des FCB, in seiner nationalen und internationalen Aufstiegsphase das Olympiagelände mit seiner Infrastruktur als Bühne gehabt zu haben, aber heutzutage ist wohl von Journalisten kein historisches Bewusstsein und von Multimillionenunternehmen, die aus gemeinnützigen Vereinen hervorgegangen sind, keine Dankbarkeit mehr zu erwarten. Bleibt nur zu hoffen, dass der MM sich wenigstens ebenso euphorisch über das geplante Olympia-Museum äußern wird wie über die privatwirtschaftliche Erlebniswelt in der Allianz Arena.

Fazit: Wo der FCB heute steht und was er vor 13 Jahren in die Fröttmaninger Einöde gestellt hat, verdankt er ursächlich den Steuerzahlern bzw. Olympia 72 und der WM 2006. Guter Journalismus geht jedenfalls anders: sachlich, unabhängig, informativ. Dieser Artikel liest sich aber wie - um zwei Zitate aus ihm zu gebrauchen - die Sendung mit der Maus, beschwingt vom Alkohol.

Mit freundlichen Grüßen

Verlag testimon
Postfach 11 91 45
90101 Nürnberg


P.S.: Über seine Berufsauffassung und Prioritäten gibt der Verfasser am 18.05. in der Glosse Münchner Freiheit des Lokalteils selbst Auskunft: Er sei FCB-Reporter und pflege mit dem Auto zur Allianz Arena zu fahren, da die Redaktion dort einen Sonder-Parkschein hat.

Schlusspointe: Nach einer vor Arroganz und Unverschämtheiten strotzenden Antwort des Autors sowie einer ohne Antwort gebliebenen Beschwerde über ihn bei der Ressortleitung und dem Herausgeber haben wir unser MM-Abo nach Jahren gekündigt.


Links:

Zur Online-Fassung des Artikels - in der die Passage über das Olympiastadion fehlt ...

Unser Oly 72 Lesebuch

oly72.de - Die Website zu den Spielen 1972 in München


Tag: #mm

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Autor: rijo
Datum: 14.02.2015
Titel: Barbara Jablonska (1925 - 2015)






Barbara Jablonska wurde am 25.12.1925 in einer südostgalizischen Kleinstadt als einzige Tochter eines polnischen Ehepaares geboren; ihre Mutter stammte aus einer jüdischen Familie. Die Eltern trennten sich, als Barbara noch ein Kind war, der Vater starb im Jahre 1941.

Der Zweite Weltkrieg, seit September 1939 zunächst in Form der sowjetischen, seit Juni 1941 der deutschen Okkupation, beendete gewaltsam ihre Kindheit und damit ihre Schulausbildung. Im Mai 1942 geriet sie auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft für sich und ihre Mutter in einen Fremdarbeitertransport, der sie nach Nürnberg brachte. Hier blieb sie bis Juni 1943, als sie sich entschloss, aus Angst vor Entdeckung ihrer wahren Identität die Stadt illegal zu verlassen.

Seit der Rückkehr nach Polen lebte sie bis zum Abzug der Deutschen in ständiger Angst vor Enttarnung und Verhaftung. Danach versuchte sie die durch Krieg und Zwangsarbeit verlorene Zeit nachzuholen, bewältigte in einem Jahr den Stoff von drei Klassen und legte die mittlere Reife ab. Später arbeitete sie als Stenotypistin und in einer katholischen Verlagsbuchhandlung, wo sie unter den äußerst schwierigen Bedingungen der kommunistischen Zensur an der Gestaltung von konfessioneller Bildung für die Jugend mitwirkte. Seit ihrer Emigration aus Polen in den siebziger Jahren lebte sie in Poitiers (Frankreich).

2003 erschien im Berliner Metropol Verlag unter dem Pseudonym Barbara Ostyn ihr Buch Die steinerne Rose. Erinnerungen einer polnischen Fremdarbeiterin in Deutschland 1942 - 1943, in dem sie den abenteuerlichen Weg beschreibt, der sie zwischen 1942 und 1943 aus dem von den Deutschen besetzten und vom Nationalitätenkonflikt zwischen Ukrainern und Polen zerrissenen Ostgalizien nach Nürnberg führte. Als Halbjüdin auf der Flucht vor dem Holocaust in ihrer Heimat, begab sie sich damit in die Höhle des Löwen: Mit einer falschen Identität versehen strandete sie als Fremdarbeiterin gerade in der Stadt, nach der die infamen Rassengesetze der Nazis benannt wurden, die ihr selbst fast zum Verhängnis geworden wären. Als Dolmetscherin erlebte sie den tristen Alltag der Zwangsarbeiter, traf aber auch Deutsche, die sich der damals Siebzehnjährigen annahmen und sie schützen, solange dies möglich war. Dabei kreisen ihre Erinnerungen immer wieder um den Fixpunkt des prächtigen Glasfensters in der Hauptfassade der Nürnberger Lorenzkirche, die steinerne Rose.

Jablonskas Werk erfuhr eine weit über die Stadtgrenzen hinausgehende positive Aufnahme in lobenden Rezensionen, u.a. in Die Zeit, der SZ und FAZ. Einer Lesung in Nürnberg im Juni 2004 folgten ein Feature des Bayerischen Rundfunks, die szenische Umsetzung in einem Jugendprojekt des Staatstheaters Nürnberg sowie Ausgaben als Fortsetzungsroman in der Nürnberger Zeitung und in russischer Sprache im Monatsmagazin Rubezh.

Barbara Jablonska verstarb am 11. Februar 2015. Wir haben eine Freundin verloren, die Welt einen liebenswerten, klugen und geistreichen Menschen.


Links:

Ihr Buch Die steinerne Rose

Ihr Text bei rijo-research.de Wir waren Sklaven wie Sigena

Ihre Rezension unseres Buches transit nürnberg #3


Tag: #barbara

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Autor: rijo
Datum: 08.02.2015
Titel: Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 1






Als dauerhaftes Zeichen dafür, dass der Mensch und das, wofür sein Leben und sein Tod stehen, nach 70 Jahren in seiner Geburtsstadt gewürdigt werden, haben wir folgendes Anliegen. Wenn Sie es unterstützen, schreiben auch Sie bitte an den Oberbürgermeister.

Unsere E-Mail vom 8. Februar 2015 an den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg:

Adresse: bga[ät]stadt.nuernberg.de

Betreff: Straßenbenennung nach Stephen Mosbacher

Sehr geehrter Herr Dr. Maly,

anlässlich der 70. Jahrestage der Befreiung Nürnbergs und Deutschlands vom Nationalsozialismus schlagen wir vor, in seiner Geburtsstadt eine Straße oder einen Platz nach dem am 2. April 1945 gefallenen US-Soldaten Stephen Mosbacher zu benennen.

Die Familie Mosbacher wurde 1938 aus Deutschland vertrieben. Ihr Sohn gehörte zu den 96 derzeit namentlich bekannten gebürtigen jüdischen Nürnbergerinnen und Nürnbergern, die während des II. Weltkriegs als alliierte Soldaten gegen die Nazis und ihre Verbündeten kämpften und so einen aktiven Beitrag zu deren Niederlage und dem Ende des Völkermords leisteten. Mindestens sechs von ihnen sind dabei gefallen. Die dramatischen Umstände von Stephens Tod beim Versuch der Rettung von Kameraden sind gut dokumentiert.

Eine Ehrung von Stephen Mosbacher würde somit nicht nur die individuelle Erinnerung an ihn bewahren, sondern auch an seine Schicksalsgenossen, die ihr Leben dafür aufs Spiel setzen mussten, dass wir seit sieben Jahrzehnten Freiheit und Frieden genießen dürfen. Eine Würdigung dieser Menschen, die heute um die neunzig Jahre alt sind, erscheint längst überfällig.

Die Symbolwirkung eines solchen Schritts wäre aber auch auf Gegenwart und Zukunft gerichtet: Durch den konkreten Nürnberg-Bezug kann Stephen Mosbacher jeder neuen Generation als lebensnahes Vorbild dienen und sie zur Reflexion über die Geschichte und Werte wie Gerechtigkeit, Selbstlosigkeit oder Mut anregen.

Als Quellen und Referenzen für dieses Anliegen können genannt werden:
1) Biografie von Stephen Mosbacher
2) Biografie des Vaters, Dr. med. Emil Mosbacher, zum familiären Hintergrund
3) Namensliste der aus Nürnberg und Fürth stammenden alliierten Soldaten während des II. Weltkriegs
4) Stellungnahmen von drei Nürnberger Veteranen:
- Prof. Arnold Friedmann, Biografie
- Mr. Ernest Lorch (Teilnehmer am 2. Nürnberger Zeitzeugengespräch 2003), Biografie
- Mrs. Lore Strauss, geb. Seidenberger (geb. 1923, 1938 geflohen nach Frankreich, aktiv in der Resistancé, mit Stephen Mosbacher befreundet)

Für Rückfragen oder Stellungnahmen stehen außerdem zur Verfügung:
* Mrs. Marianne Flack (USA, Stephens Schwester)
* Mr. Joseph Fleischmann (Nürnberger US-Veteran)

Als Ort der Namensvergabe schlagen wir ein geeignetes Areal des parkähnlichen Karrees zwischen Will-, Roon- und Reutersbrunnenstraße vor. Neben der Innenstadtnähe sprächen dafür die historischen Bezüge im Westen und Süden zu ehemaligem Militärviertel, Altem jüdischen Friedhof in der Bärenschanzstraße sowie dem Justizpalast als Schauplatz der Nürnberger Prozesse. Östlich der Fläche, zwischen Deutschherrn- und Fürther Straße, befand sich vor 1945 ein jüdischer Siedlungsschwerpunkt. Inhaltlich würde ein Stephen-Mosbacher-Platz an dieser Stelle ein zeitgemäßes Gegengewicht zu den im Viertel verewigten hohen preußischen Offizieren Blumenthal, Moltke und Roon bilden, deren Verdienste aus heutiger Sicht weit schwieriger zu vermitteln sind.

