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Autor: rijo & Joachim Mensdorf

Datum: 02.11.2010

Titel: Wladyslaw Kostrzenski: Meine Flucht

 

 

Bibliografie

Peter Koppenhöfer und Joachim Mensdorf (Hg.) unter Mitarbeit von Alexander Schmidt: Wladyslaw Kostrzenski: Meine Flucht. Gefangenschaft und Überleben in den Lagern Mannheim-Sandhofen, Langenzenn und Flossenbürg 1944/45. Mannheim 2010. 288 S., zahlr. Abb. ISBN: 978-3-939540-58-8. EUR 17,90.


Biografie von Wladyslaw Kostrzenski

Wladyslaw Kostrzenski, 1922 in Posen geboren, wurde nach dem deutschen Überfall auf Polen mit seiner Familie ins Generalgouvernement (nach Warschau) zwangsumgesiedelt und nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes im September 1944 (mit 22 Jahren) ins KZ Dachau und später ins KZ Mannheim-Sandhofen deportiert. Sandhofen war 1944 (als Außenlager des KZ Natzweiler) zur Unterbringung von KZ-Häftlingen eingerichtet worden, die für Daimler-Benz Mannheim Zwangsarbeit leisten mussten.

In seinen Erinnerungen beschreibt Kostrzenski in unvergesslicher Weise seinen Ausbruch aus diesem KZ im Dezember 1944 und seine abenteuerliche Flucht quer durch Süddeutschland. Sie führte ihn über Heidelberg, durch das Neckartal, über Würzburg, Schweinfurt und Bamberg bis in einen Vorort von Bayreuth, wo er verraten und erneut inhaftiert wurde. Über Nürnberg gelangte er im Februar 1945 in das Gestapo-Straflager Langenzenn. Die grauenhaften Zustände in diesem Gestapo-Straflager nehmen einen wichtigen Teil seiner Erinnerungen ein. Nur die herannahende Front verhinderte im letzten Augenblick, dass das bereits über ihn verhängte Todesurteil vollstreckt wurde. Ein Evakuierungsmarsch führte ihn über Hersbruck (Außenlager des KZ Flossenbürg) ins KZ Flossenbürg selbst. Dort wurde er Ende April - schwer an Typhus erkrankt - von den Amerikanern befreit. Die Baracke, in der er lag, war nach seinen Angaben bereits von den Deutschen zur Sprengung vorbereitet worden.

Nach dem Krieg kehrte Kostrzenski nach Polen zurück, studierte in Warschau und war später als Tuberkulose-Mikrobiologe im polnischen Gesundheitswesen tätig.

In den Kostrzenski-Erinnerungen erscheint die Realität der Endzeit des Naziregimes aus den bedrückenden Perspektiven eines KZ-Häftlings (Dachau, Mannheim-Sandhofen, Hersbruck, Flossenbürg), eines Flüchtlings sowie des Insassen eines Gestapo-Straflagers (Langenzenn). Sein persönliches Schicksal und das seiner Leidensgenossen wird in erschütternden und zu Herzen gehenden Bildern deutlich. Er gestattet uns Blicke auf die grausame Wirklichkeit des Lagersystems sowie in die Abgründe menschlichen Verhaltens, Denkens und Fühlens. Immer wieder blitzt aber auf, dass er auch auf Menschen traf, die Mitgefühl erkennen ließen und in einigen Fällen auch zu Risiko bereit waren. Kostrzenskis Erinnerungen, ein hochkarätiger Text aus einer und über eine dunkle Zeit sprechen für sich selbst! Er versteht es meisterhaft Episoden aus dieser schicksalhaften Zeit so dicht zu erzählen, dass sie sich unauslöschlich in unser Gedächtnis einbrennen.


Publikationskonzept

Dr. Peter Koppenhöfer (ehem. Geschichtslehrer an der Gesamtschule Mannheim und Gründungsmitglied der KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen) und OStD a.D. Joachim Mensdorf (ehem. Direktor des Wolfgang-Borchert-Gymnasium Langenzenn) haben die Lebenserinnerungen des ehem. KZ-Häftlings und Insassen des „Arbeitserziehungslagers“ Langenzenn, Wladyslaw Kostrzenski herausgeben.

An Kostrzenskis Lebenserinnerungen schließt sich ein ausführlicher und reich bebilderter Dokumentationsteil an, der Hintergrund, historische Zusammenhänge und örtlichen Gegebenheiten verdeutlicht.

Die Publikation wendet sich an die geschichtlich und zeitgeschichtlich interessierte Öffentlichkeit. Sie verfolgt darüber hinaus eine pointiert geschichtspädagogische und gedenkstättendidaktische Intention.

Sie versteht sich als kleiner Baustein, um die Perspektive der Opfer des Nationalsozialismus im kulturellen Gedächtnis unseres Landes zu verankern. Die Zeugnisse des Leidens, der Selbstbehauptung und des Widerstandes konkreter Menschen sollen dazu beitragen, ergänzend zur unverzichtbaren intellektuellen Fundierung, jene Emotionalität zu erzeugen, aus der verantwortliches Handeln die erforderliche Gewissheit und moralische Festigkeit bezieht.

In Franken liegt es zudem nahe Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung eines Gedenkstättenbesuches von Schülern in Flossenbürg, in Zukunft vielleicht auch in Hersbruck, mit dem vorliegenden regionalen und lokalen „Bezug“ und dem Lebensschicksal eines damals 22-Jährigen zu verbinden. Dies gilt umso mehr für eine Zeit, in der die Perspektive der Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeit immer weniger - und in nicht allzu langer Zeit gar nicht mehr! - in der persönlichen Begegnung mit diesen Zeitzeugen vermittelt werden kann.

Erst im Oktober 2009 wurde in Langenzenn ein Gedenkstein enthüllt, mit dem die Bürgerschaft an die Opfer des Langenzenner Gestapo-Lagers erinnert und ihrer gedenkt.

 

Links:

Rezension "Zwangsarbeit im ländlichen Franken 1939 - 1945"

Zwangsarbeit in Nürnberg - Fakten statt Verdrängung

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Autorin: Olga Grineva

Datum: 04.04.2010

Titel: Berichterstattung in Rubezh über deutsch-russische Stadtführung von transiturs und Meridian Reisen

 

 

 

 

Das geschah in Nürnberg

Am 09.08. fand die Führung „Schicksal jüdischer Ärzte in Nürnberg nach 1933“ statt, organisiert von Meridian Reisen gemeinsam mit Frau Rieger (Firma transiturs). Die Führung wurde in zwei Sprachen - Russisch und Deutsch - durchgeführt und in unserer Zeitung, kleinen Prospekten und einigen deutschen Zeitungen („Nürnberger Nachrichten“ u.a.) angekündigt.

Die Führung bewegte sich größtenteils in der Nürnberger Altstadt, an den Orten, wo früher verschiedene Arztpraxen waren. Im Laufe der Führung wurden einmalige Fotoaufnahmen von Nürnberger Ecken Anfang des vorigen Jahrhunderts gezeigt sowie verschiedene Dokumente, Bilder von Ärzten und ihre Biographien besprochen - sehr unterschiedliche Biographien, meistens mit einem tragischen Ende.

Nach Meinung von Frau Rieger (transiturs) war diese Premiere ein großer Erfolg - es kamen annähernd 20 Teilnehmer. Nur ist es schade, dass die Zahl der deutschen Teilnehmer, die an dieser Führung teilgenommen haben, fast fünfmal so hoch war wie die Zahl der russischen. Dies wurde sowohl von russischen als auch von den deutschen Teilnehmern bemerkt und kommentiert, von den ersten mit etwas Scham und von den zweiten - mit etwas Verlegenheit. Ob der Grund dafür die allgemeine Urlaubszeit oder ein anderer war, ist schwer zu beurteilen.

Meridian Reisen und transiturs planen in der Zukunft die Durchführung verschiedener Führungen zum Thema Leben und Schicksal der Juden in Nürnberg. Darüber wird rechtzeitig in unserer Zeitung berichtet. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Redaktion, Tel. (0911) 431 27 05.

Links:

Homepage Rubezh

Homepage transiturs

Fotogalerie der Führung bei transiturs

Deutsch-russische Führung von transiturs und Meridian Reisen über Zwangsarbeit in Nürnberg 1939 - 1945 (März 2010)

Deutsch-russische Stadtführung „Zwangsarbeit in Nürnberg 1939 - 1945“ am 22. August 2010

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 06.11.2009

Titel: Zweitausendeins Merkheft September / Oktober 2009

 

Verschwunden: Australiens Südöstliches Bürstenrattenkänguru wurde 1923 endgültig das Opfer eingeschleppter Füchse und Katzen.

(Grafiken: 2001, GNR & rijo)

 

 

Der Zweitausendeins Versand ist ein sympathisches Unternehmen: In den siebziger und achtziger Jahren brachte er via Mail Order revolutionären Geist, wilde Musik und Freakbrothers Comics für wenig Geld selbst in die tiefste mittelfränkische Provinz und wurde so zu einer linken - hach! - Quelle. Da ihm unfähige und größenwahnsinnige Manager erspart blieben, gibt es ihn im Gegensatz zur - trauer! - Quelle immer noch, wenn er auch, ebenso wie seine Stammkund(inn)en, etwas an jugendlich-dynamischem Avantgardismus verloren hat. Entsprechend atmet das traditionsreiche Merkheft heute eher den Geist eines Vademekums für Oberstudienräte auf dem Weg in den burn-out-bedingten Vorruhestand. Dennoch lohnt sich auch für den unwesentlich jüngeren Kritikaster ohne solch verlockende Aussichten immer wieder das Durchblättern auf der Suche nach zeitgeistig verschwurbelten Angeboten, die etwas über den Zustand dieser Republik (?) und ihres in Ehren ergrauten rotgrünen Bildungsbürgertums nach Kapitulation und Rückzug ins Privatleben, sprich ZDF, aussagen.

Da wären zunächst Katastrophenmeldungen wie die oben mit herzzereißender Illustration zitierte vom Dahinscheiden des letzten Bürstenrattenkängurus, das einen Abschiedsbrief hinterlassen haben muss, bevor es sich von Fuchs und / oder Katze fressen ließ, denn sonst könnte man das historische Ereignis kaum so genau datieren. Mehr davon verspricht das Buch Brehms verlorenes Tierleben. Wer so was wohl kauft und liest? Wahrscheinlich die gleichen Leute, die mit Vorliebe die Überholspur auf engen Innenstadtgehsteigen durch manisches Händchenhalten blockieren.

Noch unheimlicher hinsichtlich des Geisteszustandes relevanter Kreise in der BRD 2009 ist allerdings das ernsthafte Feilbieten des klassischen 1989er Krachers Appetite for Destruction von Guns N' Roses im Eco-Pack. Die Begeisterung über die so mögliche biologische Abbauorgie hat dem Texter syntaktisch die Füße weggezogen: Von der CD über die biologisch abbaubare Einschweißfolie bis zum Sticker ist alles Kohlenstoff neutral verpackt und biologisch abbaubar.

Axl Rose und Slash trennen also zwei Dekaden später ihren Müll (Flaschen, Dosen und Spritzen) während sich ihre CDs schnabbeldibix von selbst auflösen - wenn das kein Fortschritt ist.

Take me home to the Paradise City where the grass is green and the girls are pretty? Vielleicht sollte man / frau doch mal wieder einen Jack trinken, bevor einem die ubiquitäre political, ecological, racial and religious correctness endgültig die Blutzufuhr zum Gehirn abschnürt.


Link:

Twenty Years After: drei Konzerte im Sommer 1988

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 06.11.2009

Titel: Hähä!

 

(Grafik: rijo)

Er ist sprichwörtlich, er ist legendär und die Eingeborenen bilden sich etwas auf ihn ein. Zur Zeit ist ihm ganz allein eine Ausstellung des Stadtmuseums gewidmet: „Der Nürnberger Witz“. Nur hat ihn bis heute niemand erzählt. teribloG lüftet hiermit im Rahmen der Aktion „Lachen trotz 'Quelle'“ das bestgehütete Geheimnis Nürnbergs:

Zwei Zahnstocher gehen (burg-)bergauf. Da überholt sie ein Igel. Sagt der eine Zahnstocher zum anderen: "Das hätte uns aber auch jemand sagen können, dass hier ein Bus fährt!"

Link:

rijo Humor

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Autor: rijo

Datum: 01.11.2009

Titel: Enthüllung des Mahnmals für das „Arbeitserziehungslager“ in Langenzenn

 

Berichterstattung der "Fürther Nachrichten" in der Ausgabe vom 19.10.2009 über die Einweihung des Mahnmals in Langenzenn

 

Am 18. Oktober 2009, fast 65 Jahre nach Kriegsende, wurde in der Nähe seines früheren Standorts an der Veit-Stoß-Straße in Anwesenheit von Langenzenner Bürgerinnen und Bürgern und Vertretern der Politik und Kirchen ein Gedenkstein für die Opfer des „Arbeitserziehungslagers“ (AEL) Langenzenn eingeweiht.

Das von der Gestapo Nürnberg-Fürth geführte AEL bestand von 1943 bis 1945 und hatte eine durchschnittliche Belegung von mehreren hundert männlichen und weiblichen Häftlingen, weit überwiegend ausländischen Zwangsarbeitern, die nach NS-Definition straffällig geworden waren. Die menschenunwürdigen Lebensbedingungen standen denen in den Konzentrationslagern der SS in nichts nach: Hunger, Krankheiten, schwerste Misshandlungen und regelmäßige Hinrichtungen gehörten zum Lageralltag.

Auf Initiative des örtlichen ökumenischen Gebetskreises wurde nun ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an diese Verbrechen geschaffen. Den Anstoß hierzu gab die Ausstellung des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim „Zwangsarbeit im ländlichen Franken 1939 - 1945“, die dem AEL Langenzenn ein Kapitel sowie einen Beitrag im Katalog widmete. Zugleich intensiviert sich die Auseinandersetzung mit dem Thema vor Ort in Form von hierzu angekündigten Veröffentlichungen, darunter die Edition der äußerst aufschlussreichen Erinnerungen eines Lagerinsassen durch den ehemaligen Leiter des Langenzenner Wolfgang-Borchert-Gymnasiums Joachim Mensdorf.

Links:

rijo: "Zwangsarbeit in Nürnberg - Fakten statt Verdrängung" mit eigenem Abschnitt über das AEL Langenzenn

Begleitband zur Ausstellung "Zwangsarbeit im ländlichen Franken 1939 - 1945"

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Autor: Stadtarchiv München (Pressemitteilung)

Datum: 19.10.2009

Titel: Arbeitszimmer und Bibliothek von Schalom Ben-Chorin (München 1913 - Jerusalem 1999) im Stadtarchiv München

 

Die Bibliothek von Schalom Ben-Chorin im Stadtarchiv München, 2009
(Foto: Stadtarchiv München)

 

Schalom Ben-Chorin, 1986
(Foto: Stadtarchiv München)

Das detailgetreu aufgebaute Arbeitszimmer und die Bibliothek des 1999 in Jerusalem verstorbenen Religionsphilosophen und Schriftstellers Schalom Ben-Chorin haben seit 15. Oktober 2009 im Stadtarchiv München eine neue Heimstatt bekommen.

Vor zehn Jahren, am 7. Mai 1999, ist der aus München stammende Religionsphilosoph und Schriftsteller Schalom Ben-Chorin in Jerusalem gestorben. Als Brückenbauer zwischen den Religionen und als einer der wichtigsten Protagonisten des christlich-jüdischen Dialogs genießt der 1913 als Fritz Rosenthal geborene Münchner bis heute höchstes Ansehen.

Sein reichhaltiges publizistisches Erbe kehrt nun nach Deutschland zurück. Der schriftliche Nachlass Ben-Chorins, darunter Korrespondenz und Manuskripte, befindet sich seit Juli 2009 im Deutschen Literaturarchiv Marbach, wo er wissenschaftlich erschlossen wird. Das Arbeitszimmer und die umfangreiche Bibliothek Ben-Chorins wurden der Landeshauptstadt München übereignet. Die Bibliothek, wie sie seit mehr als fünf Jahrzehnten in Ben-Chorins Wohnung im Jerusalemer Stadtteil Romema gewachsen ist, wurde im Stadtarchiv München in den letzten Monaten detailgetreu rekonstruiert. Sie ist nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Es ist der Familie Ben-Chorin, insbesondere aber seiner Ehefrau Avital zu verdanken, dass das Stadtarchiv mit Bibliothek und Arbeitszimmer die schöpferische Lebensleistung und die versöhnende Kraft eines großen Sohnes der Stadt München dokumentieren kann. Die „Rückkehr“ Ben-Chorins in seine Heimatstadt, mit der er trotz schmerzlicher Erfahrungen während der NS-Zeit bis an sein Lebensende eng verbunden war, ist ein eindrucksvolles und nachhaltiges Zeichen für Dialog und Verständigung.

Die Besichtigung von Arbeitszimmer und Bibliothek ist jeden Mittwoch (außer an Feiertagen) zwischen 9 und 12 Uhr oder nach Voranmeldung möglich.

Kontakt:
Dr. Andreas Heusler
Stadtarchiv München, Winzererstraße 68, 80797 München
Telefon: (089) 233 30815
E-Mail: andreas.heusler[at]muenchen.de

Link:

Website des Stadtarchivs München

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Autor: rijo

Datum: 05.10.2009

Titel: Freunde! Römer! Mitbürger!

 

(Foto: Susanne Rieger)

Offenbar stammt dieses Schild im Nürnberger Stadtteil Gostenhof - der genaue Standort wird wegen Klaugefahr nicht verraten - noch aus Zeiten, als die Fortbewegung auf zwei Rädern nur etwas für Abenteurer war, die dem Tod kalt ins Gesicht lächelten und sich einen Dreck um den Zustand ihrer "Signalvorrichtung" scherten.

Heute ist das freilich ganz anders. Gerade die fast schon devote Rücksichtnahme von Fahrradfahrern in aggressiver Panterhaltung mit Stromlinienschutzhelm auf 8000 EUR Rennmaschinen gegenüber Fußgängern hat vielerorts schon die Grenze zur Peinlichkeit überschritten. Und auch die Lenker von Krafträdern haben längst dazugelernt und verzichten in der Regel ganz auf die Anbringung eines der Motorleistung ihres Männlichkeitsersatzes adäquaten Auspuffs mit Schalldämpfer, um stattdessen die Umwelt durch die Verwendung eines Ofenrohrs rechtzeitig, d.h. eine halbe Stunde oder ca. 30 km davor, von ihrem Kommen zu unterrichten.

Link:

rijo Humor

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 27.09.2009

Titel: Südstadt-Safari

 

Durch diese hohle Gasse muss man kommen: der Celtis-Tunnel, eine der Verbindungen in die Südstadt

 

Abendstimmung im Südstadtpark

 

Das rote Karl-Bröger-Haus an der gleichnamigen Straße

 

"Das Wort sie sollen lassen stahn": der Schwedenkönig Gustav Adolf als frommer Reitersmann an der nach ihm benannten Kirche

 

Luther-Schulhaus: der Herr Lehrer erklärt den Knaben eine Blume ...

 

... und Fräulein Lehrerin (Pädagoginnen waren damals i.d.R. unverheiratet) hält die Mädchen zu rollengerechtem Verhalten an

 

Hummelsteiner Park: grüne Oase mit netten Menschen und der billigsten Maß Nürnbergs (Rothenburger Landwehr, Helles für EUR 4,90!)

 

Weil's so schön grün ist, gleich noch einmal: der Biergarten im Hummelsteiner Park

 

Wir arbeiten am Klischee vom Glasscherbenviertel: die Hinterlassenschaft einer Müll-Wildsau auf dem Harsdörfferplatz

 

Daneben bittet eine städtische Hinweistafel hilflos um die pflegliche Behandlung der Grünanlage

(Fotos: Gerhard Jochem)

Die Nürnberger Südstadt? Kneipen, Schmuddel, Ausländer! Hartnäckige Vorurteile nördlich der Gleise, die durch den Hauptbahnhof führen. Dabei kennt die Mehrheit der Aus- und Einheimischen das fragliche Quartier nur vom Transit durch die lauten und breiten Hauptverkehrsstraßen wie der Pillenreuther, Allersberger oder Regensburger Straße auf dem Weg von und zur Autobahn. Wer sich aber auf die Socken macht, um die Gegend genauer zu erkunden - Tropenhelm, Machete und Russischwörterbuch sind überflüssig, ein aktueller Stadtplan und bequemes Schuhwerk reichen völlig aus -, kann feststellen, dass sich jahrzehntelange Städtebauförderung manchmal wirklich lohnt: propere Wohnstraßen im nicht ganz freiwilligen Vor- / Nachkriegs-Bebauungsmix, (noch) vorhandene Infrastruktur aus Läden und Dienstleistern um die Ecke, zu der nicht zuletzt die zahlreichen Geschäfte der Nürnberger(innen) mit Migrationshintergrund beitragen, und eine Ruhe, auf die Bewohner(innen) angeblich privilegierterer Viertel nur neidisch sein können (die Bebauung ist glücklicherweise eher eventfeindlich).

Die Nürnberger Südstadt ist weder gesichts- noch geschichtslos, wie obige Schnappschüsse zeigen. Natürlich gibt es auch hier Doldis, die sich z.B. auf Kosten der Allgemeinheit ihres Abfalls entledigen. Das ist aber kein Unterschichtenproblem, sondern eher ein Symptom unserer Ego-Gesellschaft. Der meist akademisch gebildete Anwohner etwa des weit im Norden gelegenen Kobergerplatzes hätte sicherlich auch keine Skrupel dasselbe zu tun, wenn’s nicht schlicht unschicklich wäre, den verschlissenen original spanischen Rattansessel aus dem Fenster zu feuern (und sich dabei vom Nachbarn erwischen zu lassen).

Wer sich sein Nürnberg-Diplom als Ureinwohner, Zugroaster oder Gast ernsthaft verdienen will, sollte deshalb einmal auf die Wochenendfahrt mit dem Auto ins liebliche Umland zu den unschlagbar billigen Aischgründer Karpfen oder Wiener Schnitzeln in der Fränkischen Schweiz („Solche Lappen, hängen an allen Seiten über den Teller!“) verzichten - gutes, günstiges und abwechslungsreiches Essen gibt’s auch in Galgenhof, Lichtenhof oder St. Peter - und eine Expedition mit offenen Augen durch den angeblich wilden Süden unternehmen.

Links:

Traditionsbewußtes Nürnberg: Die Spaeth-Villa am Dutzendteich

Da lacht der Spekulant (das Zucker-Bär-Gelände in Sündersbühl)

Azzurra Norimberga! (Regensburger Straße 44 - 46)

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 21.09.2009

Titel: Variationen eines Themas

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

Ort der Aufnahmen: Nürnberg, Frauentorgraben

Links:

Mehr Fotos von Gerhard Jochem

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 03.06.2012

Titel: Die Wöhrder Wiese: Nürnbergs Central Park

 

Die tarngrünweißen Liegestühle gibt's kostenlos im Biergarten zu leihen
(Foto: Susanne Rieger)

 

Einladung zum Rumkugeln, im Hintergrund der ganzjährig offene Kinderspielplatz beim "Erfahrungsfeld der Sinne"
(Foto: Susanne Rieger)

 

Viel Volk im Vordergrund, hinten die Bolzplätze, auf denen kein Gras mehr wächst
(Foto: Susanne Rieger)

 

Der östliche Zugang zur WöWi in Richtung See: Ej, willste Ghetto, Alter?
(Foto: Susanne Rieger)

 

Genauso gruselig: der westliche Zugang bei der Norishalle, täglicher Schauplatz von Beinahezusammenstößen zwischen übermotivierten Radfahrern und verträumten Fußgängern
(Foto: Gerhard Jochem)

 

So sah's im September eine Woche lang am Pegnitzeinfluss in die Altstadt aus (man beachte den beziehungsreichen Club-Aufkleber auf dem Mülleimer): ein selbstregulierendes Kompostierungsexperiment oder eine Rattenfütterstelle als neue Touristenattraktion?
(Foto: Gerhard Jochem)

Kehrausstimmung auf Nürnbergs der Altstadt am nächsten gelegenem Grüngürtel: Wie alljährlich mit dem Ende der Sommerferien schließt das „Erfahrungsfeld der Sinne“ unterhalb des Prinzregentenufers und mit ihm der temporäre „Wies’n“-Biergarten, für den Insider (synonym mit dem ganzen Gelände) das Kürzel „WöWi“ verwenden. Die am Abend mit Sonnenuntergang von der Pegnitz aufziehende feuchte Luft zupfte schon in den ersten Septembertagen mit klammen Fingern an leichten Kleidern und kurzen Hosen: Es ist Zeit Bilanz der Saison 2009 zu ziehen.