Ihrer Antwort sehen wir mit Interesse entgegen und bedanken uns im Voraus für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen
Verlag testimon
Postfach 11 91 45
90101 Nürnberg


Link:

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 2

Gefallen für unsere Freiheit - ein Platz in Nürnberg für Stephen Mosbacher, Teil 3


Tag: #mosbacher

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Autor: rijo
Datum: 24.12.2014
Titel: Der Friedensfürst






Lassen sie uns nicht die Lehren aus der Geschichte vergessen, dass eine Veränderung der Weltordnung - und das ist die Größenordnung der Ereignisse, deren Zeugen wir heute werden - überlicherweise mit einem Weltkrieg, einer globalen Konfrontation oder einer Kette schwerer lokaler Konflikte kommt.

Wladimir Putin im Oktober 2014 (Quelle: Time Magazine, 22.12.2014)


Link:

Bittere Ironie: Die alte neue Unordnung Osteuropas


Tag: #Putin_2014

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Autor: rijo
Datum: 23.12.2014
Titel: Mitternacht im Abendland






Die 10 einflussreichsten Film- und TV-Charaktere des Jahres 2014

(Quelle: Time Magazine, Dec. 22, 2014)

1) Elsa, die singende Eisprinzessin (Disney-Trickfilm-Figur): Ihre Puppe hat Barbie als bestverkauftes Spielzeug in den USA vom Spitzenplatz verdrängt.

2) Kim Kardashian (Star einer US-TV-Serie): Ein Online-Spiel mit ihr als Hauptfigur führte zum Verkauf von virtueller Kleidung und Schmuck für die Mitspieler im Wert von 200 Mio. USD.

8) Hatsune Miku: Ein computergenerierter japanischer Sänger, der seit einem 3D-Auftritt auf der Tournee von Lady Gaga und in David Lettermans Late Show ein Star ist.


Tag: #Pop_Kultur

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Autor: rijo
Datum: 23.12.2014
Titel: Muttis Deutschland in der Außenansicht






Ein politischer Konsens, basierend auf wirtschaftlichem Erfolg, mit einer selbstgefälligen Bevölkerung, einer willfährigen Presse und einer ungeheuer populären Führungspersönlichkeit, die selten von der öffentlichen Meinung abweicht - Merkels Deutschland erinnert an Eisenhowers Amerika. Aber was die heutigen Amerikaner beneiden mögen, mit unseren Befürchtungen des Niedergangs der Nation, beunruhigt nachdenkliche Deutsche. Ihre Demokratie ist nicht alt genug, um sich ausruhen zu können.

George Packer in The New Yorker, 1. Dezember 2014


Link:

rijo-Indexseite Deutschland


Tag: #Mutti

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Autor: rijo
Datum: 12.10.2015
Titel: Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse (FZFN) 2014






Unser wichtigstes, weil hoffentlich besonders nachhaltiges Projekt 2014 war die vom Verlag testimon organisierte und mitfinanzierte Förderung zeitgeschichtlicher Forschung in Nürnberg und der Vermittlung ihrer Ergebnisse, kurz FZFN, für die sich ab Mai Arbeitsvorhaben in diesen Bereichen bewerben konnten.

Am 9. November stellten folgende von einer Jury ausgewählten Förderungsempfänger in Höhe von jeweils 500 EUR ihre Pläne im Rahmen des zehnten club testimon der Öffentlichkeit vor:

* Dr. Alexander Brungs (Mannheim) - Biografie des ersten Herausgebers der Nürnberger Nachrichten Dr. Joseph E. Drexel (1896 - 1976)

* Gruppe denkakt (Nürnberg) - Virtuelle Multimedia-Ausstellung Dem Widerstand auf der Spur während der NS-Zeit in Nürnberg

* Jutta Leykauff (Oberreichenbach) - Mobile Kunstinstallation zur Beschäftigung holländischer Zwangsarbeiter bei der Reichsbahn in Nürnberg 1944/45 und Baumpflanzaktion in Erinnerung an Nürnberger jüdische Emigranten nach 1933

* Dr. Birgit Seemann (Rodgau) - Biografie der am 29.11.1941 von Nürnberg deportierten jüdischen Krankenschwester Johanna Sämann und ihrer Familie

* Dr. Martina Switalski (Eckental) - Shalom Melanchthon - Erforschung des Schicksals jüdischer Schüler des Melanchthon-Gymnasiums und der Schulgeschichte 1933 - 1945

* transiturs Städtereisen Nürnberg - München - Durchführung von kostenlosen Stadtführungen zur NS-Geschichte sowie Judenverfolgung nach 1933 und Zwangsarbeit

* Združenje Žrtev Okupatorjev 1941 - 1945 / Vereinigung der Okkupationsopfer 1941 - 1945 (Kranj, Slowenien) - Neuauflage des Buches Entrechtung, Vertreibung, Mord. NS-Unrecht an der Bevölkerung Sloweniens und seine Spuren in Bayern 1941 - 1945

Wir danken dem Hauptsponsor, Herrn Prof. Wolfgang Schmidt (Mainz), wünschen den Geförderten viel Erfolg und sind auf die Ergebnisse, die bis Ende 2015 ganz oder teilweise vorliegen müssen, gespannt. Wir selbst fühlen uns durch die geglückte Realisierung dieser für Nürnberg einmaligen Initiative ermutigt, das Programm 2015 fortzusetzen, insbesondere dann, wenn sich zusätzliche Geldgeber finden, denen Zeitgeschichtsforschung und die Vermittlung ihrer Resultate jenseits des Mainstreams ein Anliegen ist, weil sie deren Notwendigkeit erkennen.


Links:

Alles über die FZFN

Ausschreibungstext FZFN 2014


Tag: #FZFN_2014

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Autor: rijo
Datum: 06.12.2014
Titel: Vor 77 Jahren - und heute?






Der Mensch allein setzt sich über [den] Willen der Natur hinweg. Er billigt und fördert sogar die Verbindung von schwarzen oder gelben mit weißen Menschen, von Juden mit Nichtjuden. Jeder wertvolle Angehörige einer Rasse ist rassenbewusst. Kein rassenbewusster und rassenstolzer Weißer paart sich mit einer Negerin oder einer Jüdin, ja kein rassenbewusster Neger gesellt sich einer Weißen zu. Art bleibt bei Art. Nur minderwertige Vertreter einer Rasse finden Neigung zu einem Andersrassigen oder lassen sich von ihm missbrauchen. Aus verschiedenen Rassen findet sich nur Unwertiges zu Unwertigem, Schlechtes zu Schlechtem. So ist es klar, dass der Bastard stets [...] nur die schlechten Eigenschaften der sich paarenden Rassen in sich vereinigt.

Der Mischling ist eine bedauernswerte Kreatur, haltlos, hin- und hergeworfen von dem Blute zweier Rassen. Wir stellen fest, dass Bastarde ein Volk belasten, seine Kraft schwächen, in ihren Nachkommen den rassischen Zerfall weitertragen.

Zitate aus Fritz Fink: Die Judenfrage im Unterricht. Nürnberg 1937, S. 8 ff. & 43.

Dieses Buch erschien vor mehr als einem Dreivierteljahrhundert in Nürnberg und sollte Lehrern Methoden vermitteln, um bei ihren Schülern die Verachtung für andere Menschen zu schüren. Zwei Jahre zuvor waren hier auf einem Naziparteitag die rassistischen Nürnberger Gesetze verkündet worden. Man könnte sagen, das ist lange her, aber sind solche kranken Gedanken wirklich verschwunden?

Bei den Nazis ging es um die Überlegenheit einer Rasse gegenüber den anderen, deshalb ist der Begriff nach dem Holocaust zumindest in der Öffentlichkeit verpönt - und wurde in der Argumentation durch eine höherstehende Kultur oder die einzig wahre Religion ersetzt, weil das sachlicher oder harmloser klingt. Wer nicht dazugehört, ist dann halt als Halbaffe oder Ungläubiger nichts wert und kann entsprechend schlecht behandelt werden.

Eigentlich besteht der Unterschied nur darin, dass so ein gefährlicher Blödsinn zumindest in Deutschland nicht mehr die Staatsideologie ist und als solche offen propagiert wird. Aber das Bedürfnis, andere wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder Sozialstatus als minderwertig einzustufen, um sich selbst besser zu fühlen, ist im Alltag überall spürbar und vergiftet das Zusammenleben, nicht nur wenn dummgesoffene Neonazis Hassparolen grölen und jahrelang ungestraft morden können.

Die größte Gefahr liegt immer im Nachplappern ohne selbst nachgedacht zu haben. Zu diesem Zweck haben alle Menschen von kohlrabenschwarz bis sommersprossig ein Organ zwischen den Ohren, das sie regelmäßig benutzen sollten, z.B. um zu versuchen sich in die Lage der Anderen zu versetzen.


Link:

Wallt in ihren Adern nicht das Blut der Normannen?! - Ein deutscher Rassist 1938 in Afrika


Tag: #Rassismus

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Autor: rijo
Datum: 06.12.2014
Titel: Geschichte & Humor (3. Versuch)






Links:

Geschichte & Humor (1. Versuch)

Geschichte & Humor (2. Versuch)


Tag: #Geschichte_Humor_3

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Autor: rijo
Datum: 06.12.2014
Titel: Geschichte & Humor (2. Versuch)






Links:

Geschichte & Humor (1. Versuch)

Geschichte & Humor (3. Versuch)


Tag: #Geschichte_Humor_1

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Autor: rijo
Datum: 06.12.2014
Titel: Geschichte & Humor (1. Versuch)






Links:

Geschichte & Humor (2. Versuch)

Geschichte & Humor (3. Versuch)


Tag: #Geschichte_Humor_1

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Autor: rijo
Datum: 02.12.2014
Titel: Honneurs pour Willie




Alle Achtung! Bevor er am 16. November als Ehrengast an der Gedenkveranstaltung für die jüdischen Gefallenen des I. Weltkriegs in seiner Geburtsstadt Fürth teilnahm (s. Bildmitte) ...




... wurde unser Freund Willie Glaser (geb. 1921) für seinen Beitrag als aktiver Soldat zur Befreiung Frankreichs 1944/45 im Oktober zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Das Ordenskreuz wurde ihm bei einer Zeremonie in seiner Wahlheimat Kanada verliehen.


Link:

Willies Erlebnisse im II. Weltkrieg


Tag: #Willie_2014

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Autor: rijo
Datum: 23.11.2014
Titel: Erinnerung - Herinnering






Vor 70 Jahren kamen in Nürnberg-Zollhaus 276 Rotterdamer aus dem Stadtteil Blijdorp an, die bei Nacht & Nebel aus ihrer Heimat verschleppt worden waren, um hier als Zwangsarbeiter für die Reichsbahn zu schuften. Unter ihnen befand sich unser damals 17-jähriger Freund Rob Zweerman.