Schee war’s widder: Trotz des relativen Gewühles bleibt genug Platz für die eigenen Gedanken. Das Gwerch der Leut’ beschränkt sich im Regelfall - abgesehen von durch die Obrigkeit zwecks immenser Steuereinnahmen, unzähliger höchstqualifizierter Arbeitsplätze und unerträglichem Freizeitwert der Kommune angeordneten Größtereignissen - auf Gemurmel und das Geklimper von Geschirr und Gläsern. Manchmal kommt es freilich auch zu spontanen brasilianischen Perkussionskonzerten. Hoffentlich ist das für die Anwohner(innen) nicht zu störend (der regelmäßige apokalyptische Lärm der Rasenmäh- und Baumbeschneidekommandos würde mich persönlich mehr nerven). Wer es auf der nächtlichen WöWi nur als Gast erlebt, nimmt ein bisschen Südamerika mit in die Stadt zurück - umsonst und ohne Konsumterror.

Wie so oft scheint sich diese multikulturelle Oase - nur Eskimos und Sioux wurden hier noch nicht gesichtet - aber keiner übertriebenen Aufmerksamkeit der Verantwortlichen zu erfreuen. Obige Bilder zeigen, dass die Zugänge zum Areal weniger gute Assoziationen an New York City bzw. die Bronx hervorrufen. Ein hübsches Fotomotiv wären auch unsere schmucken, dynamischen Ordnungshüter(innen) zu Fuß im Park statt als schlechtes Vorbild auf vier Rädern zwischen Spaziergängern, Joggern und Fahrradfahrern, wenn es in Nürnberg schon keine Pferdestaffel gibt. Wahrscheinlich ist im Streifenplan keine Luft für die Umrundung per pedes (in 20 Minuten für einen jungen Menschen locker machbar). Schade, denn dabei ließen sich sicher noch andere Gespräche führen als mit der Stammklientel aus „Punks“ (?) und Obdachlosen im Umfeld der Brücken des Altstadtrings.

Selbst auf die Gefahr hin, für diese Aussage gesteinigt zu werden: Der Englische Garten in München ist besser in Schuss - auch der Fürther Stadtpark an der Pegnitz. Nicht nur, dass die Nürnberger keinen hängen, den sie nicht haben, sie wissen sich offensichtlich auch die alltäglichen Dinge nicht zu schätzen, die das Leben hier lebenswert machen, und laufen in einem hoffnungslosen Hase-und-Igel-Rennen unverdrossen dem Zeitgeist hinterher. Nach einem Slalom durch die Altstadt zwischen wild ausufernden Freischankflächen, Falschparkern, die über Strafzettel nur noch milde lächeln, geistreich koordinierten Baustellen mit ihren schicken neuen Plastikabsperrungen, Nirosta-Imbissraumstationen und einen überall dumm anblökende Werbewechseldisplays, die offenbar bewusst in den Weg bzw. die Optik der Passant(inn)en gestellt werden, das ganze untermalt von Mega-Dezibel-Gewummer auch noch aus der kleinsten Dönerbude, senkt ein Aufenthalt auf der Wöhrder Wiese bei Einheimischen und Tourist(inn)en deutlich den Blutdruck und die Gefahr eines Amoklaufs - noch. Wie die Entwicklung weitergehen könnte, zeigte dieses Jahr gleich in der Nachbarschaft ein Großgastronom, der mal eben eine Tonne Sand in die Uferwiese am Wöhrder See kippen ließ, um für seinen deutlich erweiterten, hybriden Bier-Cocktail-Thai-Garten Lido-Gefühle zu wecken. Die Hütten sind weg, der Sand liegt noch da und die Enten wundern sich sichtlich, ob sie in Billigheim-Rimini gelandet sind. Naa, lustig is’ des eigentlich nimmer.

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Autor: rijo

Datum: 05.09.2009

Titel: Arachnophilia

 

(Foto: Susanne Rieger)

 

(Foto: Susanne Rieger)

 

(Foto: Susanne Rieger)

 

(Foto: Susanne Rieger)

Spinnen: Man muss sie nicht lieben, aber doof sind sie nicht, wissen sie doch, wo es sich lohnt Netze zu bauen, so wie hier an den Laternen entlang des spätsommerlichen Nürnberger Pegnitzufers. Wenn die abends eingeschaltet werden, ist selbst für die jahreszeitlich bedingte Achtbeiner-Invasion der Tisch reichlich gedeckt und aus der Metapher „wie Motten das Licht“ wird wieder nahrhafte Realität (wem’s schmeckt). Der von Stechmücken geplagte Mensch blickt mit einer gewissen Genugtuung hinauf zu den erleuchteten Gespinsten. Jedenfalls ein sicheres Zeichen, dass es nauswärts geht und der Fummel der Saison (sehr beliebt, aber optisch allermeist voll daneben: die weißen Ultraminiröcke der Damen und altrosa Poloshirts der Herren von 8 bis 80) bald mit Mottenstreifen (s.o.) versehen im Kleiderschrank landen. Da kommt Melancholie auf.

Link:

Es herbstelt

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 05.09.2009

Titel: München Update (August 2009)

 

Der Egetemeier (Augustenstraße 17 & 19) und das Nachbarhaus Nr. 15 sind weg. An ihre Stelle kommen die "Augustenhöfe" (origineller Name!)

 

Der Wittelsbacherbrunnen ist aber noch da und wunderhübsch

 

An der Ecke Brienner und Richard-Wagner-Straße schafft man Platz für die Erweiterung des Lenbachhauses

 

Mädels findet man nach wie vor am Königsplatz auf den Stufen der Glyptothek, weil da fast den ganzen Tag die Sonne hinscheint

 

Stairway to heaven (in der Brienner Straße)

 

In der Nacht ist es in der Ludwigstraße dunkel, ...

 

... das Siegestor ist illuminiert ...

 

... und am Chinesischen Turm glühen die Kastanien!


(alle Fotos: Gerhard Jochem)

Links:

Fränkische Biergartenphilosophie in München

Mehr Fotos von Gerhard Jochem

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 22.08.2009

Titel: Gestrandet

 

Ein Vorbild, nicht nur für die heranwachsende Jugend, wie üblich weitgehend unbekannt: Enno Hektor

(Foto: Gerhard Jochem)

Vergnügungssüchtig, wie man nun einmal ist, hüpft und schleicht man eines freien Nachmittags zwischen den Gräbern des Nürnberger Rochusfriedhofs herum, etwas Ruhe und Ablenkung suchend, - und was findet man? Einen „ostfriesischen Heimatdichter“ mit dem imposanten Namen Enno Hektor (geb. 21. November 1820 in Dornum, gest. 31. Januar 1874 allhier).

In den Tagen des Internets sind Mysterien nur von kurzer Dauer, etwa die Frage, wie es einen militant Plattdütsch schnackenden Poeten von der Nordsee an die Pegnitz verschlagen hat: Getreu der noch heute traurig aktuellen Wahrheit, dass der Prophet im eigenen Lande einen Pfifferling (oder Schellfisch) gilt, machte sich der zu allem Überfluss auch noch demokratisch-sozialkritische Herr Hektor nach der gescheiterten Märzrevolution und persönlichen Enttäuschungen auf gen Süden, um nach einigen Umwegen in Nürnberg sein Abitur nachzuholen. Irgendwie absehbar bekam er hier als offensichtlich sensible Persönlichkeit die Krise - Nürnberg zu Beginn der 1850er Jahre war sicher nicht besonders inspirierend, ums gaaanz vorsichtig auszudrücken - beging einen Selbstmordversuch und flüchtete zwecks Germanistikstudium erfolgreich weiter nach München. Dort ereilte ihn nach einer unvorsichtigen Publikation der Ruf als wissenschaftlicher Bibliothekar ans Germanische Nationalmuseum. Seine erste Nürnberg-Erfahrung hielt ihn nicht davon ab diese Stellung anzunehmen, in der er nun endlich das tun konnte, was ihm wichtig war: Sprachforschen und Plattdichten, wobei er die Figur des Harm Düllwuttel erfand, die ihm eigentlich schon für den genialen Namen einen Literaturpreis hätte einbringen müssen, wenn das Leben gerecht wäre.

Ist es aber nicht und war es nie, insbesondere das von Enno Hektor: Seine elektronischen Biographen (s.u. Links) raunen von vergeblichen Liebesbeziehungen und da als Äquivalent auch das Glück im Spiel ausgeblieben zu sein scheint, muss er sich zu einem ziemlich eigenartigen Kautz entwickelt haben, sodass der Verfasser seines Nachrufs im „Fränkischen Kurier“ glaubte ihn gegen den Vorwurf der Misanthropie in Schutz nehmen zu müssen. In Wirklichkeit sei er einfach wahrheitsliebend gewesen - also ließ er wirklich keine Gelegenheit bzw. keinen Charakterzug aus, um sich unbeliebt zu machen.

Was sagt man dazu: Ein bisher einem unbekannter Querdenker und -schreiber, Satiriker und Bürgerschreck im Nürnberger Exil? Ein Paradebeispiel, ein klassischer Vorläufer des transit nürnberg-Gedankens! Sollte sich deshalb jemals eine(r) seine(r) Jünger(innen) von der Waterkant auf die Pilgerfahrt zum Grab des Autors der Düllwutteliaden begeben, so möge er sich zuvor bei uns melden und wir sorgen für einen würdigen Rahmen einschließlich gemeinsamen Absingens des ebenfalls von Hektor stammenden Ostfrieslandliedes, bis dass der Jadebusen wackelt: „In Oostfreesland is’t am besten!“

Links:

Enno Hektor in „Die plattdeutschen Autoren und ihre Werke“ von Peter Hansen

Enno Hektor im „Biographischen Lexikon für Ostfriesland“ von Joachim Böger

Otto in Nürnberg

transit nürnberg

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Autor: rijo

Datum: 16.08.2009

Titel: Sommer 2009

 

 

Sommer im Anflug (unter dem rechten Fenster)

(Foto: Susanne Rieger)

Mit einer von der NASA geliehenen Ultrahochgeschwindigkeitskamera ist es Susanne Rieger gelungen den diesjährigen Sommer in Nürnberg fotografisch zu dokumentieren. Er fand einmalig am 21. Juli 2009 um 14.23 Uhr in der Bärenschanzstraße statt.

Link:

Mehr Fotos von Susanne Rieger

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Autor: rijo

Datum: 16.08.2009

Titel: Bear-napping

 

Unten links der illegale Fetenbär mit chicas locas, oben rechts unser Manny, wie immer im Einsatz für einen guten Zweck

(Grafik: rijo)


Verrat! Polizei! Tierschutzbund! - Rein zufällig wurden wir bei einer Routineinspektion der örtlichen Werbeflächen darauf aufmerksam, dass sich eine Kosmetikfirma eines lächerlichen wasserköpfigen Doubles unseres Manny, des einzig wahren Nürnberger Eisbärenjungen (yeah!), bedient, um eine Substanz an den Mann zu bringen, die diesen nach Gebrauch besser riechen lässt. Das ist bei sommerlichen Temperaturen und entsprechender Transpiration der Mitmenschen an sich zwar ein löbliches Unterfangen - aber nicht unter chinesenmäßig frecher Missachtung sämtlicher Urheber-, Vermarktungs- und Aufführungsrechte einschließlich Merchandising! In einem Interview mit einem führenden Nachrichtenmagazin gab unser Medienstar außerdem zu Protokoll, dass er sich durch diese Axt-im-Walde-Kampagne auch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt, da sie ihn in ein diffuses Texmex-Licht rückt und offenkundig eine Verbindung zwischen ihm und billigen Party-Schnallen herstellt: Prinzipiell habe er nichts gegen die Gesellschaft von hysterisch kreischenden Mädels, die ihm willenlos verfallen sind, aber um das zu erreichen habe er es nicht nötig so einen albernen Hut aufzusetzen.

Angesichts der Tragweite dieses Skandals erwägt die Regierung nun eine Verschiebung der Bundestagswahl, da sich die Kandidaten die zehn Sekunden Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen deutschen Medienkonsumenten unter 30 Jahren nicht mit einem ungleich attraktiveren Plüschtier teilen wollen. Gleichzeitig wurden erste rechtliche Schritte gegen die Bärenmissbraucher eingeleitet: Mittels einer Abmahnung wurden sie dazu verpflichtet mit den eigenen Fingernägeln alle Plakate herunterzukratzen, auf denen ihr Manny-Plagiat erscheint. In den dazugehörigen TV-Spots muss es künftig mit einem einen Sombrero tragenden Pinguin überblendet werden. Das wird teuer.

Link:

Manny-Mania (English spoken)

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 16.08.2009

Titel: Oliver Ziegler - räumt die Seele auf

 

 

 

 

Gäbe es die beiden CDs des Münchner Liedermachers / Singer-Songwriters Oliver Ziegler Kieselzeit und Neue Sterne auf Rezept, so wären die Verschreibungsgründe die im Leben immer wiederkehrenden Momente, in denen man vor lauter Gewurstel den Überblick und die Distanz zu sich selbst und zur Umwelt zu verlieren droht, ein Zustand, der im Alltag ebenso häufig auftritt wie Kopfschmerzen oder Sodbrennen. Dagegen helfen diese Lieder, die textlich und musikalisch konsequent ihre eigene poetische Sprache sprechen und eine Bilderwelt entwerfen, die man zwar erst entschlüsseln muss, von der man dann aber feststellt, dass sie in sich verblüffend schlüssig ist.

Das klingt jetzt sehr verkopft nach gesungener Hermeneutik wie Heidegger meets Neil Young, ist es aber nicht dank Oliver Zieglers souveräner Beherrschung seiner Mittel als Komponist, Textdichter, Sänger und Instrumentalist. Er beweist, dass man große Worte wie „Freiheit“ und „Liebe“ trotz millionenfachen Missbrauchs noch in den Mund nehmen und sogar singen kann ohne peinlich zu werden oder die Beschreibung eines ganz persönlichen Sommergefühls nicht in einer heillos spätromantischen Gartenlaube enden muss.

Als Anspieltipp zum Kennenlernen seines melancholischem Optimismus sind empfehlenswert auf Kieselzeit die Lieder „Schwalbengleich“, „Wiederkehr“ und „Fernweh“ sowie auf der zweiten Scheibe Neue Sterne „Meine Stadt“, „Ein paar Schritte“ und „In meinen Liedern“. Dabei zeigen die letztgenannten beiden Nummern besonders markant eine künstlerische Entwicklung hin zu einer Konzentration und Präzisierung im Einsatz von Text und Musik. Langer Rede kurzer Sinn: selber anhören!

 

Diskographie

Kieselzeit
ISBN: 934044-64-6
LC: 07975

Neue Sterne
LC: 12411

 

Link:

Oliver Zieglers Website

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Autor: rijo

Datum: 12.08.2009

Titel: Mr. Willie Glasers Auftritt bei der Gedenkveranstaltung zur Landung in der Normandie im Canadian War Museum in Ottawa am 06.06.2009

 

Mr. Glaser bei seiner Rede am 06.06.2009. Sein Kommentar dazu, dass er sie im Sitzen halten musste, da die Veranstalter ihm das Stehen ersparen wollten: „Ha, ha.“

(Foto: privat)

 

Mr. Glaser stärkt sich in der Gesellschaft eines anderen Veteranen und Freundes in der Messe eines Regiments in Ottawa mit dem Frühstuck der Gewinner: Rühreier & Bratkartoffeln

(Foto: privat)


 

Die drei Redner der Veranstaltung, jeweils Vertreter des Heeres (Mr. Glaser), der Luftwaffe und der Marine. Die Damen vom "Department of Veteran Affairs" koordinierten den Ablauf.

(Foto: privat)

Mr. Willie Glaser, in Fürth geborener Veteran des II. Weltkriegs, häufiger Gastautor bei rijo und unser Freund, hatte die Ehre vor etwa 600 Zuhörer(inne)n im Canadian War Museum der Hauptstadt Ottawa anlässlich der alliierten Landung in der Normandie am „D-Day“ vor genau 65 Jahren eine Ansprache halten zu dürfen. Ausgehend von seiner Biografie gelang es ihm dabei, zwischen der militärischen Aktion, an der er teilnahm, und dem Holocaust, in dem seine Eltern und drei seiner Geschwister ermordet wurden, eine kausale Verbindung herzustellen. Die anschließende Fragerunde musste verlängert werden, da zahlreiche Menschen zusätzliche Informationen von ihm wünschten. Für uns ist dies ein Zeichen der Wichtigkeit von Zeitzeugen bei der Vermittlung geschichtlicher Tatsachen und Mr. Glasers besonderer Befähigung für diese anspruchsvolle Aufgabe sowohl als jung gebliebene Persönlichkeit wie autodidaktischer Kenner dieser Epoche.

Links:

Willie Glaser: Erinnerungen eines jungen, in Deutschland geborenen Juden an seinen Dienst in der polnischen Armee 1941 - 1947

Willie Glasers Aufenthalt in Fürth 2007

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Autor: rijo

Datum: 02.08.2009

Titel: You read it first in transit nürnberg: Gustav Schickedanz und der Nationalsozialismus

 

Schickedanz in transit nürnberg #2 ...
(Grafik: rijo)

 

... und in Cicero
(Ausriss aus der August-Ausgabe)

Die massive wirtschaftliche Schieflage des Einzelhandelskonzerns Arcandor führte im August zu einer verstärkten Beschäftigung der Medien mit der Verstrickung des darin aufgegangenen Versandhauses Quelle in Fürth und seines Gründers Gustav Schickedanz in den Nationalsozialismus, dessen Profite durch die „Arisierung“ jüdischer Firmen und die „Entnazifizierung“ des Unternehmers als Grundlage seines kometenhaften Aufstiegs während des „Wirtschaftswunders“. Eine Story im Nachrichtenmagazin Cicero und eine dpa-Meldung lösten eine regelrechte Welle der Berichterstattung aus, die von der Regionalpresse über Handelsblatt und Spiegel bis zum Wiener Standard reichte.

Für Leser(innen) unserer Zeitschrift transit nürnberg #2 war diese bis heute brisante Geschichte freilich schon seit ihrem Erscheinen im September 2008 mit Dr. Eckart Dietzfelbingers akribisch recherchiertem Beitrag „Warum braune Flecken kein Makel blieben. Anmerkungen zum Fall Gustav Schickedanz“ keine Neuigkeit mehr. Dementsprechend ausgiebig zogen die journalistischen Kolleg(inn)en auch diesen Text für ihre Recherchen heran. Eine saubere Referenz für unseren Verlag, die Redaktion bzw. ihren Riecher für relevante Themen - und für die an Zeitgeschichte interessierte Leserschaft hoffentlich eine nachdrückliche Empfehlung transit nürnberg #2 zu erwerben und einen Blick in das im Dezember 2009 in Buchform erscheinende transit nürnberg #3 zu werfen.

Links:

Inhalt transit nürnberg #2

Website des Nachrichtenmagazins Cicero

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 23.07.2009

Titel: Mou des sei?

 

Luxusgarage mit unverbaubarem Pegnitzblick: das künftige "Veranstaltungsgebäude" des KJR
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Stellen Sie sich noch etwas Glas und Stahl drumrum vor - und es sieht immer noch deprimierend beliebig 'modern' aus
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Endlich ein Kontrapunkt zu langweiligem Fachwerk ...
(Foto: Gerhard Jochem)

 

... und Sandstein
(Foto: Gerhard Jochem)

Am rechten Ufer des Einflusses der Pegnitz in die Altstadt wird das bislang architektonisch völlig unbefriedigende Ensemble der Stadtmauer durch ein Beton- und (absehbar) Glaskleinod ergänzt. Harmonisch füllen armierte Gussplatten und Gasbeton das von vielen Einheimischen und Touristen auf dem Weg zur Wöhrder Wiese schmerzlich empfundene Vakuum in der Schrottarchitektur zwischen Hauptschule Insel Schütt und Norishalle, letztere denkmalgeschütztes Zeugnis eines Stils, der so aussieht, wie er heißt: „Brutalismus“ (echt!).

Die Bautafel gibt darüber Auskunft, dass an dieser städtebaulich sensiblen Stelle ein „Veranstaltungsgebäude“ des Kreisjugendrings entstehe, gefördert u.a. von der Bayerischen Landesstiftung, dem „Kinder- und Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung“ (was es nicht alles gibt) und der Zukunftsstiftung der Stadtsparkasse. Zuvor befanden sich dort die Werkstatt- und Lagerräume einer Handwerksfirma, sicher keine optischen Highlights, die sich aber definitiv nicht so aufdringlich vor den Blick auf Mauer und Fluss stellten.

Da hat wohl jemand ungebremst von Geschmack und Gefühl in provinzieller Geltungssucht seinen Traum von Klein-Venedig an der Pegnitz verwirklichen dürfen. Konsequenterweise (s. Fleischbrücke) gehört aber unbedingt noch ein „Veranstaltungsponton“ ins Wasser - während anderswo Liegenschaften in öffentlicher Hand vor sich hingammeln, freilich nicht unbedingt in so prominenter Lage.

Den Mäzenen der Jugend wäre als eine Alternative zu ihrer großzügigen Betonierungsbeihilfe zu empfehlen, z.B. ihre Kaffeekasse für ein paar Säcke Rasensaat zu spendieren, damit sich die Bolzplätze auf der Wöhrder Wiese nicht während der gesamten Saison abwechselnd in Schlamm- oder Staubwüsten verwandeln. But who cares?

Links:

„Ihr habt ... das Wasser in den Köpfen“ oder warum der Neptunbrunnen auf den Jakobsplatz gehört

Nostalgie pur: Die Nürnberger Mauer

Nahe am Wasser gebaut (das Ergebnis 2010)

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 23.07.2009

Titel: Wissenswertes über Erlangen

 

(Grafik: rijo)

 

Die Erlanger Samenbank (Bankgebäude s.o.) bietet neben „Gefrierkonservierung“ 105 EUR "Aufwandsentschädigung" pro ..., je ... - oje!

Link:

Website der Erlanger Samenbank

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Autor: rijo

Datum: 14.07.2009

Titel: Suche nach jüdischen Zeitzeug(inn)en für ein Dissertationsprojekt an der Universität Erlangen-Nürnberg

 

Einladung zu einer zionistischen Veranstaltung in Nürnberg, 1937
(Foto: rijo)

Für eine Dissertation zum Thema „Politischer Selbstverständigungsdiskurs der Juden in Franken zwischen 1859 und 1945“ am Lehrstuhl II für Politische Wissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Kauffmann, die auf der Grundlage archivischer Quellen erarbeitet wird, sucht Frau Karin Rönspies Zeitzeugen oder deren Verwandte und Nachkommen, die vor 1945 im Großraum Nürnberg gelebt haben.

Gesucht werden politisch aktive Personen oder Menschen, die jüdischen Vereinen angehörten oder Kenntnisse der damaligen innerjüdischen 'politischen Szene' oder Gemeindearbeit haben. Beantwortet werden sollen einige Fragen zum Thema „innerjüdisches politisches Selbstverständnis“, z.B. als Mitglieder der Zionistischen Ortsgruppe, der Jugendverbände, des „Centralvereins“, aber auch in der orthodoxen oder liberalen Gemeinde sowie sozialistisch orientierter Gruppen. Interessant wären z.B. folgende Fragen: Wie war das Verhältnis der verschiedenen jüdischen Gruppierungen untereinander? Gab es einen Austausch / eine Auseinandersetzung über politische Inhalte? Welche Gruppierung hatte die Oberhand? Welchen Widerhall fanden die Aktivitäten in der nichtjüdischen Öffentlichkeit / Presse?