Es schadet nichts, heute an diese Männer zu denken & mehr über die geschichtlichen Zusammenhänge zu erfahren:

Die Razzia in Rotterdam im November 1944

Rob Zweerman: Bahnmeisterei I in Nürnberg

Rob Zweermans Erinnerungen an Nürnberg

Die Geschichte des Nürnberger Zwangsarbeitermahnmals

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Rob Zweerman (2009)

Unser Nachruf auf Rob Zweerman (2010)


Tag: #Rotterdam_1944

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Autor: rijo
Datum: 12.10.2014
Titel: 70. Jahrestag des Einsatzes von KZ-Häftlingen bei den Siemens-Schuckert-Werken in Nürnberg







Am 16.10.1944 kam in Nürnberg ein Transport mit über 500 weiblichen jüdischen Häftlingen aus Auschwitz an, die hier für die Siemens-Schuckert-Werke arbeiten mussten. Vier dieser Frauen und Mädchen haben Selbstzeugnisse hinterlassen, in denen sie von dieser Zeit berichten:

Allgemein

Ich hatte noch nie von Nürnberg gehört. Weibliche KZ-Häftlinge aus Auschwitz bei Siemens-Schuckert


Ágnes Rózsa

Ihr Tagebuch Solange ich lebe, hoffe ich

Rezension in der Budapester Zeitung

Ágnes Rózsa: Eine Spurensuche von Monika Wiedemann

Ihre Geschichte bei Spiegel Online: Ich freute mich das erste Mal im Leben auf die Prügel


Magda Watts

Online-Kurzbio: Phantasie und Kreativität als Waffen gegen die Schrecken des Holocaust

Eine ausführlichere Fassung befindet sich in der Zeitschrift transit nürnberg #1

Ihre Geschichte bei Spiegel Online: Püppchen für die Massenmörder

Ihre Autobiografie Dafka (English Book Recommendation)

Über ihren Besuch und ihre Ausstellung 2001 in Nürnberg (englisch)


Margaret Marketa Novak

Ihre Autobiografie One Left, Just One (English Book Review)

Cecilie Klein

Gedichte einer KZ-Überlebenden

 


Tag: #SSW_70

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Autor: rijo
Datum: 03.10.2014
Titel: Neue Angebote von transiturs Städtereisen München - Nürnberg






Die Übersicht über die Angebote unserer Tourismusfiliale wurde grundlegend erweitert und überarbeitet (s. Link) - ein Blick lohnt sich!



Link:

Zur Indexseite von transiturs


Tag: #transiturs_neu

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Autor: rijo
Datum: 02.08.2014
Titel: 15 Jahre rijo-research.de






Vor lauter Bescheidenheit hätten wir doch fast unser Jubiläum vergessen: Seit dem 8. Juni 2014 gibt es uns, d.h. die Website rijo-research.de, schon 15 Jahre! Auf diese Hartnäckigkeit gemäß unserem Motto Don't let the bastards grind you down sind wir schon etwas stolz, ebenso auf das stete inhaltliche Wachstum der Homepage, ihre vielen Ableger einschließlich der Facebook-Seite des Verlags testimon und die kontinuierlich steigende Zahl der Menschen, die wir seit eineinhalb Jahrzehnten mit unseren Angeboten erreichen.

Wir danken unseren regelmäßigen Besucher(inne)n für ihre Treue, freuen uns über jeden Neuzugang und versprechen dafür immer neue Informationen, Geschichten und Bilder.



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Tag: #rijo_15

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Autor: rijo
Datum: 07.12.2013
Titel: Münchner Erinnerungskultur grotesk




Mitarbeiterinnen der Firma Konen vor den Ruinen der St. Wolfgangskirche 1944. Wenn diese jungen Frauen nach Kriegsende in ihrer zerstörten Heimatstadt nur ein Trumm aus dem Weg geräumt haben, müssen sie laut Herrn Dürr & Co. Nazis gewesen sein - oder so ähnlich ...
(Foto: privat)



Seit Monaten tobt in der Landeshauptstadt der Streit, wer denn nach den alliierten Luftangriffen enttrümmert und damit die Voraussetzungen für den Wiederaufbau geschaffen habe: Der Verein Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere den Trümmerfrauen vertritt die schon in seinem um politische Korrektheit bemühten Namen formulierte These und ließ auf dem Marstallplatz auf eigene Kosten ein recht schlichtes Denkmal errichten. Nun steht die Vereinigung aber im Ruch des Revisionismus und der CSU-Nähe, da sie nach erfolglosen Versuchen bei der Kommune ihr Anliegen nur auf staatlichem Grund realisieren konnte. Dies rief SPD und Grüne auf den Plan, deren Opposition sich am 5. Dezember in der Verhüllung des Steins mit einem hochsymbolisch braunen Tuch manifestierte. Dabei verstieg sich der Landtagsabgeordnete Sepp Dürr (Grüne) zu der Aussage: In München gab es keine Trümmerfrauen!

Das ist totaler Schwachsinn und lässt daran zweifeln, ob Herr Dürr jemals Unterricht in deutscher Geschichte genossen hat. Traurig, dass er sich dabei auf ein Gutachten des Stadtarchivs berufen kann, wonach nur zwangsverpflichtete NSDAP-Mitglieder in München Schutt geräumt hätten.

Was war es, was die Stadtbewohner, wegen der Abwesenheit der Männer überwiegend Frauen, taten, um wohnen, arbeiten oder in die Kirche gehen zu können? Sie mussten ihre Unterkünfte, Arbeitsplätze oder Gemeinderäume wiederherstellen, was natürlich ohne amtliche Anordnung in Eigeninitiative individuell durch die Familien oder in gegenseitiger Hilfe mit Freunden oder Nachbarn geschah. In keiner der zerstörten deutschen Städte konnte die Hauptlast der Enttrümmerung, z.B. der Verkehrswege, von der Einwohnerschaft getragen werden, die mit ihren Alltagsproblemen ausreichend beschäftigt war.

Dürrs geistiger Dünnpfiff diffamiert unterschiedslos eine ganze Generation und verbiegt Geschichte. Jede Frau, die damals den Mörtel von Ziegeln abklopfte, um sie wieder verwenden zu können, ist nach unserer Definition und den historischen Fakten eine Trümmerfrau.

Herr Dürr ist übrigens ein Nachkriegsbauernbua aus Germering. Glück gehabt, denn so musste 1945 seine Mutter wohl keine Spitzhacke in die Hand nehmen, was sie heute aus der Sicht ihres Sohnes zum Naziluder machen würde. Sie wäre nur entschuldigt, wenn sie damals die Hände in den Schoß gelegt hätte, bis das offizielle Räumkommando kam, um ihre Behausung herzurichten. Oder haben wir da etwas falsch verstanden? Jedenfalls wird einem schwindlig, wenn man versucht die Argumentation der Gedenkgegner nachzuvollziehen.

Indem man wahllos und wahrheitswidrig die gesamte Bevölkerung einer Stadt mit Dreck bewirft, ehrt man nicht die NS-Opfer, sondern begeht genau die Geschichtsklitterung, die man der Gegenseite vorwirft.


Link:

Susanne Rieger: Brennende Erinnerung. Münchner Zeitzeugen berichten über den Luftkrieg


Tag: #Truemmerfrauen_MUC

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Autor: rijo
Datum: 01.12.2013
Titel: Die Russen kommen!




Franz von Roubaud: Russische Soldaten 1813 (Quelle: Wikipedia)



Geschichte ist unterhaltsam, lehrreich und brutal: Vom 1. bis 6. Dezember 1813, also vor genau 200 Jahren, machten 6000 zaristische Soldaten auf ihrem Weg nach Westen in Nürnberg Station. Vorausgegangen war die Völkerschlacht bei Leipzig (16. - 19.10.), in der Napoleon von Preußen, Österreichern und Russen geschlagen wurde.

Kurz zuvor hatte Bayern gerade noch die Kurve gekriegt und im Vertrag von Ried (08.10.) die Seiten gewechselt, nachdem im Winterfeldzug des französischen Kaisers 1812/13 mehr als 30.000 bayerische Landeskinder in Russland verrecken durften.

Die Begeisterung über die einwöchige Einquartierung der neuen Waffenbrüder in der Stadt (damals 27.000 Einwohner) war sicher riesig. Der Lohn für die Toten und den Heuschreckeneinfall war nach der endgültigen Niederlage Napoleons bei Waterloo und dem Wiener Kongress 1814/15, dass Bayern den Großteil der seit 1803 hinzugewonnenen Gebiete behalten und Königreich bleiben durfte: Hurra!

Und den hier können wir uns natürlich nicht verkneifen: Offiziell leben heute etwas 40.000 Migrant(inn)en aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in Nürnberg. Zumindest auf Menschen aus dieser Gegend scheint die Stadt traditionell eine magische Anziehungskraft auszuüben.



Link:

Von Boryslav und Kurgan nach Nürnberg - und nicht zurück! (von Dr. Ulrike Goeken-Haidl, Nürnberg)


Tag: #Russen_1813

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Autor: rijo
Datum: 24.11.2013
Titel: Vor 15 Jahren: Einweihung des Denkmals für George Catlett Marshall in Nürnberg




(Foto: Susanne Rieger)



Am 2. Dezember 1998 wurde in der Wohnanlage am Dr.-Linnert-Ring, in Höhe der Anwesen Nr. 6 - 8, das von dem Bildhauer Burkhard Klöter aus Senden im Auftrag der Nürnberger Wohnungsgesellschaft WBG geschaffene Denkmal für George C. Marshall enthüllt.

Marshall (1880 - 1959) war US-General und Außenminister und initiierte 1947 die nach ihm benannte Marshallplanhilfe für das kriegszerstörte Europa, die 1948 in Kraft trat. 1953 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Die ECA-Siedlung (European Cooperation Administration) in Nürnberg-Langwasser am Dr.-Linnert-Ring war eines von 15 Projekten des sozialen Wohnungsbaus in der Bundesrepublik Deutschland, die in den Jahren 1951 bis 1953 mit Geldern aus dem Marshallplan errichtet wurden. Hier bezogen im Juni 1952 Ausgebombte, Evakuierte und Heimatvertriebene die 288 Wohnungen der ersten fertiggestellten deutschen ECA-Siedlung.

Seitdem hat sich im deutsch-amerikanischen Verhältnis viel geändert ...


Link:

Unser Buch transit nürnberg #4: USA!


Tag: #Marshall

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Autor: rijo
Datum: 16.11.2013
Titel: Erinnern an 1914 - 1918




(Grafik: rijo)



Das Jahr 2014 wird medial geprägt sein vom Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre nach den Ereignissen, also in einer Zeit ohne Augenzeugen, besteht dabei die massive Gefahr der Historisierung bzw. Nostalgisierung: Ulkige Männchen mit dicken Schnauzbärten in lustigen Uniformen stolpern slapstickmäßig durch ruckelnde, grobkörnige Schwarzweißfilme, die bunte Propaganda wird kritiklos für bare Münze genommen, weil man heute nichts mehr braucht als Bilder.

Tatsächlich aber brachte dieser Krieg in den betroffenen Ländern auf grausamste Weise und mit Millionen von Opfern den Durchbruch der Moderne, indem er in alle Lebensbereiche eingriff, politische Systeme stürzte und die Weltkarte neu zeichnete. In Deutschland wurden sein Erleben und seine Ergebnisse zur Voraussetzung für die Naziherrschaft.

Auch wir bei rijo-research.de widmen uns schwerpunktmäßig diesem Thema - wie gewohnt gegen den Strich der offiziellen Geschichtsschreibung & -deutung. Deshalb laden wir alle Interessierten dazu ein, uns Texte, Bilder oder Dokumente zur Verfügung zu stellen, um sie hier zu präsentieren.


Links:

1914 - 1918: Der vergessene Weltkrieg bei rijo-research.de

Unser WKI-Blog


Tag: #WKI

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Autor: rijo
Datum: 09.11.2013
Titel: Holldrio - die Bayern und ihr Verhältnis zur Demokratie




(Grafik: rijo)



Am 7. November 1918 gelang es in München einer kleinen Schar von Linksoppositionellen um den unabhängigen Sozialdemokraten Kurt Eisner, den bayerischen König Ludwig III. zu stürzen.

So stellt das offiziöse Historische Lexikon Bayerns das am 8. November durch die Proklamation des Freistaats besiegelte Ende von 700 Jahren Wittelsbacherherrschaft und den Sieg der Demokratie - z.B. nur gut 140 Jahre nach den Kulturbanausen in den USA - noch heute im Internet dar: der Putsch einer radikalen Minderheit gegen die legitime Staatsführung. Fehlt nur noch der Hinweis, das einige von ihnen nicht nur keine Einheimischen, sondern zu allem Überfluss auch noch Juden waren.

Bei dieser Geringschätzung selbst nach 95 Jahren kein Wunder, dass bereits 5 Jahre später die von den Bayern ungeliebte Freiheit wieder wackelte, als sich Hitler und seine Anhänger am 8. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller zusammenrotteten, um die Macht zuerst in Bayern und dann im ganzen Reich zu übernehmen. Das politische und militärische Establishment - alles Personal aus der Königszeit und deshalb zutiefst antidemokratisch eingestellt - wackelte bedenklich lange, bis es am folgenden Tag den Marsch auf Berlin am Odeonsplatz von der Landespolizei stoppen ließ, wobei vier Beamte von den Nazis erschossen wurden, an die vor Ort zwar eine Gedenktafel erinnert, über die aber im Gegensatz zu den Putschisten kaum etwas zu erfahren ist. Wer kennt schon Friedrich Fink, Nikolaus Hollweg, Max Schoberth oder Rudolf Schraut?

In Bayern haben an diesen Tagen die Kirchenglocken nicht wegen der Schaffung und Verteidigung der Freiheit geläutet. Öffentliches Erinnern ist selektiv und eben nicht irrelevant, sonst würde es nicht so gezielt manipuliert werden.

Das Agieren von Seehofer wie ein Duodezfürst mit ergebenem Hofstaat oder die Blindheit der bayerischen Polizei auf dem rechten Auge bei den NSU-Ermittlungen steht nicht außerhalb der Geschichte, sondern ist in ihrem Kontext zu sehen. Eliten und Vertreter der Staatsmacht sind nie wirklich demokratisch, denn in einer Demokratie drohen Prestige-, Rang- und Geldverlust. Deshalb sind in der geltenden Verfassung als Lehre aus dem Naziregime, das ebenfalls mit tatkräftiger Unterstützung derer, die immer oben schwimmen, zustande kam, Kontrollgremien wie der Landtag vorgesehen. Nach dem ketzten Wahlergebnis und der anschließenden Postenschacherei und -schieberei ein guter Witz.


Links:

Kurt Eisner: Damnatio memoriae - aber auf zünftig bairisch!

Zur Ausrufung des Freistaats Bayern

Zum Hitlerputsch

Über die am 09.11.1923 getöteten Landespolizisten


Tag: #Bayern_Demokratie

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Autor: rijo
Datum: 30.10.2013
Titel: Herbert Kolbs Reden in Nürnberg




(Foto: Susanne Rieger)



Während seines Aufenthalts vom 7. bis 14. Oktober 2013 in seiner Geburtsstadt hielt unser Freund Herbert Kolb zwei Reden, deren Texte wir hier wiedergeben möchten, da sie kurz und prägnant die Sicht eines einmaligen Zeitzeugen auf Vergangenheit und Gegenwart zusammenfassen.


Rede am 7. Oktober 2013 beim Empfang zu Ehren von Herbert Kolb im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin nur deshalb nach Deutschland zurückgekommen, weil ich ein Teil oder besser gesagt ein lebendes Exponat der Ausstellung Der Dank des Vaterlandes ist Euch gewiss bin.

Ich danke der Stadt Nürnberg, dass sie nicht nur meine Ausstellung an andere Orte verleiht, sondern sich nicht scheut die Wahrheit über die zwölfjährige Schande auch hier zu zeigen. Mein besonderer Dank gebührt dabei dem Stadtarchiv und dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, die seit Jahren der Umwelt das Unglaubliche vor Augen führen.

Ich bin gekommen, weil ich es meiner ermordeten Schwester, meinen Verwandten und Freunden, die ihr Schicksal teilten, schuldig bin, dass sie nie in meiner Lebenszeit vergessen werden.

Jedes meiner persönlichen Dokumente zeigt, dass nichts erfunden ist, dass es wirklich so unglaublich, wie es scheint, gewesen ist.

Seit dem Ende des Krieges habe ich versucht, sowohl Erwachsenen wie Schülern in Amerika und Deutschland Dokumente zu zeigen, die den Leugnern die Augen öffnen und beweisen sollen, wie es wirklich war. Es gibt überall Menschen, die glauben, genug vom Holocaust gehört zu haben und alles darüber zu wissen. Das sind meist die, die nichts wissen.

Es ist nicht Scham, die die Holocaustleugner antreibt. Sie wissen genau wie jeder andere, dass er unvorstellbar schrecklich war. Sie versuchen aber durch ihr Leugnen, dass er vergessen wird.

Ich besitze eine große Anzahl von Originaldokumenten und Briefen mit den Namen und den damaligen Adressen, deren Schreiber darauf stolz waren, ihre Mitmenschen - nicht nur Juden - zu denunzieren. Sie beschreiben außerdem, wie sie die Juden umbringen wollen oder mitgeholfen haben sie zu ermorden.

Aus der Nachkriegszeit habe ich Briefe von früheren Gestapobeamten an meinen Vater, die sich nicht schämten von ihm eine Bestätigung zu verlangen, wie anständig sie gewesen sind.

Selbst die Gemahlin eines führenden Nürnberger Gestapomannes, Hildegard Grafenberger, bat nicht nur darum, sondern fordert dies in frechem Ton. Dachte sie vielleicht, mein Vater habe die täglichen, nervenaufreibenden Konfrontationen im Polizeigebäude vergessen, oder dass ihr Mann an der Ermordung von mehr als 2000 Nürnberger Juden beteiligt war?

Ich kann Ihnen viel mehr erzählen; die Woche, die ich hier bin, wird dafür nicht ausreichen.
Jedenfalls danke ich Ihnen allen, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben darüber zu berichten.


Rede am 13. Oktober 2013 beim Zeitzeugengespräch im Künstlerhaus/K4

Sehr geehrte Damen und Herren,

zuerst danke ich Ihnen für Ihre Einladung nach Nürnberg zu kommen, besonders meinem langjährigen Freund Herrn Jochem und Herrn Dr. Radlmaier.

Es ist für mich immer ein dramatisches Erlebnis in die Stadt zu kommen, in der ich zwar geboren wurde, doch für die ich keinerlei Heimatgefühle mehr habe. Die Stadt, die mir und Tausenden das Leben schwer machte und schließlich mich und meine Glaubensgenossen aus ihrer Mitte vertrieb.

Als es meiner Familie nicht möglich war, die Stadt und das Land zu verlassen, hat die Stadtregierung dazu beigetragen, dass meine einzige Schwester und die meisten meiner Verwandten ermordet wurden. Nur durch einen Zufall sind meine Eltern und ich nicht auch zu Opfern geworden.

Meine Eltern sowie ihre ganze Generation hatten nicht geglaubt, dass das in Deutschland möglich wäre, nachdem 1881, ein Jahr bevor mein Vater geboren wurde, die Gleichberechtigung aller Religionen Gesetz geworden war.

Sie haben dem Gedicht geglaubt, das Heinrich Heine vor fast 200 Jahren schrieb:

Ein Jahrtausend schon und länger dulden wir uns brüderlich,
Du, du duldest, dass ich atme, dass du rasest dulde ich.
Manchmal nur in dunklen Zeiten, ward dir wunderlich zu Mut,
Und die liebefrommen Tätzchen färbtest du mit meinem Blut.
Jetzt wird unsre Freundschaft fester und noch täglich nimmt sie zu;
Denn ich selbst begann zu rasen und ich werde fast wie du.

Nur wenige Deutsche - ich kann sie an einer Hand abzählen - haben zu uns gehalten. Die Propaganda hat sie nicht geändert. In den 1940er Jahren haben meine Eltern versucht diese Menschen zu beeinflussen von uns wegzubleiben, denn die Gefahr, von ihren Mitmenschen denunziert zu werden, war zu groß.