Alle Beiträge, die über derartige Aktivitäten, auch über Einzelschicksale, Auskunft geben, sind sehr willkommen, auch freie Berichte aus dem Gedächtnis, außerdem Hinweise auf weitere Personen, Adressen oder Anlaufstellen, die evtl. Informationen liefern könnten. Auf Wunsch können die Schilderungen anonymisiert verwendet werden. Die Daten werden nur im Rahmen der Dissertation verwendet, außer wenn vorab ausdrücklich schriftlich einer weiteren Veröffentlichung zugestimmt wurde.

Interessenten, die Auskunft geben können, mögen sich bitte an Frau Karin Rönspies wenden:

Karin.Roenspies[at]t-online.de

Bitte fordern Sie den Fragenkatalog unter obiger E-Mail-Adresse an. Auch freie handschriftliche Berichte sind sehr willkommen.

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Autor: rijo

Datum: 12.07.2009

Titel: Eröffnung der Ausstellung „Approbationsentzug 1938“ in Klinikum Nürnberg Nord am 17.06.2009

 

Der Beginn des regionalen Teils der Ausstellung
(Foto: Susanne Rieger)

 

Besucher(innen) der Ausstellungseröffnung
(Foto: Susanne Rieger)

 

Ausschnitt aus der Liste der Nürnberger jüdischen Ärzte
(Foto: Susanne Rieger)

 

Dr. Bernd Höffken (links) und Prof. Dr. Hannes Wandt von IPPNW Nürnberg
(Foto: Susanne Rieger)

Am 17. Juni 2009 wurde die aus München kommende Ausstellung „Approbationsentzug 1938“ im Nürnberger Klinikum Nord eröffnet. Hierfür haben die Veranstalter, die "Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung e.V. Regionalgruppe Nürnberg - Fürth - Erlangen der IPPNW", die Präsentation um sechs Beispielbiographien erweitert: Die Schicksale von Prof. Dr. Ernst Nathan, Dr. Alexander Frankenburger, Dr. Theodor Delwin Katz, Dr. Ernst Seckendorf (Nürnberg), Dr. Jakob Frank und Dr. Irma Kraus (Fürth) zeigen die konkreten Auswirkungen der Verfolgung jüdischer Mediziner(innen) durch die Nazis.

Link:

Stadtführung „Jüdische Ärzte in Nürnberg und ihre Verfolgung ab 1933“

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Autor: rijo

Datum: 30.06.2009

Titel: Verleihung der Bernhard-Weiß-Medaille 2009

 

Berhard Weiß und Reinhold Robbe
(Fotos: RjF)

 

Am 6. Juli verleiht der Bund jüdischer Soldaten (RjF) die Bernhard-Weiß-Medaille für Verständigung und Toleranz an Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages.

Mit der Medaille sollen Angehörige der Bundeswehr oder mit ihr in besonderer Beziehung stehende Personen geehrt werden, die sich auf herausragende Weise für die jüdische Traditionspflege oder Toleranz und Verständigung zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen eingesetzt bzw. couragiert gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit Stellung bezogen haben. Die Laudatio auf Reinhold Robbe wird die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Frau Charlotte Knobloch, halten.

Erstmals verlieh der Bund jüdischer Soldaten im Jahre 2007 anlässlich des ersten Jahrestages der Gründung des Bundes die neu gestiftete Bernhard-Weiß-Medaille. Ausgezeichnet wurde damals Oberst Bernhard Gertz, Vorsitzender des BundeswehrVerbandes. 2008 wurde die Medaille an Dr. Peter Struck, MdB, verliehen. Weiß, geboren 1880, war als Vizepräsident der Berliner Polizei einer der schärfsten Widersacher von Joseph Goebbels. Allen seinen Auszeichnungen zum Trotz - der jüdische Soldat Weiß wurde im Ersten Weltkrieg hoch dekoriert - musste er nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ins Exil fliehen. Viele seiner Glaubensgenossen und Kameraden - es kämpften insgesamt rund 100.000 deutsche Juden in der Armee des Kaiserreiches - konnten oder wollten sich nicht retten und fielen mit ihren Familien dem Naziterror zum Opfer.

Kontakt:
Bund jüdischer Soldaten (RjF) e.V.
Postfach 08 05 62
10005 Berlin
Internet: www.bundjuedischersoldaten-online.com
E-Mail: info[at]bundjuedischersoldaten-online.com

Link:

"Vom Rittmeister zum Polizeivizepräsidenten - Dr. Bernhard Weiß und seine Bedeutung für den demokratischen Prozess in der Weimarer Republik" von Hauptmann Michael Berger, Vorsitzender des Bundes jüdischer Soldaten (RjF) e.V.

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Autor: rijo

Datum: 17.06.2009

Titel: Stadtführung „Jüdische Ärzte in Nürnberg und ihre Verfolgung ab 1933“

 

(Grafik: rijo)

 

Bei der Machtergreifung der Nazis waren fast ein Drittel der niedergelassenen Nürnberger Ärzte Juden. Deshalb galt dieser Berufsstand als besonders „verjudet“: Jüdische Ärztinnen und Ärzte wurden zum Ziel einer infamen Hetze, um zunächst ihre wirtschaftliche Existenz zu vernichten, bevor auch sie der „Endlösung der Judenfrage“ zum Opfer fielen, wenn sie nicht vorher ins Ausland fliehen konnten. Am Beispiel einzelner Lebensläufe beschreibt die Führung im Begleitprogramm der Ausstellung „Approbationsentzug 1938“ der Vereinigung „Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung, IPPNW Regionalgruppe Nürnberg - Fürth - Erlangen“ an Orten der Innenstadt lokale jüdische Geschichte, erfolgreiche Integration und den Antisemitismus, der ab 1933 zur Staatsdoktrin wurde, seit 1935 festgeschrieben in den „Nürnberger Gesetzen“.

Dauer: ca. 1 ½ h
Treffpunkt: AOK-Gebäude (Frauentorgraben 49)

Buchungen für Gruppen ab 5 Personen unter:
Verlag testimon, Postfach 119145, 90101 Nürnberg
Tel.: (0162) 75 15 840
Fax: (03222) 247 958 6
E-Mail: info[at]testimon.de
Preise:
30 EUR (bis 5 Personen)
54 EUR (bis 10 Personen)
weitere Preise auf Anfrage


Links:

Website der IPPNW Regionalgruppe Nürnberg - Fürth - Erlangen

Biografie Prof. Dr. Ernst Wilhelm Nathan (23.5.1889 in Darmstadt - 1981 in New York)

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Autor: rijo

Datum: 08.06.2009

Titel: rijo - die ersten zehn Jahre

 

 

Was gab’s neulich nicht schon alles an mehr oder weniger erfreulichen Jahrestagen zu feiern, u.a. die Gründung der NATO am 4. April 1949, die Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 und zuletzt die alliierte Landung in der Normandie am 6. Juni 1944.

Heute vor genau zehn Jahren begann ein Unternehmen, dessen historische Dimensionen im Gegensatz zu obigen Ereignissen zwar noch nicht genau abzusehen sind, das sich aber durch die Hartnäckigkeit des Betreiberduos und die Mithilfe vieler Freundinnen und Freunde als Quelle für solide Informationen, neue Ideen, fundierte Meinungen und angewandte Satire etabliert hat (Trommelwirbel - Tusch): unsere Website rijo research! (Applaus, Hurra-Rufe und fliegende Hüte, mehrfache tiefe Verbeugungen).

Vorsichtig geschätzt haben wir in dieser Zeit mit rijo und den nach und nach hinzugekommenen Ablegern teribloG, Verlag testimon und transiturs Städtetouren Nürnberg - München mehr als einhunderttausend Menschen rund um den Globus erreicht. Wir finden das „net gschlampert“ angesichts unserer Ausgangssituation in der Welt- und Medienmetropole Nürnberg und chronischer Ressourcenknappheit als halbwegs professionelle, aber ehrenamtliche Feierabendforscher / -schreiber / -webdesigner (etwas Weihrauch und Selbstmitleid müssen sein). Deshalb fordern wir von den Leser(inne)n dieser Zeilen ultimativ:


1) Lassen Sie Ihrer Begeisterung über unser Jubiläum freien Lauf und beschenken Sie uns mit Ihren Glückwünschen, Berichten, Geschichten, Bildern oder Ihrer Arbeitskraft! Wenn es sein muss, nehmen wir in Ermangelung der genannten Produktionsfaktoren für die Förderung unserer Projekte sogar Geldspenden an.

2) Kaufen Sie im Dezemberg 2009 die dritte Ausgabe von transit nürnberg im Buchformat!

3) Bleiben Sie uns gewogen!

4) Und vor allem: Don’t let the bastards grind you down - never ever!

Links:

rijo

testimon

transiturs

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 07.06.2009

Titel: "Wildes Gehügel", bevölkert von boshaften Kretins - Ausflugstipp Holledau!

 

Bloß schnell durchfahren: die Holledau von der A 9 aus
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Zwei Holledauer (klein & gemein) aus Porzellan in der Schatzkammer der Münchner Residenz
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Früher hatte die Holledau den Beinamen "Schelmenland". Also denken seine Bewohner nach dem Motto des Hosenbandordens (s.o., ebenfalls in der Residenz) auch noch Schlechtes
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Vor 200 Jahren war ein königlich bayerischer Beamter echt mies drauf (soll auch in der „guten alten Zeit“ vorgekommen sein) und würgte es seinen Landsleuten (er war selbst gebürtiger Abensberger) in der Holledau alias Hallertau sogar schriftlich so brutal rein, dass sie sich bis heute imagetechnisch nicht ganz davon erholt haben. In seinem vierbändigen Opus mit dem sagenhaft gelahrten Titel „Statistische Aufschlüsse über das Herzogthum Baiern. Aus ächten Quellen geschöpft. Ein allgemeiner Beitrag zur Länder- und Menschenkunde“ watschte Joseph von Hazzi Land und Leute kurz und bündig ab (Bd. 4, S. 88 f.):

„Einzelne Bäche wie die Wollnzach biethen engere Thäler dar - das Uibrige ist wildes Gehügel mit Waldungen durchschnitten und man kann kaum von einem Ort zum andern kommen. Nur das Amperthal sieht fröhlich aus - alles übrige ist gräuslich, voll Wald, Moos und Weide. Die Häuser gleichen den elendsten hölzernen Hütten der ersten Zeit oder wie sie noch im äußersten Norden seyn mögen; von innen und von außen ist alles schmutzig und arm. Nur im Amperthal giebt es Häuser von Stein und etwas Wohlstand. Die Menschenrace ist äußerst verkrüppelt und verkümmert - klein, dumm und wild, meist mit körperlichen Schäden behaftet. Die Leute sind übler daran wie das Vieh.“
(zitiert nach Christoph Pinzl: Die Hopfenregion. Hopfenanbau in der Hallertau - Eine Kulturgeschichte. Wolnzach 2002, S. 73)

Auch wenn der Erscheinungsort (Nürnberg 1803 - 1808) des Buches eine Auftragsarbeit der rachsüchtigen, eben erst besetzten Franken nahelegt, dürfte hinter so einer wüsten Tirade eher persönlicher Prass gesteckt haben, z.B. enttäuschte Liebe oder dass Jung-Hazzi auf der heimischen Zwergschule (!) wegen seines komischen Familiennamens regelmäßig von seinen kleinwilddummen Mitschülern vermöbelt wurde.

Trotzdem sollten sich die Tourismusmanager der durchaus vorzeigbaren Hopfenregion und ihre heute nicht mehr oder weniger als die deutsche Restbevölkerung „verkümmerten“ Einwohner überlegen, dieses fulminante Zitat offensiv in ihre Öffentlichkeitsarbeit einzubauen. In Zeiten, in denen die Konsumenten wegen „Harry Potter“ oder dem „Herrn der Ringe“ Buchhandlungen und Kinos stürmen, macht es „Nordlichter“ sicher neugierig auf eine verwunschen-düstere Gegend, in der seltsam geformte Kobolde (Pumuckl?) ihr Unwesen treiben. Diese Art der Werbung würde sich jedenfalls wohltuend von der üblichen Selbstbeweihräucherung abheben, etwa den wie Pilze aus dem Boden schießenden, überaus „gräuslichen“, dünnpfiffbraunen Hinweisschildern entlang der Autobahn, die einen ungefragt darüber aufklären, dass die eben passierte Zusammenrottung von Fertighäusern mit kunststoffverputzter Zwiebelturmkirche schon im Römischen Reich völlig unbedeutend war und heute ein Fußlappenmuseum beherbergt.