Ich will Ihnen ein paar Beispiele geben:

Ein Mann, ein Quäker, ein einfacher Kesselschweißer, Herr Ernst Rummel, ließ sich nicht anhalten. Er war, wie er sagte, absolut furchtlos und obwohl ihn mein Vater immer wieder warnte, kam er jeden Freitagabend in unseren provisorischen Gottesdienst. Herr Rummel bat meinen Vater um einen der gelben Judensterne, die wir tragen mussten, damit er auch wie ein Jude aussieht. Mein Vater gab ihm keinen, denn er sagte, er wolle ihm nicht bei etwas helfen, das einem Selbstmord gleichkam.

Herr Rummel ließ sich nicht abschrecken: Er ging zu Woolworth, kaufte sich ein gelbes Taschentüchlein und steckte es in seine obere linke Jackentasche, wo er es heraushängen ließ. Von weitem sah es aus, als trüge er einen Judenstern. Es ist ihm trotzdem nie etwas passiert, er wurde nie verhaftet.

Dieser Mann war in meinen Augen ein wahrer Held, nicht einer, der vom Deutschen Reich mit Orden behängt wurde, weil er Tausende von Menschen ermordete.

In den 1940er Jahren ging einmal eine uns völlig unbekannte Frau an meiner Mutter, die natürlich den Stern trug, vorbei und steckte ihr unbemerkt einen Hering in die Einkaufstasche. Sie verschwand ohne auf ein Dankwort meiner Mutter zu warten. Damals konnten wir nicht einmal mehr Heringe kaufen.
Eine weitere Heldentat einer Frau, von der ich auch den Namen nicht weiß: Stephan Fleischmann, ein guter Freund und Nürnberger, der ein schwer Kriegsversehrter aus dem Ersten Weltkrieg war, wo er als Zwanzigjähriger ein Bein verloren hatte, konnte nur langsam auf einen Stock gestützt gehen.

Ende 1941 oder Anfang 1942 ging Herr Fleischmann in eine Drogerie. Als er nach einem speziellen Tee fragte, schmiss der Drogist den Juden Fleischmann hinaus. Eine Frau, die auch im Laden war, hörte, was Herr Fleischmann wollte, und kaufte diesen Tee.

Wie ich schon sagte, konnte er nur sehr langsam gehen. die Frau hatte keine Schwierigkeiten ihn auf der Straße einzuholen und brachte ihm den gewünschten Tee. Danach kam sie noch ein paar Mal nachts in die Wohnung der Fleischmanns, bevor diese im September 1942 deportiert wurden und brachte Kleinigkeiten, die sie sich selber absparte. In eines der Judenhäuser zu gehen war schon für sich eine Heldentat, da diese sowohl von Nazi-Spitzeln wie auch der Polizei beobachtet wurden.

Jeden Tag wurden Lügen und Verleumdungen in den Zeitungen gedruckt, doch obwohl ich ein jüdischer Sklavenarbeiter war, wurde ich niemals von den Lehrjungen und -mädchen antisemitisch angepöbelt. Dagegen waren einige erwachsene Arbeiter und Arbeiterinnen in der Firma, die versuchten mir das Leben schwer zu machen und mich bei jeder Gelegenheit denunzierten. Ich hatte Glück, denn der Meister, der ein Alter Kämpfer war, war anständig zu mir und hat mich immer rechtzeitig gewarnt. Ich habe auch seinen Namen vergessen.

Ich kann bis heute nicht verstehen, wie es möglich war ein ganzes Volk so zu verhetzen, dass es alle diese Lügen glaubte, denn die Leute hätten es ja besser wissen müssen, weil sie seit mindestens 60 Jahren mit jüdischen Kindern in die Schule gegangen sind, mit Juden befreundet waren. Keine 20 Jahre zuvor waren die Männer mit Tausenden jüdischen Soldaten gemeinsam an der Front gestanden.

Von Anfang an haben sie den Volksvergiftern nicht nur zugejubelt, sondern mitgeholfen uns wie Untermenschen zu behandeln und zu verfolgen. Sie glaubten jedes Wort, das ihnen vorgebrüllt wurde und das über uns in der Zeitung stand.

Wir, die wir 1933 Kinder waren, sind mit dem Hass der Umwelt aufgewachsen, doch unsere Eltern konnten nicht verstehen, dass Menschen, die sie als Freunde kannten, von einem Tag auf den andern nichts mehr von ihnen wissen wollten.

Bereits am 10. Mai 1933, etwas mehr als drei Monate nachdem die Nazis an die Macht gekommen waren, hat man in Berlin und anderswo Bücher von jüdischen und nichtjüdischen Autoren verbrannt, die von den neuen Machthabern als undeutsch bezeichnet wurden. Goebbels hielt dabei eine seiner Hassreden, aus der folgendes Zitat stammt:

Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muss aus diesem ausgemerzt werden!

Man sollte sich dabei erinnern, was Heine schon 200 Jahre zuvor gesagt hatte:

Das war das Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.


Link:

Herbert Kolb 2013 in Nürnberg (Fotostrecke)

Herbert Kolb ist 90 (2012)


Tag: #Kolb_Reden

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 28.08.2013
Titel: Sie hatten einen Traum




(Quelle Fotos: USIS)



Heute vor genau 50 Jahren marschierte in Washington DC eine Viertelmillion Amerikaner(innen) - Schwarze und Weiße, Juden und Christen, Republikaner und Demokraten - symbolträchtig vom Washington Monument zum Lincoln Memorial, um ihre Unterstützung für die von Präsident Kennedy entworfene neue Bürgerrechtsgesetzgebung zu bekunden, die sowohl rassische wie soziale Ungerechtigkeiten beseitigen sollte. Höhepunkt der Demonstration, an der auch viele Prominente wie Charlton Heston (!), der Schriftsteller James Baldwin, Marlon Brando, Harry Belafonte u.a. teilnahmen, war die in die Geschichtsbücher eingegangene, durch die Gospelsängerin Mahalia Jackson inspirierte I-have-a-dream-Rede von Reverend Dr. Martin Luther King jr., in der er die Hoffnung einer ganzen Generation auf Freiheit, Gleichheit, Frieden und Gerechtigkeit so prägnant und poetisch formulierte, dass man noch heute beim Zuhören eine Gänsehaut bekommt.

Was würde der 1968 ermordete Priester zum Zustand seines Landes und der Welt fünf Jahrzehnte später sagen? Die Gleichberechtigung der Afroamerikaner hat große Fortschritte gemacht, trotzdem stellen sie z.B. einen weit überproportionalen Anteil der Insassen von US-Gefängnissen. Die innenpolitische Spaltung ließe eine parteienübergreifende Manifestation wie die in 1963 nicht mehr zu. Wo sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet, kann es keine Gerechtigkeit geben. Mit Freiheit hatte er sicher nicht Libertinage, Gier oder ungebremsten Konsumrausch gemeint. Und über Visionen im Allgemeinen können die heutigen abgebrühten Macher(innen), die Prinzipien-, Plan- und Geistlosigkeit als Realismus verkaufen, nur noch arrogant grinsen.


Link:

Best of Abraham Lincoln (Honest Abe) 1809 - 1865


Tag: #Freedom_March_1963

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Autor: rijo
Datum: 26.08.2013
Titel: Liebe Gäste


Willie Glaser (links) und Frank Harris am 17. Juli 2013 im Fürther Rathaus
(Foto: Susanne Rieger)



Im Juli 2013 besuchten unsere jung gebliebenen alten Freunde Willie Glaser und Frank Harris Nürnberg und Fürth. Wir hatten die Ehre, am 14. Juli mit Willie den von Susanne Rieger moderierten neunten club testimon in einem brechend vollen Saal der Nürnberger Akademie veranstalten zu dürfen. Am 17. Juli wurde Frank von seiner Geburtsstadt Fürth mit dem Goldenen Kleeblatt geehrt. Beides war für uns ein Höhepunkt des Jahres.

In den Links finden Sie eine Pressenachlese zur Anwesenheit dieser besonderen Männer.


Links:

Nürnberger Nachrichten 12.07.2013

Fürther Nachrichten 17.07.2013

Fürther Nachrichten am 19.07.2013


Tag: #Willie_Frank

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Autor: rijo
Datum: 09.05.2013
Titel: 30 Jahre Internet: Wo bleibt der Jubel?






Vor 30 Jahren fand eine echte Revolution statt. Selbst denen, die sie erlebt haben, scheint das kaum bewusst zu sein: Das ARPANET schuf 1983 die hard- & softwaremäßigen Voraussetzungen für das Internet als weltweites & jedermann zugängliches Datenaustauschnetzwerk.

Dieses Ereignis ist in seiner Bedeutung mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen; es hat die menschliche Kommunikation & unsere gesamte Kultur grundlegend verändert, v.a. die universelle Zugänglichkeit von Wissen. Außerdem widersetzt sich das Web hartnäckig allen Versuchen, es als Herrschafts- bzw. Manipulationsinstrument zu vereinnahmen; es ist unkontrollierbar & subversiv - so muss es bleiben.

Komisch, dass 2013 zu diesem Anlass so wenig Sektkorken geknallt haben. Für die Jüngeren ist das WWW ebenso eine Selbstverständlichkeit wie die Tatsache, dass die zivilisierte Welt nicht mehr an der Elbe aufhört. Die Älteren nehmen es bis heute nicht ganz ernst, weil sie noch von Brief, Zeitung & Buch geprägt wurden. Den sonst gerne jeden Schmarrn feiernden öffentlichen Körperschaften passt die Sache nicht ins Konzept, da kein Krieg gewonnen oder verloren oder irgendein Vertrag mit großem Pomp in einem Regierungspalast unterschrieben wurde. Dabei ist die damals begonnene Globalisierung von Kommunikation & Information die einzige wichtige Entwicklung seit 1945, die vorbehaltlos positiv beurteilt werden kann & deshalb Anlass zur Hoffnung gibt, dass die Menschheit nicht wieder auf den Bäumen landet. Also wenigstens an dieser Stelle ein dreifaches privates Hurra auf das Internet!


Link:

www.internet-chronik.de


Tag: #Internet

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Autor: rijo
Datum: 28.04.2013
Titel: Facebook & Twitter: Mit uns zieht die neue Zeit - ziehen Sie mit!