Links:

Nürnberg im Fokus einer globalen Krise: Die Hopfenernte 1909

Deutsch-französischer Zwergenaufstand

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 04.06.2009

Titel: Inside Brandhorst

 

Ein erleuchteter Peter
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Der Herr hat nicht Geburtstag
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Zum Weglaufen schön
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Leck mich
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Die Architektur: zweckdienlich & elegant
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Das Treppenhaus eröffnet immer wieder neue Perspektiven
(Foto: Gerhard Jochem)

„The early bird catches the fly“: Wer den Nerv hat, am Sonntagmorgen bereits um 10 Uhr in der Münchner Maxvorstadt vor dem neuen Museum Brandhorst anzutreten, spart sich beim ermäßigten Eintritt von 1 EUR (gilt auch für die drei Pinakotheken) nicht nur Geld, sondern derzeit auch das Gewühle, das spätestens eine Stunde nach der Öffnung in der neuesten Attraktion des Galerienviertels einsetzt. Bis dahin kann man in Ruhe die ausgestellten Kunstwerke und die für das handtuchgroße Grundstück überraschend großzügige Architektur auf drei Etagen auf sich wirken lassen.

Das Urteil des Laien über beides lautet: unbedingt selber anschauen! Über den Geschmack privater Sammler wie des Ehepaares Brandhorst lässt sich nicht streiten und zeitgenössische Kunst ist sowieso eine Sache für sich: Es gibt Dekoratives (jede Menge späte Warhols), Verkopft-Großflächiges (Twombly), Anregendes (frühe Warhols) sowie Abgedrehtes wie Neonröhren- und Wachspenisse, also für jeden etwas. Der Bau selbst ist zurückhaltender als die vergleichsweise monumentale Pinakothek der Moderne, hat aber auch im Innenraum einen eigenen Charakter, der durch die raffinierte Führung des Tageslichts und das Treppenhaus geprägt wird. Ein besucherfreundliches Special ist die kinoartige Lounge, die mittels Panoramafenster den Blick auf die benachbarten Schwestergalerien freigibt und sie so in die Inszenierung des Museums Brandhorst einbezieht, das zweifellos einen wertvollen - so oder so - Zugewinn für die öffentlichen Kunstsammlungen in München darstellt.

Link:

Es wächst und wächst ... (Bau des Museums Brandhorst)

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 04.06.2009

Titel: Plakat-Blues

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

Wer gerade zu Wahlkampfzeiten ohne den optisch-ästhetischen Schutz einer Sonnenbrille mit dem Verdunkelungsfaktor von mindestens 10 Ray Charles den öffentlichen Raum betritt, ist eigentlich selber schuld, wenn er mit einer fetten Depression wieder heimkommt. Wenn er ein eigenes Blog schreibt, kann er dann zumindest die Mitmenschen an den Gründen für plötzlich auftretende Auswanderungs- oder Suizidabsichten teilhaben lassen.

Da wäre zunächst - Potts blitz! - der Herr links oben, zugegeben kein politico, aber vielleicht gerade deswegen die letzte Hoffnung aller couch potatoes, eines Tages doch noch einmal gaaanz groß rauszukommen. Seit ich dieses Plakat gesehen habe, kann die singende Dampfnudel auch mich zu ihren scheinbar nahe am Wasser gebauten Fans zählen: Es sollen mir zwar die Ohren abfallen, bevor ich mir jemals das Geknödel anhöre, aber bei dem Anblick & Text habe ich Tränen gelacht.

In derselben Gewichtsklasse tritt ein weltberühmter Münchner Europapolitiker (links unten) an, der als eine seiner Heldentaten verkündet, er habe bisher quasi im Alleingang die Türkei aus der EU herausgehalten. Wow, Bernie! Schon das schonungslos unvorteilhafte Foto vermittelt den Eindruck eines draufgängerischen Einzelkämpfers, selbst gegen die turkophilen Massen in den EU-Mitgliedsstaaten. So ein Mann packt auch heiße Eisen wie verbleite Babynahrung und ein Quälverbot für wuschelige Hundewelpen an.

Subtiler kommt rechts oben eine nun frei wählbare frühere Parteikollegin von Sir Quickly daher, ehemals Fürther Landrätin, aktuell bayerische Landtagsabgeordnete mit internationalen Ambitionen. Ihre hidden message - Sprudelfusel für alle! - steckt (steht) zwischen den Stellwänden und passt wie die geballte Faust aufs glasige Auge der Spaß- und Konsumrepublik. Deutschland sucht den Eurostar: Pauli for President!

Leider nicht zur Wahl für ein beliebiges Parlament oder die Nachfolge von Dieter Bohlen steht der putzige kleine Gorilla aus dem Tierpark Hellabrunn, der für einen Besuch seines Zuhauses wirbt. Dies ist umso mehr zu bedauern, als er - nach seiner Mimik zu urteilen - die einzig richtige Antwort auf die zunehmende Vermüllung unserer Umwelt mit visuellem und verbalem Unsinn zu kennen scheint. Ihm würde ich jederzeit meine Stimme oder ein Mikrofon geben.

Link:

rijo Humor

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Autor: rijo

Datum: 23.05.2009

Titel: Highway to Hell - aber ökumenisch

 

(Grafik: rijo)

 

Nun folgten Blitze, Donnerrollen und Donnerschläge, und ein starkes Erdbeben entstand, so furchtbar wie nie seit Menschengedenken. Die große Stadt fiel in drei Teile auseinander, und die Städte der Heiden sanken in Trümmer. So wurde des großen Babel vor Gott gedacht und ihm der Becher des Glutweins seines Zornes gereicht. Alle Inseln verschwanden, und Berge waren nicht mehr zu sehen. Große, zentnerschwere Hagelstücke prasselten vom Himmel auf die Menschen nieder. Aber die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagelschlags; denn diese Plage war ganz entsetzlich.

Obiges ist nicht etwa ein Zitat aus Offenbarung 16,18-21, sondern die ziemlich exakte Beschreibung des Infernos, das sich am Samstag, dem 9. Mai 2009, als „2. Ökumenischer Jugendkirchentag“ getarnt über zwölf Stunden (offiziell von 11 bis 23 Uhr mit Abbau-Zugabe bis in die Puppen) auf dem Nürnberger Jakobsplatz zur Freude der Anwohner(innen) abspielte, inklusive des abschließenden Gewitters, das jedoch den Krawall selbst mit einem starken Regenguss um keinen Dezibel verringern konnte. Damit verdiente sich die wahrlich konfessionsübergreifende Veranstaltung unter dem neckischen Motto „@home - wo bist du zuhause?“ - allen Menschen in der Nachbarschaft, ob Katholiken, Protestanten, Muslims oder Hindus bluteten danach die Ohren, ihre Antwort lautet „leider im Jakobsviertel und nicht in einem idyllischen Pfarrhaus mit Garten“ - den unangefochtenen Titel der lautesten Veranstaltung an diesem Ort seit Jahren.

Dabei unterschied sich das bereits am Vortag Unheil verkündend in Stellung gebrachte Aufgebot aus Event Trucks, billigen Plastikjurten und einem Street-Soccer-Feld in nichts vom üblichen konsumistischen Werbezirkus eines Sportartikelherstellers. Wie konnte vor gut 2000 Jahren ein beschlappter Zausel mit Vollbart ohne Overkill Road Show und Monsterboxen auch nur einen Anhänger finden?

Da auch nach diesem teleologischen Love-Parade-Abklatsch nicht abzusehen ist, dass die Kirchen wegen ihres hohen Freizeitwertes oder coolen Images künftig von den Kids gestürmt werden, haben die Functionarios offensichtlich ein ihre Existenz gefährdendes Branding-Problem, von dem sie auf Kosten der Kirchensteuerzahler(innen) ablenken müssen, indem sie mitten in der Stadt eine Schau abziehen. So kommt man sicher in die Medien und jeder Passant, der arglos seine Einkaufstüten von der Breiten Gasse in die Ludwigsstraße schleppt und dabei den Jakobsplatz überquert, wird nolens volens zum statistischen Kirchentagsbesucher.

Dass die kirchlichen PR-Manager echt Schwierigkeiten mit der von ihnen zu vermittelnden Message (z.B. Nächstenliebe, Aufrichtigkeit, Dialog, Demut usw.) haben, bewies auch die zerknitterte Farbkopie, die die Nachbarschaft zwei Tage vor der Apokalypse (um eine rechtzeitige Flucht zu verhindern?) im Briefkasten vorfand. Unter der darauf für den Fall von Beschwerden angegebenen Handynummer meldete sich die wohlbekannte zuckersüße Frauenstimme von O2 mit der Aufforderung eine Nachricht zu hinterlassen. Noch witziger wäre eine Umleitung zur Telefonseelsorge gewesen. - Dazu fällt uns noch eine nette Bibelstelle ein (Matthäus 23,15):

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr durchzieht Land und Meer, um einen einzigen Glaubensgenossen zu gewinnen, und sobald er es geworden, macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

Wie gesagt, ist nicht von uns, sondern von einem anderen Stänkerer. Und laute Musik finden wir gut - aber nicht in der Nacht vor fremden Schlafzimmerfenstern. Auf solche Ideen kommen nur Kranke, die sicher kein gutes Vorbild für die Jugend sind.

Link:

RuHäÄÄäÄ!

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 22.05.2009

Titel: Fingerzeig Gottes

 

... einfach nur ein hübsches Motiv von der Nürnberger Deutschherrnstraße
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Link:

testimon-Galerie Gerhard Jochem

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 22.05.2009

Titel: Die Saat des Grauens

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

 

(Foto: Gerhard Jochem)

Entwarnung! Was auf den ersten Blick - Schneedecke im Mai - aussieht wie ein weiterer Fotobeweis für die Klimakatastrophe, ist in Wirklichkeit 'nur' der flaumige Horror aller vom Heuschnupfen Geplagten, nämlich ein ungewöhnlich dichter und großer Samenteppich am südlichen Hang des Nürnberger Pegnitztals auf der Höhe der Wöhrder Wiese, den dort der Wind zusammengeblasen hat. Trotzdem wirkt’s irgendwie unheimlich-genmanipuliert, wenn das Zeug in solchen Mengen auftritt. Wer weiß, vielleicht rottet sich der weiße Blob eines Tages zu einer komplexeren Lebensform zusammen und greift gassigehende Chihuahuas an? Eigentlich eine lustige Vorstellung - außer für die Halter von Mini-Hunden.

 

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Schi und Rodel gut - auf dem Trafalgar Square

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 22.05.2009

Titel: enfants flambés

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

(Foto: Gerhard Jochem)

 

Die Welt wird immer verwirrender. Oder verwirrter. Zunächst lag bei der Vielzahl der auf einem ordinären Einwegfeuerzeug angebrachten Warnhinweise der Verdacht nahe, dass hier ein Scherzkeks mit ebenso sinnlosen wie ungelenken (Strumpfkopf mit hängenden Mundwinkeln = enttäuschter Bankräuber?) Piktogrammen zugeschlagen hat. Eine eingehendere Analyse des internationalen Zeichen-Kauderwelschs ergibt aber die irritierende Mitteilung, dass sich der eigentlich harmlose Gegenstand bei fehlerhafter Handhabung bzw. Weitergabe in den Patschehändchen unserer Kleinen in eine Massenvernichtungswaffe verwandeln kann. Bevor der Benutzer angesichts dieser Hiobsbotschaft in Panik verfällt, erfährt er beruhigenderweise von der fünfundachtzigprozentigen Kindersicherheit (rechts oben „85% child resistant“) des Teils - wenn der gemeingefährliche Balg hinter Schloss und Riegel sitzt.

Sorgen haben wir schon. Jetzt müssen nur noch die offenbar ab 50°C durchwegs zur Brandstiftung neigenden Kindlein mit entsprechenden grafischen Gegenanzeigen versehen werden.

 

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rijo Humor

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Autor: rijo

Datum: 18.04.2009

Titel: Ágnes Rózsa in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

 

(Foto: aus dem Katalog)

 

Als Häftling der Außenkommandos bei den Siemens-Schuckert-Werken in Nürnberg und im böhmischen Holleischen hat Ágnes Rózsa und mit ihr ihr vom Verlag testimon in deutscher Sprache herausgebrachtes Tagebuch „Solange ich lebe, hoffe ich“ Eingang in die neue Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz und den dazugehörigen Katalog gefunden.