Liest man die letzten teribloG-Einträge, so könnte der Eindruck entstehen, als ob wir hauptsächlich nur noch mit dem Schreiben von Nachrufen beschäftigt wären. Dass dies nicht stimmt und unsere Welt immer noch bunt ist, können die vier Herren in obiger Grafik bezeugen, die den Kopf unserer Facebook-Präsenz Verlag testimon zieren, die wir seit ziemlich genau zwei Jahren unterhalten. Dort findet man nahezu täglich Neuigkeiten von und über uns und - als zusätzliche Qualität der Social Media - den informativen und / oder amüsanten Austausch mit unseren Besucher(innen).

Ebenso wie mit unserem seit einem halben Jahr offenen Twitter-Kanal haben wir nach zugegeben anfänglicher Skepsis diese Weiterentwicklungen des Internets als Kommunikationsplattformen, aus denen sich auch völlig neue Inhalte entwickelten, schätzen gelernt, wobei unsere Websites und Blogs immer ihre Daseinsberechtigung behalten werden.

Wer neugierig geworden ist, was dies konkret bedeutet, den laden wir herzlich zu einem Besuch bei Facebook & Twitter ein - zum Herumschnuppern muss man nicht einmal Mitglied sein.


Links:

Wir bei Facebook

Wir bei Twitter


Tag: #FBTW

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Autor: rijo
Datum: 28.04.2013
Titel: Marianne Mohr, geborene Bing (Nürnberg 1.3.1921 - Israel 23.4.2013)


Unsere Freundin Marianne war eine der Frauen, die in der unruhigen, aber von neuen Freiheiten gekennzeichneten Zwischenkriegszeit in Deutschland aufwuchs. Seit Beginn der Naziverfolgung trugen sie noch mehr Verantwortung für ihr eigenes und das Leben ihrer Familien.

Sie war stolz auf ihre Herkunft aus der Industriellendynastie Bing und ihren Vater Siegmund, der als Kritiker und Lektor im Literaturbetrieb der Weimarer Republik einigen Einfluss besaß. Selbstbewusst ging sie ihren eigenen Weg, wurde Zionistin und emigrierte folgerichtig nach Palästina, wo sie am Aufbau des Staates Israel mitwirkte. Dabei behielt sie ihre Liebe für die deutsche Kultur und Sprache und pflegte Kontakte zu anderen ehemaligen Nürnbergerinnen und Nürnbergern. Die Anrufe der temperamentvollen Frau mit der rauchigen Stimme waren immer wie Zeitreisen und zeugten von ihrer umfassenden Bildung, ihren vielfältigen Interessen und ihrem trockenen Humor.

Nach Jahren schlechter Gesundheit kam der Tod nach Aussage der Angehörigen jetzt als Erlösung zu ihr. Uns hat Marianne die Biografie ihres Vaters Dr. Siegmund Bing hinterlassen (s. Link).


Link:

Biografie Dr. Siegmund Bing (17.8.1878 in Nürnberg - 1961 in London)


Tag: #Mohr

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Autor: rijo
Datum: 01.04.2013
Titel: Der einäugige Junge - Wut, Zivilcourage & Solidarität






Aus einer E-Mail von Herbert Kolb (Holocaust-Überlebender, früher Nürnberg, heute USA) vom 17.03.2013:

In der Druckerei Popp in der Fürther Straße, bei der ich arbeiten musste, gab es einen Jungen, der etwas jünger als ich war; er hatte nur ein Auge. Ich weiß nicht mehr, wie er sein Auge verloren hat und kann mich auch auf seinen Namen nicht entsinnen.

Ihm wurde eines Tages, und das war nach dem März 1942, befohlen, mit mir zusammen irgendwohin mit einem Handwagen zu gehen. Ich weiß nicht mehr, warum und was wir holen oder bringen mussten. Jedenfalls ging ich mit meinem Judenstern und er natürlich ohne, weil er kein Jude war.

Das war für die Nürnberger, die wir auf der Straße sahen, etwas Eigenartiges: Die Menschen blieben stehen und starrten uns an. Nach einer Weile schrie der Junge zu den glotzenden Menschen: "Was schaut ihr so dumm, ich bin auch ein Jud!"

Das war natürlich nicht wahr. Doch ihm ist nichts geschehen.



Link:

Unsere Hühnerfarm. Das Leben von Bernhard und Reta Kolb nach der Emigration in die USA von Herbert Kolb


Tag: #Kolb_2013

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Autor: rijo
Datum: 31.03.2013
Titel: Gérard Langlois (1926 - 2013)


Am 16.02.2013 ist unser Freund und rijo-Gastautor, der am 31.10.1926 in Fürth als Gerhard Löwensohn geborene Gérard Langlois in Paris verstorben, für uns der Verlust eines wertvollen Menschen und Zeitzeugen, der einen kleinen Teil seines Wissens in einem auf eigenen Erlebnissen beruhenden Bericht hinterlassen hat (s. Link).



Link:

Gérard Langlois: Krieg und Widerstand in Frankreich 1939 - 1945


Tag: #Langlois

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Autor: rijo
Datum: 31.03.2013
Titel: Damnatio memoriae - aber auf zünftig bairisch!




(Grafik: rijo)



Klingt zunächst nicht wie ein Aufreger: Neulich wurde bekanntgegeben, dass das Thema der Bayerischen Landesausstellung 2018 der Wald sein wird. Der war sicher ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des Freistaats - aber in dem Jahr hätte sich die Revolution bzw. Abschaffung der Monarchie 1918 als Gegenstand des größten und hochsubventionierten bayerischen Geschichtsspektakels aufgedrängt, da sie das Ende von 1200 Jahren Feudalismus und den Beginn der uns heute selbstverständlichen Demokratie markierte. Die Forstwirtschaft ist Politikern und Historikern in Bayern also wichtiger als die Regierungsform.

In diesem Zusammenhang schon immer bezeichnend war der Umgang mit Kurt Eisner, der in Bayern die Republik ausrief, ihr erster Ministerpräsident war und zum Dank von einem Nazi-Vorläufer auf offener Straße erschossen wurde (und zuvor von 1907 bis 1910 als Zeitungsredakteur in Nürnberg arbeitete): Als linker Jude aus Berlin ist er im Reigen der weißblauen Erinnerungskultur ungefähr so beliebt wie Herpes, wogegen z.B. einem halslosen Nachfolger, der sich definitiv nicht um Demokratie oder Freiheit verdient gemacht hat, bei München ein Flughafen und in Nürnberg immerhin eine Brücke gewidmet wurden. Die Kurt-Eisner-Straßen in bayerischen Kommunen kann man an den Fingern einer Hand abzählen, in der traditionell antifaschistischen Menschenrechtshochburg Nürnberg bleibt die Faust gleich ganz in der Tasche.

Selektives Gedenken. Erschwerend kommt hinzu, dass z.B. Anne Frank ein hübsches Mädel und Opfer, Kurt Eisner aber ein professoraler Zausel (s. Bild) und kämpferischer Pazifist war. Erstere ist deshalb eher konsensfähig und ikonentauglich, neben ihr kann man auch problemlos den Antisemiten Richard Wagner abfeiern. Traurig, aber wahr ...


Link:

Wikipedia-Eintrag über Kurt Eisner


Tag: #Eisner

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Autor: rijo
Datum: 03.02.2013
Titel: Schön geredet & teuer bezahlt: das Schaustellen-Provisorium für die Münchner Pinakothek der Moderne




Noch nicht der Aufbau für das Konzert von Bruce Springsteen, sondern die Schaustelle
(alle Fotos: Susanne Rieger)





Ob noch irgendwo in München Stahlrohre übrig sind? Ansonsten: Ist zwar Ausdruck eines Offenbarungseides, geht aber zur Not auch so als dadaistisches Kunstwerk durch





Links die krümelnde PdM, rechts Münchens größter Klettergarten



Eigentlich total peinlich: Weil die Pinakothek der Moderne bereits zehn Jahre nach ihrer Eröffnung wegen Rissen im Mauerwerk saniert werden muss und im laufenden Betrieb die teure (750.000 EUR) und staubintensive Sanierung nicht machbar ist, wird jetzt an der Ecke Gabelsberger- und Türkenstraße für denselben Betrag aus Container- und Gerüstelementen ein provisorisches Ausweichquartier erstellt, um auf 300 bis 400 Quadratmetern wenigstens eine museale Notversorgung bieten zu können.

Wäre die PdM ein Eigenheim in Obersendling, dessen Bewohner wegen Pfusch am Bau in einem Zelt in ihrem Garten kampieren müssen, würden sie den Architekten und die Baufirma verklagen und wären zugleich das Gespött der Nachbarn. In den höheren Sphären der Staatskunst, wo der Quell der Steuergelder unerschöpflich sprudelt und man offenbar keine Verträge mit Auftragsnehmern schließt, sondern fatalistisch auf Allah vertraut, wird aus dem Desaster aber ein Hingucker, so Kunstminister Heubisch. Das wäre er selbst auch, wenn er in des Kaisers neuen Kleidern, also nackig, durch die Salvatorstraße stolzieren würde. Brauchen tut's aber beides nicht, vor allem wenn es ein Heidengeld kostet.

Der neckisch Schaustelle benamste Ort der Intervention und Interaktion (Zitat Stiftungsvorsitzender der PdM) soll im Oktober 2013 wieder abgebaut werden. Wir konnten keinen Buchmacher finden, der unsere Wette dagegen annehmen wollte und dass der Kostenrahmen natürlich nicht eingehalten wird. Überhaupt stellt sich die Frage, warum man vor einer Dekade Braunfels mit Magerbeton und Mehlpapp bauen ließ, wenn Stahlrohre und Plastikplanen jetzt so ein Bringer sind.

Das würfelige Kunst-Zirkuszelt und die in ihm geplanten Ersatzveranstaltungen haben aus unserer Sicht ihren Primärzweck erfüllt, wenn niemand nach den Verantwortlichen für das Debakel fragt, z.B. Initiativen, die sich regelmäßig für eine Handvoll Dollar Fördermittel vor dem hochwohllöblichen Staatsministerium in den Staub werfen müssen, um dann doch wieder leer auszugehen.

Uns persönlich würde noch interessieren, was die Mitarbeiter(innen) des Museums in dem Dreivierteljahr ohne Parteiverkehr so treiben werden. Wir würden die Gelegenheit nutzen, um in dem leeren Gemäuer Fangamandl zu spielen oder Skateboard zu fahren.

Eine hanebüchene Geschichte!


Link:

Pinakothek der Moderne und City Point: Zweierlei Kuppelei in München und Nürnberg


Tag: #PdM_2013

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Autor: rijo
Datum: 13.01.2013
Titel: Wir erziehen zeitgeschichtliche Analphabeten




Die deutsche Geschichte ist kunterbunt - mit einem Hang zum diktatorisch Braunroten
(Grafik: rijo)



Die Mehrheit der deutschen Schüler kann nicht zwischen Nazi-Deutschland, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland unterscheiden. Viele Jugendliche wissen nicht, dass die Nazizeit und die DDR Diktaturen waren und die Bundesrepublik eine Demokratie ist. - Diktatur? Demokratie? Keine Ahnung! - Gestapo? Voll Null!

Mit dem Politologen Klaus Schröder von der Freien Universität Berlin halte ich diese Ergebnisse für bedrohlich: "Später Sieg der Diktaturen?" so fragt seine neue Jugendstudie und bietet damit eine Erklärung an für zeitgeschichtliche Unkenntnis und Vorurteile deutscher Jugendlicher [...].

Aufwachen! Hinschauen! Unsere Schulen und alle anderen Verantwortlichen sind gefordert. Wertorientierter Unterricht ist die entscheidende Wissensquelle für Jugendliche, die zu Erkenntnisgewinn führt. Und höheres Wissen geht mit angemessenem Urteilen einher. Dabei ist auch die mangelnde Kontextualisierung der in Gedenkstätten angebotenen Information offenkundig. Wir sollten weniger in "Gedenkstättenhopping" sondern mehr in soliden Geschichtsunterricht investieren, einschließlich Vor- und vor allem Nachbereitung der Gedenkstättenbesuche.

Obwohl in der Studie nicht untersucht, erscheint mir die Wirkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland durchaus ähnlich. Endlos Wiederholungen: Hitlers Idole, Hitlers Frauen, Hitlers Krieger, Hitlers Manager, Hitlers Helfer. Nicht die "Weiße Rose" [...], nicht Freislers NS-"Volksgericht" gegen den deutschen Widerstand und nicht der originale Prozess gegen Adolf Eichmann, sondern seine Gefangennahme in Argentinien ist in den vergangenen Monaten gefühlte 50 mal gelaufen [...].

Und kein "Shitstorm" über die Ergebnisse der Studie. Keine Empörungswelle bei der sonst massenhaften öffentlichen Entrüstung zu einem Thema, das Internet und Medien überflutet. Stattdessen "Niveaulimbo" in der Jugendsprache mit "wulffen", "pyro", "blowmo", "swag".

Was ist eigentlich los in unserem Land? Wieviel Verantwortungsethik für unsere Jugend und deren demokratische Zukunft haben wir noch bei den Kulturministern, in der politischen Klasse und in der veröffentlichten Meinung?

Unsere Schüler wissen viel über den Nationalsozialismus, aber sie wissen nicht das Richtige. Sie haben offensichtlich aus der Vergangenheit das Falsche gelernt. Sie können das System [...] als Ganzes nicht erkennen. Kenntnisse, Fakten müssen vermittelt werden, aber sie müssen in einen Wertezusammenhang gestellt werden, damit die Schüler in der Lage sind, historische Phänomene auch einzuordnen, um gegenüber diktatorischen Verführungen jeder Farbe gewappnet zu sein. Wenn sie nicht wissen, wo die Trennlinie zwischen Demokratie und Diktatur verläuft, dann können sie das nicht [...].

Das Wesentliche ist nicht in die Mitte gestellt. Das ist zeitgeschichtliches Analphabetentum [...].

Aus Waldemar Ritter: Später Sieg der Diktaturen? In: Freiheit und Recht. Halbjahresschrift für streitbare Demokratie und Widerstand gegen Diktatur. Hg. Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) e.V., Dezember 2012/1+2, S. 13. f.


Links:

Anregungen für Lehrkräfte zur zeitgeschichtlichen Schülerarbeit in Archiven

Themen & Materialsammlungen für W-Seminararbeiten in Geschichte

Der Führer bekommt eine Fernsehserie


Tag: #DE_Geschichte

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Autor: rijo
Datum: 05.01.2013
Titel: For those about to rock - lobende Worte von .rcn für trn #4




(Grafik: rijo)



Endlich sind wir da angekommen, wo wir nach eigenem Verständnis hingehören: In der rockenden Popkultur für Erwachsene, irgendwo zwischen AC/DC, dem Bembers und dem Glubb. Der Beweis dafür ist eine Besprechung von transit nürnberg #4: USA! in der Rubrik Literaturhöhepunkte (!) der traditonsreichen .rcn (frühers ausgeschrieben Rock City News - Nürnberg), die den Nagel auf den Kopf trifft, indem sie einfach feststellt, dass unser Franken (und Bayern und Deutschland) ohne die Präsenz der Amis heute nicht nur musikalisch ziemlich traurig (= noch verpupster) aussehen würde. Nebenbei finden die Kollegen auch, dass das Buch gut lesbar ist. Da können wir nur noch mit Wayne & Garth auf die Knie fallen: Thanks a lot - we are not worthy!


Links:

Das Buch transit nürnberg #4: USA!

Die Rezension aus den .rcn

Die Website der .rcn


Tag: #rcn

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Autor: rijo
Datum: 04.01.2013
Titel: Luise David (1915 - 2012)



Titelblatt von How We Survived mit Widmung der Autorin & Luises Foto von 1938
(Grafik: rijo)



Am 3. September 2012 starb in Bloomington (Indiana) im gesegneten Alter von 96 Jahren Luise David. Sie wurde 1915 in Fürth als zweites Kind des beliebten Allgemeinarztes Dr. Albert Dreyfuss und seiner Frau Franziska geboren. Als sie im Sommer 1938 über die Zwischenstationen Wolfratshausen und Hamburg Deutschland verlassen musste, war sie bereits eine junge Mutter.

Vertreibung und individuelle Schicksalsschläge wie der frühe Tod der Mutter nur vier Jahre nach Luises Geburt formten eine starke Persönlichkeit, die dabei aber nie ihre Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit verlor. Sie war weit über das Rentenalter hinaus berufstätig und engagierte sich in New York besonders in der Vereinigung Habonim.

Luise war sich ihres Judentums ebenso bewusst wie ihrer Rolle als Zeitzeugin und Bindeglied zwischen zwei Welten. Intelligenz, Wissen und Beobachtungsgabe ließen sie die Entwicklung in Deutschland und die eigene Anpassung an ihre neue Heimat klarer wahrnehmen als andere. Deshalb fasste sie für den Ruhestand den Vorsatz, ihre Geschichte und die ihrer Familie aufzuschreiben.

Es ist ein Zeichen von Luises Energie und Zielstrebigkeit, dass sie dieses Projekt nach 18 Jahren mit dem fast 600 Seiten dicken Buch How We Survived 2003 zu einem erfolgreichen Ende brachte. Ein Nebenprodukt war unsere Freundschaft, die wir mit Briefen und E-Mails pflegten, eine der ersten aus dem Kreis der deutsch-jüdischen Emigranten, durch die wir viel über diese Menschen und ihre Lebenswege lernen durften.

Luises Tod ist für uns vor allem der Verlust eines liebgewonnenen und geschätzten Individuums. Zugleich bringt er die schmerzliche Erkenntnis, dass die Generation, die Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg als junge Erwachsene erlebt hat, uns bald verlassen haben wird.


Links:

Luise David: Wie wir überlebten. Die Chronik unserer Familie

Luise David interviewed by local newspaper (2010)


Tag: #Luise

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Autor: rijo
Datum: 01.01.2013
Titel: Verrat zahlt sich nicht aus






Gestatten - das sind Herr & Frau Judas. Wofür haben sie wohl ihre Ideale verkauft? Glücklich sehen sie jedenfalls nicht aus.



Link:

Teach In - zum selber Weiterdenken


Tag: #Judas

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Autor: rijo
Datum: 01.01.2013
Titel: Demnächst in München - NS-Text-Bild-Techno für 300.000 EUR





aus: Münchner Merkur, 14.12.2012




Auch hochgradig faszinierend & irritierend, also her mit dem Zaster: lustig leuchtende Schneemänner vor dem Verwaltungsbau an der Katharina-von-Bora-Straße
(Konzept, Realisation & Foto: Susanne Rieger - ohne Bruder)


Am 14.12.2012 berichtete der Münchner Merkur unter der Überschrift Irritierende Bilderflut:

Ein beeindruckendes Kunstwerk werden die Brüder Heisenberg neben dem NS-Dokuzentrum [an der Brienner Straße] installieren: Zehn Texte flimmern über 15 Monitore - von Tätern und Opfern der NS-Diktatur. Jedes Wort ist mit einem Bild unterlegt. [...] In der schnellen Sequenz - etwa eine Sekunde pro Bild - entstand so ein beunruhigendes, doch faszinierendes Ganzes.

Wem nicht schon von dieser Beschreibung schwindlig wird, dem drehen sich spätestens beim Inhalt der Rocky Horror Picture Show Gehirn und Magen um: Da werden, wie obiger Ausriss zeigt, flockig Aussagen aus Schlüsseldokumenten der NS-Zeit (wer hat die ausgesucht?) wie ERKUNDUNG mit einer Drohne, DER mit dem Männlich-Symbol, HERRSCHENDEN mit Hitler und VERHÄLTNISSE mit dem Bild einer Luxusvilla illustriert, getreu dem unbeschwerten Motto der Macher, [die Bilder] müssen nicht offensichtlich etwas mit dem Sinn des gezeigten Textes zu tun haben. Als Beispiel nennt der Autor das Wort ZIEL im Bericht über eine Massenvernichtungsaktion, das geschmackvollst mit dem Einlauf eines Fahrradrennens visualisiert wird.

Der Endsieg der Vermatschung von Geschichte und wohlfeil beliebiger Pseudo-Gesellschaftskritik für ohnehin permanent reizüberflutete Ravesüchtige ist das Statement des zur Vorstellung ihres visuellen Overkills vor dem Stadtrat eingeflogenen Düsentrieb-Kunstbruders:

Uns war bewusst, dass es an ganz unterschiedlichen Stellen Irritationen geben kann. [...] Wie zum Beispiel bebildert man das Wort Jude? Zeige ich einen KZ-Insassen? Woody Allen? Einen orthodoxen Rabbi?