Rózsas beispielhafte Kurzbiografie steht stellvertretend für ihre ungarisch-jüdischen Leidensgenossinnen in der musealen Umsetzung und dem umfangreichen Begleitband (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Hg.): Konzentrationslager Flossenbürg 1938 - 1945. Katalog zur ständigen Ausstellung. Flossenbürg 2008. ISBN 978-3-8353-0435-2, S. 278).

 

Link:

Ágnes Rózsa: Solange ich lebe, hoffe ich

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 10.04.2009

Titel: Katholischer Kalauer

 

Veronika ...
(Foto: Gerhard Jochem)

 

... der Lenz ist da!
(Foto: Gerhard Jochem)

 

Frühlingsbilder von der Nürnberger Frauenkirche bzw. dem Heilig-Geist-Spital. Ist doch gut, wenn man noch schmunzeln kann.

 

Links:

rijo Humor

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Autor: rijo

Datum: 02.04.2009

Titel: Wo bin ich? In Regensburg? Ach so.

 

Regensburg International Airport
(Foto: Susanne Rieger)

 

Quietschbunter Karton für künftige Eierköpfe
(Foto: Susanne Rieger)

 

Vorne Reste von Architektur, hinten fröhlich vorgestanzte Studentenverwahranstalt
(Foto: Susanne Rieger)

 

Welcher gewerbliche Bauherr würde sich heute so eine Geldverschwendung leisten (Wandmalerei am ehemaligen Brauereigebäude)?
(Foto: Susanne Rieger)

Wer in Regensburg am Bahnhof ankommt, kann ihn in zwei Richtungen verlassen, entweder, wie schon immer, durch die Halle oder einen Neubau, das Einkaufszentrum „Regensburg Arcaden“ (das „C“ reißt’s typografisch raus - oder bedeutet es phonetisch echt „Arzaden“?). Da der Weg Richtung Schloss Thurn & Taxis und Domplatz bekannt ist, wird heute das andere Entre zur Stadt genommen.

Hier werden Besucher und Einheimische gleichermaßen von riesigen Werbebannern mit der Altstadtsilhouette (Blick auf die Steinerne Brücke und den Dom) und dem verunglückten Volksfront-Slogan „Wir in Regensburg“ angeblökt. Sind sie sicher? Ein wertvoller Hinweis, denn sonst könnte man wegen der hundertprozentig austauschbaren Architektur meinen, versehentlich in Celle, Wuppertal oder Stralsund ausgestiegen zu sein. Ist aber auch historisch bratwurscht, Hauptsache wir konsumieren uns vor Ort blöde.

Genauso wie das Innenleben ist auch die Außenansicht. Der langen Riegel sieht aus wie ein Flughafenterminal und besteht aus Klötzen, die sich krampfhaft mühen die Baumasse zu gliedern.

Weil Regensburg eine unserer Lieblingsstädte ist, gehen wir zunächst von der Unschuldsvermutung aus, dass ein post-postmoderner architektonischer Rohrkrepierer in Bahnhofsnähe heute schon fast ein Muss darstellt. Geht man aber nur ein paar Schritte weiter in die Galgenbergstraße, wird man erneut mit einem gesichtslosen Bau konfrontiert. Schreiend bunt bepinselte Studentenappartements Marke Eierkarton kontrastieren schrill das auf der gegenüberliegenden Straßenseite still vor sich hingammelnde alte Brauereigebäude.

Armes Regensburg, hat’s dich also auch erwischt. Gruselig sich vorzustellen, wie das einmal aussehen wird, wenn die Farbe abgeblättert ist bzw. Kaufkraftabfluss oder Konkurrenzunternehmen den „Arcaden“ denselben Grattler-Charme verliehen haben wie z.B. dem Fürther „City Center“. Und Originalität, die auch in der Aufnahme regionaler Stilelemente liegen könnte, scheint bei Architekten und Auftraggebern unter Todesstrafe zu stehen. Ubiquitärer Städtematsch, billig und gewinnoptimiert, nur noch durch GPS voneinander zu unterscheiden.

Links:

Die Münchner Maximilianhöfe: Eine Chronik von Abriss, Bau und Nutzung 2001 - 2007

Tabula rasa in Nürnberg: Milchhof und Augustinerhof

Die Abräumer: 20 Jahre nach Abschluß der Flächensanierung des Gänsbergviertels in Fürth

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 31.03.2009

Titel: Meritokratie in Deutschland 2009

 

War Ihr Vater auch schon Hartz-IV-Empfänger?
(Foto: Gerhard Jochem)

 

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Autor: rijo

Datum: 26.03.2009

Titel: Ausgetrixt

 

(Grafik: rijo)

 

Wenn man mit der Vernichtung von Traditionen eine Tradition begründen kann, dann steht die Nürnberger Industrie seit mindestens 30 Jahren auf festem geschichtlichen Boden. Das letzte Opfer ist - passend zum 175. Bahnjubiläum 2010 - die Modelleisenbahnbranche, die mit den zur Konkursmasse der Firma Märklin gehörenden Marken Trix und Lehmann ihre letzten Standorte in der Stadt verliert.

Gerade noch als Gottesgabe in der weltweiten Krise bejubelt, geht einem weiteren Zweig der einheimischen Fertigungsindustrie die Luft aus, nachdem sich deutsche und ausländische Besitzer mal wieder erfolglos bemüht haben Produkte zu entwickeln, die von der durchaus vorhandenen Kundschaft - im Falle der Miniaturzüge nicht gerade einer verarmten Randgruppe - auch gekauft werden.

Der Ablauf ist branchenübergreifend immer derselbe: Lamentieren über zu hohe Fertigungskosten, scheibchenweiser Abbau der Produktion vor Ort und Auslagerung in Billiglohnländer, schließlich Auszehrungstod am ursprünglichen Firmensitz und finaler Verkauf der Marke, soweit ihr Ruf nicht schon vorher ruiniert wurde, die dann auf Elaborate aus Vietnam oder Moldawien gepappt wird.

Das hat nichts mit Globalisierung zu tun, das ist ungezügelter Vampirismus auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung hier wie dort. Doch die Leute scheinen sich im Laufe der Jahrzehnte ebenso daran gewöhnt zu haben wie an sinkende Reallöhne, steigende Steuern und das sich stetig zuungunsten der Arbeitnehmer(innen) verschlechternde Arbeitsrecht. Nach dem Ritual der „Rettungsgespräche“ zwischen Wirtschaftsbossen und Politik, die routinemäßig mit Händeschütteln, Achselzucken und Krokodilstränen enden, ist der durchschnittliche Medienkonsument froh, dass der Blitz nicht bei ihm eingeschlagen hat, und schaltet mit einem erleichterten Seufzer die Glotze aus.

Das Beispiel des hochspezialisierten Nürnberger Modellbahnbaus zeigt besonders deutlich die menschlich zynischen und wirtschaftlich verheerenden Folgen der geltenden Managementlehre von der freien Austauschbarkeit des Produktionsfaktors Arbeit: Wissen und Fähigkeiten der Belegschaft gehen für immer verloren. Was einst den Ruf Nürnbergs als vor Innovationen sprühender Spielzeugmetropole begründete, ist hier bald nur noch im Museum zu begutachten. Und die „Internationale Spielwarenmesse“ wäre in Schanghai oder Manila näher an den Produzenten.

Link:

Gar nicht komisch - Nürnbergs Arbeitslosenzahlen im November 2012

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 26.03.2009

Titel: RuHäÄÄäÄ!

 

(Quelle: http://www.hoerstadt.at/)

 

Das tut gut: Endlich erkennt jemand die chronisch unterbewertete Bedeutung unserer akustischen Umgebung für Gesundheit und Lebensqualität und formuliert schlaue Leitsätze, wie diese auf der Ebene der Kommunen gestaltet werden soll. Da man die Botschaft aber nicht herausbrüllt, sondern österreichisch dezent und sachlich zu vermitteln sucht, ist die Resonanz bei Politik, Wirt- und Bürgerschaft außerhalb der Hörstadt Linz bescheiden.

Wir stehen voll hinter diesen Don Quichottes mit Ohropax, eben weil ihr aussichtsloser Kampf im Namen der Vernunft ein Beweis für die Existenz einer großen Koalition der Lärmdoldis ist, die den öffentlichen Raum zur akustischen Vermüllung freigegeben haben, diese im Zeichen der dicken Knete („Events“, Außenbestuhlungen etc.) vorantreiben und sich nach getaner Arbeit mittels röhrenden Retro-Panzerwagen in die Idylle ihrer Vorstadtburgen zurückziehen - wo sie jedem Nachbarn sofort die Polizei auf den Hals hetzen, der außerhalb der genehmigten Zeiten seinen Rasen mäht.

Die Linzer Charta fordert rührend unzeitgemäß das „Recht auf akustische Selbstbestimmung“. Angesichts der faktischen Entwicklung in der Stadt wären das Recht, jeden ungestraft, ungefragt und ganztägig mit Gewummer, Gewimmer und Gehupe zu belästigen, deutlich mehr im Trend. Dass sich daran etwas ändert, ist nicht zu erwarten, da die psychosomatischen Folgen von Dauerbeschallung erwiesenermaßen kurz gesagt zur Verblödung führen, ein klassischer Teufelskreis galoppierenden Schwachsinns. Wer Augen hat, der höre die uns in wachsender Zahl umzingelnden Signale.

Der Text der Linzer Charta lautet:

Der akustische Raum ist alles, was wir hören. In ihm konkretisieren sich unsere Lebensbedingungen ebenso unmittelbar wie - da wir das Gehör nicht abschalten können - unausweichlich. Der akustische Raum ist formbar. Er kann gestaltet, gepflegt und entwickelt werden.

Wir anerkennen den akustischen Raum als elementaren Bestandteil unseres Lebensraumes und verpflichten uns, bei seiner Gestaltung und Entwicklung folgende Werte zu beachten:

* Der akustische Raum ist Gemeingut. Er gehört allen.
* Die Gestaltung des akustischen Raums ist Recht und Sache aller Menschen. Die Mitwirkung daran bedarf der Chancengleichheit.
* Die Teilhabe am akustischen Raum erfordert das Recht auf akustische Selbstbestimmung und die Entwicklung eines akustischen Verantwortungsgefühls.
* Städte sind Orte akustischer Vielfalt und akustischen Reichtums, der allen barrierefrei offen stehen soll.
* Auch im akustischen Raum besteht das uneingeschränkte Recht auf persönliche körperliche Souveränität ebenso wie das Recht auf persönliche Gesundheit.
Auf diesen Werten aufbauend orientieren wir uns an folgenden Zielen:
* Wir wollen akustische Vielfalt und Klangreichtum ermöglichen und fördern.
* Wir begreifen Bau-, Verkehrs- und Raumentwicklungsprozesse in unserer Stadt auch als akustische Prozesse.
* Wir wollen alle Räume im öffentlichen Eigentum einschließlich aller öffentlichen Verkehrsmittel frei von dauerhafter Beschallung halten.
* Wir streben zum Schutz von ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen eine Verringerung der Beschallung der öffentlichen Sphäre an.
* Wir wollen die volle gesellschaftliche Teilhabe aller Hörbeeinträchtigten gewährleisten.
* Wir rufen die Bildungseinrichtungen - insbesondere Kindergärten - auf, den Erwerb von Hörkompetenz in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken.
* Wir wollen verantwortungsvolles, innovatives und gesellschaftlich engagiertes akustisches Verhalten fördern sowie neue Wege der Lärmbekämpfung gehen.

Mit der „Linzer Charta“ machen wir das Hören zu einem der Kernbereiche unserer Politik und laden andere Kommunen ein, sich der „Linzer Charta“ anzuschließen. Wir appellieren an die GesetzgeberInnen, den akustischen Raum als zentralen Lebensbereich zu berücksichtigen. Wir tun dies im Wissen und in der Überzeugung, dass Menschen von dem, was sie hören, in ihrem Innersten beeinflusst und berührt werden.

Akustisch bewusstes Handeln schafft Lebensqualität und begünstigt die individuelle Teilhabe an der gesellschaftlichen Kommunikation.

(Stand: September 2008)

Alle Städte und Kommunen, die sich mit den in der Linzer Charta formulierten Werten und Zielen identifizieren können, sind herzlich eingeladen, der Charta beizutreten und diese für sich zu ratifizieren.

 

Link:

http://www.hoerstadt.at/

Highway to Hell - aber ökumenisch

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Autor: rijo

Datum: 21.03.2009

Titel: Konfusius in Min-Chen

 

Vordergründig fernöstliche Heiterkeit, im Hintergrund
(bierernst) das Bayerische Landwirtschaftsministerium
(Foto: Susanne Rieger)

Nicht ganz neu (schon 2007 dem Freistaat von der chinesischen Region Shandong verehrt), aber immer wieder witzig: Die Statue des „heiligsten Lehrmeisters“ (so die Widmungsplakette) Konfuzius im Münchner Finanzgarten. Nach seinem fetten Grinsen zu urteilen empfindet er das auch so. Oder ist es angesichts der hier gehäuft auftretenden Ministerialbeamten die selige Erinnerung an das auf ihn zurückgehende Mandarin-System, die ihn lächeln und sich die Hände reiben lässt?

Sein Demokratieverständnis zeigt das Geschenk der „Volksregierung“ (?!) der Provinz Shandong unmissverständlich dadurch, dass es der Bayerischen Staatskanzlei den Rücken zukehrt. Was wäre vor dreißig Jahren passiert, wenn z.B. der ebenso legitimierte Magistrat von Karl-Marx-Stadt in München eine Standbild ihres Namensgebers gestiftet und auf einer Inschrift bestanden hätte, die ihn und die „harmonische Entwicklung“ der Gesellschaft im Arbeiter- und Bauernstaat über den Schellenkönig lobt? Man hätte dafür - trotz FJS’ DDR-Krediten - ungläubiges Gelächter geerntet.

Heute sind wir um so viel liberaler und schmeißen uns an jeden ran, solange die Kasse stimmt. Es sind aber üble Gerüchte, dass demnächst für die letzten freilaufenden einheimischen Maoisten im Rahmen des Artenschutzes ein Gehege in Hellabrunn eingerichtet und die Kader der Landtagsparteien in Peking geschult werden sollen.

Links:

München - Asien - Niederbayern: Globalisierung total (teriblog 08/2007)

Shenzhen, das goldene Kuckucksei (Regionalpartnerschaft mit Mittelfranken)

Blatwulst! (rijo-tv)

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Autor: rijo

Datum: 21.03.2009

Titel: Wikipedia-Artikel zum Holocaust in Fürth

 

Gedenktafeln für die Fürther Opfer der Schoa in der Halle des Neuen Jüdischen Friedhofs
(Foto: Dr. Alexander Mayer)


Der Fürther Stadtheimatpfleger Dr. Alexander Mayer hat bei Wikipedia einen Text zur Verfolgung und Vernichtung der Juden im „fränkischen Jerusalem“ verfasst, in dem er als Beispiel dem Schicksal der Familie unseres langjährigen Gastautors Willie Glaser breiten Raum gibt. Wir finden: Der gut illustrierte Artikel ist rundum empfehlenswert.

Links:

Wikipedia: Deportation und Flucht von Juden aus Fürth

rijo: Die Geschichte der Familie Glaser, geschrieben von Willie Glaser

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Autor: rijo

Datum: 07.02.2009

Titel: Schi und Rodel gut - auf dem Trafalgar Square

 

(Foto: Peter Sinclair)

 

Dieses Bild entstand nicht in Finnland oder Kanada, sondern am 2. Februar 2009 in der englischen Hauptstadt London. Unser Fotoreporter Mr. Peter Sinclair hielt mit der Kamera die frostigen Wetterkapriolen fest, die das öffentliche Leben in Großbritannien die ganze Woche über beeinträchtigten. Eine Laune der Natur oder wird die Metropole dank des Klimawandels demnächst auch Austragungsort der Olympischen Winterspiele während München unter neuen Alpengletschern verschwindet?

Links:

Von Siegel zu Sinclair: Eine jüdische Familiengeschichte unserer Zeit

Fatoumata Mittermaier ante portas! (Wintersport in Mali)

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Autorin: Susanne Rieger

Datum: 25.01.2009

Titel: Nächtlicher Mannemer Streifzug

 

Im Mannheimer Schloss aus dem 18. Jahrhundert befindet sich heute ein Teil der Universität
(Foto: Susanne Rieger)

 

Das Stadthaus im Quadrat N1, in dem auch die Stadtbibliothek untergebracht ist
(Foto: Susanne Rieger)

 

Der Wasserturm am Friedrichsplatz, Mannheims Wahrzeichen
(Foto: Susanne Rieger)

 

Verkehrsknotenpunkt Tattersall mit denkmalgeschütztem Wartehäuschen
(Foto: Susanne Rieger)

Wenn rijo reist, ist die Kamera immer dabei, um für unsere Besucher(innen) Fotomotive festzuhalten und Vergleiche mit Nürnberg und München zu ziehen.

Obwohl es heute nicht mehr zu Bayern gehört, spielte unser jüngstes Ziel in der bayerischen Geschichte eine nicht unbedeutende Rolle, da der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor 1778 seine Residenz von dort nach München verlegte. Erraten? Es ist Mannheim, im lokalen Idiom „Mannem“ gerufen, Hafenstadt in Baden-Württemberg an der Mündung des Neckars in den Rhein und zu Kanzler Kohls Zeiten oft im gleichen Atemzug mit dem benachbarten Ludwigshafen-Oggersheim genannt.

Die Orientierung in der schachbrettartig angelegten Altstadt wird dem Besucher leicht gemacht, vorausgesetzt er beherrscht das ABC: Sie ist in Planquadrate unterteilt, die mit Buchstaben und Ziffern bezeichnet sind. So kann man sich zielsicher von Rechteck zu Rechteck fortbewegen und das Schloss, das in allen Reiseführern als Sehenswürdigkeit angepriesen wird, unschwer finden.

Einen Katzensprung davon entfernt liegt das Stadthaus, dessen futuristischer Bau in der barocken Stadt vor fast 20 Jahren für heftige Diskussionen gesorgt hat.

Für eine Besucherin aus Nürnberg, der ehemaligen Reichstadt mit einer turmreichen Stadtmauer, steht der Wasserturm natürlich auch auf dem Programm. Als Unikat hat dieses Gebäude aus dem Jahre 1885 in Mannheim eine herausgehobene Bedeutung: Es steht im Mittelpunkt einer anmutigen Jugendstilanlage mit imposanten Springbrunnen, die trotz des sie umtosenden Verkehrs im Sommer einen beliebten Treffpunkt bildet.

Im Gegensatz zu Nürnberg hat sich in Mannheim die Bezeichnung „Tattersall“ erhalten, allerdings nur als Bezeichnung für den Knotenpunkt mehrerer Straßenbahnlinien. Eine Informationstafel klärt auf, dass der Name auf eine in den 1880er Jahren in der Nähe errichtete Reithalle zurückgeht. Mr. Richard Tattersall hatte die sich schnell in ganz Europa verbreitende Idee, in London einen Reitstall mit Mietpferden zu betreiben und lieh diesen Einrichtungen bald überall (ungefragt) seinen Namen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert befindet sich hier eine Straßenbahnhaltestelle, an der man (anders als in München nach dem Umstellung) problemlos am Automaten sein Ticket kaufen kann.

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 18.01.2009

Titel: Vamos muchachos!

 

(Grafik: rijo)

Im Januar 1959 begann der Siegeszug Fidel Castros und seiner Mitkämpfer durch Kuba in die Hauptstadt Havanna. Dort sind sie längst angekommen. Was noch fehlt ist die Einlösung des Versprechens von Freiheit und Demokratie. Ihre Abschiedsvorstellung auf der politischen Bühne könnte würdiger sein als das jämmerliche Bild machtbesessener Greise, die ihre Ideale vergessen haben und glauben, sich mit letzter Kraft gegen den unweigerlichen Lauf der Dinge stemmen zu müssen.

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Autor: rijo

Datum: 18.01.2009

Titel: Im Osten nichts Neues

 

Links anti-israelische Karikatur aus einer ägyptischen Zeitung, 1967. Der Israeli sagt dazu: „Jetzt weiß ich endlich, wie ich aussehe.“ (Zeichnung: Dosh, aus u.a. Buch)

 

„Die Grenzen unseres Staates sind ein Meisterwerk strategischer Planung. Sie laden zu immer neuen Sabotageakten und kriegerischen Handlungen ein, die immer neue Vergeltungsaktionen notwendig machen, die immer neue kriegerische Handlungen hervorrufen, die immer neue ... und so weiter, bis es eines Tages vielleicht doch zur Festsetzung vernünftiger Grenzen kommen wird.
[...]
[Zur Instabilität im Nahen Osten] tragen nicht unwesentlich die vielen Flüchtlinge bei, die 1948, als unser kaum gegründeter Staat von unseren arabischen Nachbarn überfallen wurde, das Land verließen, weil man ihnen versprach, dass sie nach wenigen Tagen - also nach der Vernichtung Israels und der Wiederherstellung Palästinas - zurückkehren könnten. Als die Vernichtung nicht ganz programmgemäß ablief, blieben die palästinensischen Araber, wo sie waren. Ihre arabischen Brüder, außerstande, den Jammer der Flüchtlinge mitanzusehen, siedelten sie in Konzentrationslagern nahe der israelischen Grenze an, ließen sie von der UNRRA [UN-Hilfsorganisation für Flüchtlinge] erhalten und lehrten sie schöne, melodische Hass- und Rachegesänge, um sie auf die Rückeroberung Palästinas vorzubereiten. Es versteht sich von selbst, dass dadurch die Friedensaussichten erheblich gefördert werden.“

Ephraim Kishon, 1967, zitiert nach: Pardon, wir haben gewonnen. München, Wien 1978.

 

Links:

http://www.ephraimkishon.de

Ein paar einfache Wahrheiten über Israel

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Autor: rijo

Datum: 17.01.2009

Titel: Weihnachten 2008

 

(Foto: Susanne Rieger)

 

(Foto: Harald Leder)

Jede(r), wie sie oder er es mag: Ob frau sich (links) konventionell die Nase beim Einkaufen rund um den Nürnberger Weißen (sic) Turm blau gefroren oder man (rechts) beim Verwandtenbesuch Santa Claus im mexikanischen Acapulco aufgelauert hat, stimmungsvoll war’s so oder so. Jetzt hat uns der weder stille noch heilige Alltag wieder, in dem wir nichts geschenkt bekommen. Für Fans bleibt da nur die Hoffnung auf die nächsten Weihnachten: Ungefähr 330 Mal werden wir noch wach, hach, dann ist schon erster Feiertach!

Link:

American Xmas

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Autor: rijo

Datum: 12.01.2009

Titel: Empirie

 

(Grafik: rijo)

 

Wir würden es niemals wagen, so etwas zu schreiben. Aber ein grundsolider Schweizer darf das, zumal wenn’s im Selbstversuch jederzeit bestätigt werden kann:

In jeder Gruppe von Menschen liegt der Anteil der Arschlöcher immer über fünfzig Prozent.
Charles Lewinsky, Der A-Quotient

 

Link:

„Flotte Darmtätigkeit“ gegen Größenwahn!

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Autor: Gerhard Jochem

Datum: 10.01.2009

Titel: Ein paar einfache Wahrheiten über Israel

 

 

1) Jeder Staat hat die Pflicht, seine Bürger(innen) vor Angriffen zu schützen.

2) Es ist unmöglich einen Krieg ohne zivile Opfer gegen einen Gegner zu führen, der sich hinter seinen Frauen und Kindern versteckt.

3) Wer anderen Nationen das Existenzrecht abspricht, ist ein potenzieller Massenmörder (s. deutsche Geschichte 1933 - 1945).

4) Wer wahllos Raketen in ein anderes Land abfeuert, ist ein Terrorist.

5) Solange im Nahen Osten Terrorismus staatlich gefördert wird, kann es keinen Frieden geben.

6) Keine Ideologie und kein Glaube sind auch nur ein unschuldiges Menschenleben wert.


Links:

60 Jahre Israel

Sinnloser Mord: Zum Gedenken an Jochai Lifschitz

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http://www.teriblog.de | © Susanne Rieger, Gerhard Jochem;