Yeah, das ist Aufklärung im 21. Jahrhundert - Tradierung von Stereotypen! Dann aber bitte konsequent gleich einen Stürmer-Juden im Sekundentakt über die Monitore rappen lassen! Das wäre endgeil irritierend-faszinierend, vor allem für vorbeikommende Neonazis, die sich aber auch so sicher darüber freuen werden, wenn der Führer bald wieder regelmäßig in der Nähe des Königsplatzes optisch präsent sein wird.

Ebenso bezeichnend für die extraterrestrische Abgehobenheit des Diskurses waren die Reaktionen der versammelten Volksvertreter(innen) auf den bescheidenen Einwand ihres Kollegen Marian Offman, das zynisch erkenntnisferne Potpourri könne auf Leute, für die Verfolgung und Holocaust mehr bedeuten als Reminiszenzen an Fernsehabende mit ZDF History verletzend wirken. Als dieser letzte Mohikaner des gesunden Menschenverstands vorschlug, den Wort-Bild-Schwurbel vom Stadtarchiv inhaltlich prüfen zu lassen, bevor er auf die Menschheit losgelassen wird, wäre er fast von der anwesenden geballten Kompetenz in Sachen Kunst, Geschichte, Psychologie und Medienwissenschaft gesteinigt worden, die ihn zum Banausen erklärte und Einmischung in die künstlerische Freiheit vorwarf. Trotzig wie eine Kindergartengruppe jubelte man den modischen Quark zum Meisterwerk hoch (kreative Verstörung - hervorragend) und bewilligte für seine Realisierung - bitte anschnallen und das Rauchen einstellen - ZWEIHUNDERTZWEIUNDNEUNZIGTAUSEND EURO. Wenn man so großzügig vom Polit-Establishment, das sich sein Kunstverständnis aus dem SZ-Feuilleton angelesen hat, mit Steuergeld versorgt wird, ist es billig, die HERRSCHENDEN VERHÄLTNISSE mit Versatzbildchen aus dem Internet zu ironisieren.

Der Kreis schließt sich: Offenbar hatte die Vorführung dieselbe Wirkung auf den Münchner Stadtrat wie die Gehirnwäscheszene aus Clockwork Orange auf den Protagonisten des Films, die wiederum die Vorlage für das großflächige Deprogrammierungsprojekt der Gebrüder Heisenberg sein könnte, wenn das smarte Gespann über solch gegoogletes Wissen aus der cineastischen Steinzeit verfügt (oder zumindest aus Kindertagen das Zitat in den Simpsons kennt). Der Kontext des Dokuzentrums, das doch wohl den Münchner(inne)n und ihren Besucher(inne)n den Nationalsozialismus in seiner besonderen lokalen Ausprägung erklären soll, wurde bei der Entscheidungsfindung erfolgreich gelöscht und durch eine ebenso arrogante wie gefährliche Manipulation der Emotionen des Betrachters ohne didaktischen (pfui!) Wert ersetzt. Solche ... - Kunst unterscheidet sich nur insoweit von einem TV-Werbespot, dass die Macher der letzteren ihren Psycho-Job gelernt und eine Message haben, die über Verstörung hinausgeht. Fehlt zur allgemeinen Verwirrung eigentlich nur noch die Beschallung des Umfelds mit dem BPM-Gewitter von Scooter - und die kostenlose Verteilung von Speed.

Das Experimentieren mit Ikonografie und Diktion des Nationalsozialismus hat seinen ästhetischen wie inhaltlichen Reiz, gehört aber nicht zu den Aufgaben einer Einrichtung, die schon genug damit zu tun haben wird, Wissen und Verständnis zu vermitteln. Wir haben uns übrigens auf diesem Gebiet auch schon versucht (s. Links). - Äh, Münchner Stadtrat: Kaufst Du uns die Dateien auch für knapp dreihundert große Lappen ab?

Die stilsicheren kommunalen Aushilfskritiker(innen) werden spätestens nach der für Herbst 2014 geplanten Eröffnung des Dokuzentrums nicht mehr so selbstgefällig daherreden und kreativ verstört sein, wenn die ersten Beschwerden von ausländischen Besucher(inne)n einlaufen, die den ganzen Kokolores nicht verstehen und nur einen fröhlichen Bilderreigen von Adolf über Formel 1 zu Leichenbergen sehen, und Mr. Allen hoffentlich die Stadt auf Missbrauch seines Gesichts verklagt. Bis dahin muss die Frage erlaubt sein, was man Sinnvolles mit dem Haufen Knete hätte finanzieren können, z.B. Interviews mit den letzten Zeitzeugen, Freiexemplare von Kogons SS-Staat oder S-Bahn-Fahrscheine nach Dachau zur KZ-Gedenkstätte.

Letztlich ist die visuelle Zirkusnummer der Heisenbergs nur Ausdruck der wachsenden künstlerischen Unfähigkeit mit dem Nationalsozialismus umzugehen, weil seine Brutalität und seine Opfer bereits der Lebenswirklichkeit entrückt sind. Hoffentlich ist das kein böses Omen für die künftigen Inhalte des Dokuzentrums.


Links:

Auch der Führer kann fröhlich sein. Ein visuell-historisches Experiment

Manny®'s Grandpa: The Story of Nazi Bear (rijo-comics)

Der Führer bekommt eine Fernsehserie

Anmerkungen zu Rommel


Tag: #DZ_MUC

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Autor: rijo
Datum: 01.01.2013
Titel: Jerry Nothman (1930 - 2012)




The man has left the building: Jerrys Markenzeichen, der australisch-amerikanische Lederhut mit den Pins aus aller Herren Ländern
(Foto: Susanne Rieger)


Am 15. Dezember verunglückte unser Freund Jerry Nothman, geboren in Nürnberg am 1. September 1930 als Gerhard Nothmann, zusammen mit seiner Frau Corie tödlich in Nevada.

Jerrys Startposition ins Leben als durch Verfolgung und Massenmord der Nazis mittel- und heimatlose Halbwaise war denkbar ungünstig. Seine Erfahrungen und die harte Schule des Existenzkampfes ließen ihn aber nicht verbittern, sondern seine Talente und positiven Charaktereigenschaften so entwickeln, wie wir es kaum bei einem anderen Menschen erlebt haben: Intelligenz, Klugheit, Charme, Selbstironie, Realitätsinn gepaart mit Begeisterungsfähigkeit und Mitgefühl sowie unbedingte Loyalität machten aus ihm einen erfolgreichen Unternehmer, verdienstvollen Philanthropen und Mann, mit dem es einfach ein Vergnügen war sich stundenlang zu unterhalten, zu lachen, ihm zuzuhören oder in Korrespondenz zu stehen.

Durch Mühe und Arbeit hatte er sich seine Träume erfüllt von einem materiell unabhängigen Leben in den USA - in Jerrys Sprachgebrauch hieß das, er hatte genug Schnatzkis - und von der Fliegerei, schrieb seinen Erfolg aber bescheiden mehr dem Glück als seinen Leistungen zu. Dabei folgte er konsequent dem Grundsatz, dass der Glückliche solche Gaben mit den weniger Glücklichen teilen müsse, nicht nur aus Altruismus, sondern um sie in vollen Zügen genießen zu können.

Trotz seiner unumstößlichen Werte - Ehre, Integrität, Toleranz, Fairness und eines liberalen Patriotismus - war Jerry nie verbissen. Enthusiastisch folgte er dem internationalen Fußballgeschehen, was ihn regelmäßig aus dem amerikanischen Westen zu den großen Turnieren in Europa führte, und war bis zuletzt aktiver Kicker. Wunderbar ließ sich mit ihm über das klassische US-Kino fachsimpeln, vor allem die Western. Er liebte die Musik der 40er und 50er Jahre, als er selbst als Lounge Singer in Schweden auftrat. Bei seinem vorletzten Besuch im Oktober 2011 kam uns die Idee einer I did it my way Show im Stile von Frank Sinatra in Nürnberg. Der Künstler war durchaus nicht abgeneigt; wenn diese Stadt jemals etwas hervorgebracht hat, was an den Wiener Schmäh heranreicht, dann war Jerry seine Personifikation - einschließlich der Wirkung auf Frauen (= Tanten).

Für 2013 plante er konkret die Arbeit an der deutschen Übersetzung seiner Autobiografie Lucky Me, eine Atlantiküberquerung mit Corie auf der Queen Mary und ausgiebig Zeit mit seiner erst kürzlich um einen weiteren Enkel vergrößerten Familie, die ihm alles bedeutete. In seiner letzten E-Mail vom 9. November schrieb er angesichts des kommenden Thanksgiving-Festes: We truly have much to be thankful for.

Wir sind dankbar dafür, dass wir Jerry kennenlernen durften und vermissen ihn sehr, aber getreu seinem Motto Hang on or let go müssen wir den Great Spirit in the Sky, wie wir ihn manchmal anredeten (er nannte uns im Gegenzug netterweise Dear Male and Female Gnomes), jetzt loslassen, damit er den Platz in der Ewigkeit einnehmen kann, der ihm gebührt.



Links:

Jerrys Lesung in Nürnberg am 20.03.2008

Jerry 2011 in den Nürnberger Nachrichten

Jerrys Autobiografie Lucky Me


Tag: #Jerry

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.01.2013
Titel: Beiträge in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN) online




(Grafik: rijo)



Die Bayerische Staatsbibliothek München bietet folgende Texte im Internet als Grafikdateien an, die der Autor verfasst oder an denen er mitgewirkt hat:

Ludwig C. Berlin, Senta Josephthal & Gerhard Jochem: Berlin, Metzger, Josephthal: Sechs exemplarische Biographien von Mitgliedern bedeutender jüdischer Familien aus Nürnberg. Aus: MVGN 89, Nürnberg 2002, S. 181 - 199.

Rob Zweerman: Erinnerungen eines Zwangsarbeiters in Nürnberg-Zollhaus (November 1944 - April 1945). Aus dem Niederländischen übersetzt von Gerhard Jochem. Aus: MVGN 90, Nürnberg 2003, S. 107 - 165.

Gerhard Jochem: Ruhmreiche Zeiten? Die Rolle jüdischer Bürger bei Aufbau und Blüte des Sports in Nürnberg vor 1945. Aus: MVGN 91, Nürnberg 2004, S. 273 - 293.

Gerhard Jochem: Feind bleibt Feind! Kriegsgefangene in Nürnberg 1939 - 1945. Aus: MVGN 93, Nürnberg 2006, S. 227 - 298.


Tag: #
MVGN

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http://www.teriblog.de | © Susanne Rieger, Gerhard Jochem;